„Es ist völlig an den Haaren herbeigezogen“

Vor Schicksalsspiel: Ismaik holt zum Rundumschlag aus

Hasan Ismaik (l.) während seines letzten Besuchs bei einem Spiel von 1860 München.
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Hasan Ismaik (l.) während seines letzten Besuchs bei einem Spiel von 1860 München.

Lange war es still um Hasan Ismaik. Jetzt schwört der Investor 1860 auch im Falle eines Abstiegs die Treue, übt aber gleichzeitig harsche Kritik an den jüngsten Vorkommnissen.

München - Investor Hasan Ismaik will dem TSV 1860 München auch im Falle eines Abstiegs in die dritte Liga die Treue halten. Vor dem alles entscheidenden Relegationsduell gegen Jahn Regensburg (Dienstag, 18 Uhr im Liveticker) meldete sich der Jordanier via Facebook zu Wort.

„Es ist völlig an den Haaren herbeigezogen, dass ich im Abstiegsfall den TSV 1860 möglicherweise verlassen werde“, schrieb Ismaik in seinem Post und schob hinterher: „Ich stehe zu meinem Wort, weil ich mich in die Löwen verliebt habe und die Fans sehr, sehr schätze.“

In den vergangenen Tagen wurde in den Medien über einen Rückzug des 40-jährigen Milliardärs spekuliert. Grund dafür war die Abwesenheit Ismaiks bei den letzten Partien der Löwen. Seit dem 30. April war der Investor bei keinem Spiel seines Klubs zugegen. Dazu blieb auch seine Facebook-Seite, über die er in den Monaten zuvor in kurzen Abständen, seine Meinung verbreitet hat, verwaist. Wie Präsident Peter Cassalette in der Bild am Sonntag verriet, weilt Ismaik derzeit in Los Angeles. Aufgrund des muslimischen Fastenmonats Ramadan soll der Geschäftsmann keine Reisen unternehmen können.

Im jüngsten Post macht der Geldgeber der Münchener Löwen auch seinem Unmut über die sportlich enttäuschende Spielzeit Luft. Mit 36 Punkten aus 34 Spielen landete der Traditionsverein nur auf Rang 16 der 2. Bundesliga. Zu wenig für die hohen Ansprüche in der bayerischen Landeshauptstadt und von Ismaik selbst.

„Und was kam dabei raus? Die Relegation“

„Sehr enttäuscht“ sei er, und hofft, dass das „wohl jeder nachvollziehen“ kann. „Wir haben seit Sommer 2016 viele Millionen in die Mannschaft gesteckt und neben Stuttgart sowie Hannover den teuersten Kader. Und was kam dabei heraus? Die Relegation!“, schob Ismaik hinterher.

In den vergangenen beiden Transferperioden hat der Verein laut Transfermarkt.de Spieler für insgesamt über rund neun Millionen Euro verpflichtet. Mit minus 6,8 Millionen Euro haben die Löwen sogar die schlechteste Transferbilanz aller 18 Zweitligisten in der laufenden Spielzeit.

Allerdings will der Jordanier auch nicht alle Schuld an der aktuellen Situation von sich weisen: „Was ich mir vorwerfen muss ist, dass ich sogenannten Fachleuten vertraut habe, ohne zu hinterfragen, was mit meinem Geld eigentlich passiert. Hier war ich blauäugig.“

Ismaik fordert „grundlegende Änderungen auf allen Ebenen“

Für die Zukunft im Verein - egal in welcher Liga - fordert Ismaik „grundlegende Änderungen auf allen Ebenen“. Der 40-Jährige hält weiter fest: „Alles, was ich in den vergangenen Jahren unternommen habe, um den Verein voranzutreiben, ist auf allen Ebenen gescheitert. Das bestätigt mich, dass diese Änderungen die einzige Lösung sind.“

Der Verein wird offenbar auch in ganz naher Zukunft auf die Finanzkraft des Jordaniers angewiesen sein. Wie interne Quellen berichten, muss 1860 bis zum Mittwoch, 31. Mai, noch 20 Millionen Euro an Geldmitteln bei der DFL (Deutsche Fußball-Liga) nachweisen. Andernfalls wäre ein Verbleib in der zweiten Liga auch im Falle einer erfolgreichen Relegation gegen Regensburg offenbar nicht gesichert. Ob Ismaik den Verein auch zum erneuten Mal vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren werde, dazu wollten sich auf unsere Anfrage weder Vereinspräsident Peter Cassalette noch Geschäftsführer Ian Ayre äußern.

„Nicht akzeptabel finde ich, dass ich aus den eigenen Reihen beleidigt werde“

Für Ärger sorgte in den vergangenen Tagen auch ein auf Ismaik angestimmter Protestsong. Während des 1:1-Unentschiedens im Relegations-Hinspiel in Regensburg stimmten Teile der Löwen-Fans ein Lied mit der Zeile „Sch... auf den Scheich“ an. Woher die Gesang kommt, ist bis heute noch unklar. Zuerst kursierte die Variante in den Medien, dass die „Freunde des Sechz‘ger Stadions (FdS) die investorkritischen Verse in die Welt gesetzt hätten. Auf deren Facebook-Page wurden die Zeilen in einem Post veröffentlicht.

Gegen dieses Darstellung wehrt sich die Gruppe um FdS-Vorstand Markus Drees, der zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats ist. „Im fraglichen Facebook-Eintrag wird nur von Dokumentatisonszwecken gesprochen. Von einer Urheberschaft steht dort aber nichts. Auch eine Wertung haben wir nicht vorgenommen“, sagte Drees.

Für Ismaik ein absolutes No-Go, wie er in seinem neusten Facebook-Beitrag weiter betonte: „Dr. Markus Drees, der Verwaltungsratschef des TSV 1860 e.V., hat in seiner Funktion als Vorstand der "Freunde des Sechziger Stadions" zugelassen, dass ich auf deren Facebookseite unter der Gürtellinie angegriffen werde.“

tlo

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