Acht Monate nach seinem Kreuzbandriss

Kämpfer Vallori ist zurück - Comeback gegen Club?

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Guillermo Vallori freut sich über sein Tor zum 1:1 gegen den Club.

München - Guillermo Vallori verließ vor acht Monaten als verletzter Matchwinner des TSV 1860 den Platz gegen Nürnberg  – erst jetzt ist er wieder einsatzbereit.

Es war eine Szene, in der sich das ganze Sportlerleben des Guillermo Vallori widerzuspiegeln schien. Draußen im Stadion sangen noch die Fans, als sich der Hüne schwer gestützt auf den Pressesprecher zu den Journalisten schleppte. Vallori, das stellte sich erst später heraus, hatte sich schwer verletzt. Kreuzbandriss im rechten Knie. In den letzten Spielminuten plagten ihn schwere Schmerzen. Zuvor hatte der Verteidiger, der so hart im Nehmen ist, Großes geleistet am 17. Mai 2015. Vor 68.000 Zuschauern erzielte der Spanier per Kopfball das 1:1 gegen Nürnberg, auch am 2:1- Siegtor war er beteiligt; ebenfalls per Kopf leitete er die Szene ein, die zum entscheidenden Elfmeter führte. „Der Heimsieg hat uns am Leben erhalten“, erinnert sich Vallori. Vom Platz humpelte er als Held, als selbstloser Kämpfer, so wie ihn die Fans seit vier Jahren kennen. Aber auch als Verlierer. Denn es folgte eine lange Leidenszeit. „Das war ganz schwer“, sagt er.

Guillermo Vallori trifft zum Ausgleich gegen Nürnberg.

Damals vor acht Monaten befanden sich die Sechziger – wie heute – mitten im Abstiegskampf. „Das war das wichtigste Tor meiner Karriere“, sagt Vallori. Ohne seinen Treffer wären die Sechziger in der 3. Liga gelandet. Dieses Erfolgserlebnis sei auch eine Art moralische Stütze für ihn gewesen während der langen Verletzungspause. „Wenn du schlecht gespielt hast und dir das Kreuzband reißt – dann bist du acht Monate lang traurig“, sagt er. So aber schöpfte er Mut aus einem Spiel, in dem er – ansonsten der Mann fürs Grobe – der gefeierter Matchwinner, der Retter war. „Wenn ich an Nürnberg denke“, betont er, „dann sind das nur beste Erinnerungen.“

Was aber nicht bedeutet, dass ihm das Comeback leicht gefallen wäre. „Ich war viele Stunden allein. Viele Stunden habe ich mit meinem Knie gekämpft.“ Es gab Momente, in denen auch der unbeugsame Vallori zweifelte. „Manchmal gab es in der Reha keine Steigerung, oder nur 0,5 Prozent an vier Tagen. Ich musste viel Geduld haben.“ Das gilt bis heute: „Ich musste wieder neu anfangen wie ein Kind. Zuerst habe ich gelernt, wieder richtig zu gehen, dann zu laufen, dann zu spielen.“

Guillermo Vallori wird behandelt.

Beim Zweitliga-Auftakt am Samstag geht es wieder gegen Nürnberg, wieder wird die Arena voll sein, die Sechziger rechnen mit mindestens 50.000 Zuschauer. Vallori wird die Partie aber bestenfalls von der Bank aus erleben. „Ich muss jetzt kämpfen, um wieder in die Mannschaft zu kommen.“ Eine Situation, die nicht neu ist für den 33-Jährigen. Vor eineinhalb Jahren galt er sogar schon als ausgemustert – und wurde dann noch zum Nicht-Abstiegshelden. „Ich hatte bei Sechzig schon viele Berge vor mir – und das ist ein neuer“, sagt er.

In den letzten Testspielen kam Vallori zu ersten Kurzeinsätzen. Er hat genau mitgerechnet: „15 Minuten gegen Panduri, 30 gegen Kiew, 15 gegen Burghausen.“ Erste kleine Schritte waren das, und auch Vallori weiß, dass er zunächst nur zweite Wahl sein wird. Für das Abwehrzentrum wurde Jan Mauersberger verpflichtet. Zudem ist Kai Bülow wieder fit. Da wird es schwer, wieder zur Stammkraft zu werden.

Dennoch gibt es für Vallori nur ein Ziel: „Ich will unbedingt wieder im Trikot von 1860 spielen.“ Wobei ihm auch vor dem bevorstehenden Abstiegskampf nicht bange ist. „Die Hoffnung lebt natürlich, man muss immer bis zur letzten Sekunde hoffen“, sagt Vallori, der Kämpfer, und erinnert dabei an das zweite Relegationsspiel gegen Kiel, als das 2:1 in der Nachspielzeit fiel: „Bis zur 90. Minute schienen wir tot zu sein – und dann haben wir wieder unser Herz gefunden.“

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