1860 gegen Bochum

DFB-Pokal: 45 Festnahmen - Fanprojekt kritisiert Einsatz

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Diese Aufnahme vom U-Bahnhof Fröttmaning entstand nach der Schließung der Türen durch Kabelbinder. Deutlich zu erkennen: Die Fans warten friedlich auf Einlass.

München - Die Polizei meldet nach dem Pokalspiel zwischen dem TSV 1860 und den VfL Bochum 45 Festnahmen. Das Fanprojekt München kritisiert Absperrungen der Polizei als bewusste Schikane.

Rund um das DFB-Pokal-Spiel des TSV 1860 gegen den VfL Bochum (0:2), das im Vorfeld von der Polizei bereits als Hochrisikospiel eingestuft wurde, kam es zu mehreren Zwischenfällen. Das geht aus dem Pressebericht der Polizeipräsidium München hervor. Die Brisanz der Partie lag vor allem darin, dass zwischen den Fans aus dem Ruhrpott und den Anhängern des FC Bayern eine Fanfreundschaft besteht und so auch Anhänger des Rekordmeisters in die Arena pilgerten.

Um ein Aufeinandertreffen der Fans in der U-Bahn zu verhindern, wurden etwa 450 Bochum-Fans, die sich am Christkindlmarkt an der Münchner Freiheit gemeinsam mit den befreundeten Anhängern des FC Bayern trafen, mit einem Sonderzug gegen 18.00 Uhr nach Fröttmaning gebracht.

Löwen-Fans am U-Bahnhof aufgehalten

Rund 200 Löwen-Ultras wurden von der Polizei am dortigen U-Bahnhof angehalten, um nicht auf die VfL-Fans zu treffen. Nach Angaben der Polizei griffen einige 1860-Fans die Beamten an und durchbrachen die Absperrung. Beim Durchbruch wurden mehrere Beamte zu Boden gestoßen, einer davon zog sich dabei eine Schürfwunde am Knie zu. 32 Personen wurden hier wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, Körperverletzung und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vorläufig festgenommen. Es wurden Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt.

Der Darstellung der Polizei zum Vorfall am U-Bahnhof Fröttmaning widerspricht Lothar Langer vom Fanprojekt München vehement. Die Löwen-Fans, die sich vor dem Spiel wie bei anderen Begegnungen ebenfalls üblich an den Räumlichkeiten des Fanprojekts getroffen haben, "waren über die Brisanz des Spiels informiert und sind um 19 Uhr ohne gewalttätige Absichten und friedlich in Richtung Arena aufgebrochen", so Langer. Dass ihnen die Einsatzkräfte anschließend den Zugang zum U-Bahnhof verwehrt und somit den Durchgang in Richtung Esplanade versperrt hätten, sieht der seit langem für die Betreuung von Sechzig-Fans zuständige Sozialarbeiter als bewusste Schikane und gewollte Eskalation seitens der Polizei.

Fanprojekt sieht Fehler der Einsatzleitung

Schließlich habe sich zwischen dem Eintreffen der Bochum- und Bayern-Anhänger in Fröttmaning und dem Marsch der Löwenfans vom Fanprojekt eine Zeitspanne von rund 30 Minuten befunden. Als die Polizei den Durchgang für die ankommenden Löwen-Anhänger abriegelte, waren die Bochum- und Bayernfans aus der Sonder-U-Bahn bereits im Stadion oder an den Einlasstoren der Arena. "Ein klarer Fehler der Einsatzleitung", meint Langer. Die Rechtfertigung der Polizei mit dem Argument der Fantrennung hält er überdies für unsinnig, da eine unmittelbare Gefahr des Aufeinandertreffens der zu trennenden relevanten Fangruppen zu keinem Zeitpunkt bestanden hätte. Ebenso hält es Langer in Hinblick auf das Eintreffen weiterer vollbesetzter U-Bahnen für unverantwortlich, Türen des U-Bahnhofs, die gleichzeitig auch Fluchtwege darstellen, für über eine Stunde zu versperren.

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Augenzeuge: Polizei verriegelte Türen mit Kabelbinder

Das deckt sich mit dem Augenzeugenbericht von Löwen-Fan Sebastian G. Der 27-Jährige machte sich mit einigen Freunden noch vor den Ultras auf den Weg vom Fanprojekt am Admiralbogen gegen 18.45 Uhr auf den Weg zum U-Bahnhof, um dann weiter zur Arena zu gelangen. Dort warteten schon etwa 15 Leute an der Durchgangstür, die durch rund zehn Polizisten blockiert wurde, wie er im Gespräch mit unserer Onlineredaktion berichtet. Auf eine freundlich Nachfrage bezüglich des Grundes, antwortete eine junge Polizistin nur: "Hier ist kein Durchgang." Lediglich ein Vater mit seinem Sohn wurden nach kurzer Diskussion durchgelassen.

Nach Ankunft der Ultra-Gruppierung Giasinga Buam wurden dann die Flügeltüren durch die wartende Menge aufgedrückt und die Polizisten beiseite gedrängt. Doch weit kamen die Anhänger nicht, denn das Unterstützungskommando (USK) der Polizei eilte dazu und drängte die Löwen-Fans zurück. Daraufhin verschlossen die Beamten die Türen mit Kabelbinder, sodass auch Anwohner, die lediglich zur U-Bahn wollten, nicht mehr zu den Bahnsteigen gelangen konnten.

Sebastian G. berichtet, dass die Türen erst gegen 20 Uhr geöffnet wurden. Der 27-Jährige und seine Freunde seien somit erst 15 Minuten vor Spielbeginn im Stadion angekommen. Zuvor sei von den Polizisten auf weitere Nachfragen nur mit einem Lächeln reagiert worden, wie er berichtet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Löwenfans bei Heimspielen in der Arena seltsame Polizeisperrungen über sich ergehen lassen müssen. Darüber hinaus gibt uns ein weiterer Augenzeuge an, dass ein Angriff auf die Beamten nicht stattgefunden habe, sondern lediglich die versperrten Türen aufgedrückt wurden, um den Weg zum Stadion fortzusetzen, und seitens der Polizei keinerlei Kommunikation stattgefunden habe. Die mangelnde Kommunikation seitens der Einsatzleitung bemängelt auch das Fanprojekt. 

Schlägerei im Bahnhofsviertel nach Mitternacht

Während der Partie versuchten mehrfach Fans des TSV 1860, an der Polizei vorbei zu den Blöcken der Bochumer Anhänger zu gelangen. Auch nach dem Spiel verhinderten die Beamten nach eigenen Angaben ein Zusammentreffen der beiden Fanlager, jedoch wurde ein vermummter Problemfan nach einem Durchbruchsversuch festgenommen. Es flogen Glasflaschen seitens der Löwen-Anhänger.

Gegen 1 Uhr nachts, also rund zweieinhalb Stunden nach Spielende, kam es dann zu einer Auseinandersetzung zwischen beiden Fanlagern in der Hirtenstraße im Bahnhofsviertel. Zuvor bemerkten Polizei-Beamte eine Gruppe von zehn vermummten Personen, die sich auf den Weg dorthin machten. Die Einsatzkräfte schritten ein und konnten neun Personen festnehmen. Eine kurzzeitige Auseinandersetzung zwischen den Fangruppierungen konnte jedoch nicht verhindert werden.

fw/ep

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