1860-Gegner im tz-Interview

FCI-Coach: "Wir stehen zu Recht ganz oben"

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Ralph Hasenhüttl.

München - Er trainiert mit dem FC Ingolstadt das Team der Stunde in der Zweiten Liga. Am Samstag kommt Ralph Hasenhüttl mit seinen „Schanzern“ zum Duell gegen die Löwen in die Arena. Im tz-Interview spricht er über seine Ambitionen.

„Wir fahren mit großer Freude nach München“, sagt der 47-jährige Grazer. „Meine Spieler können das Wochenende schon gar nicht mehr erwarten!“ Das tz-Derby-Interview:

Herr Hasenhüttl, reizt Sie Ihr Trainerjob eigentlich noch?

Hasenhüttl: Bitte? Wie kommen Sie jetzt darauf?

Sie haben kürzlich gesagt, es sei reizvoll, die Tabelle von hinten aufzurollen. Jetzt stehen Sie auf Platz eins…

Hasenhüttl (lacht): Der war gut! Aber keine Sorge: Meine Motivation hat nicht gelitten seit Freitag.

Seit der FC Ingolstadt mit einem 4:1 gegen den VfR Aalen die Tabellenspitze übernommen hat. Wachen Sie seitdem mit einem Lächeln auf?

Hasenhüttl: Was mich jeden Tag lächeln lässt, ist weniger die Tabelle, sondern die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt. Das ist attraktiver, begeisternder Fußball für Trainer und Fans, was wir gegen Fürth (2:0), in Sandhausen (3:0) und jetzt gegen Aalen gespielt haben. Die Mannschaft hat – auch durch Mathew Leckie, Lukas Hinterseer und Benjamin Hübner – in Sachen Speed, Lauf- und Zweikampfstärke noch mal zugelegt. Das ist jetzt schon nahe an meiner Idealvorstellung.

Qualitäten in der Spielgestaltung, offensive Durchschlagskraft – in der vergangenen Saison hat man mit Ingolstadt eher andere Tugenden verbunden.

Hasenhüttl: Ich habe die Mannschaft im Oktober 2013 auf Platz 18 übernommen, da ging es vor allem darum, dass wir uns defensiv stabilisieren. Am Ende waren wir Zehnter. Jetzt schaut es so aus, dass die Mannschaft schneller als erwartet den nächsten, viel schwierigeren Schritt geschafft hat. Wir spielen mutiger, attackieren früh, nach Ballgewinn geht’s ohne Schnörkel vorne rein. 12 Tore hat sonst niemand in der Liga geschossen. Ich denke, wir stehen nach fünf Spielen zu Recht ganz oben.

Trotzdem kamen zuletzt gegen Aalen nur gut 6000 Zuschauer in den Sportpark. 

Hasenhüttl: Ja, aber man merkt schon, dass wir uns den verlorenen Kredit langsam wieder erarbeiten. Wichtig ist, dass die Fans, die kommen, mit einem Lächeln nach Hause gehen, weil sie was erlebt haben. Eine Mannschaft, die sich zerreißt, Torchancen en masse herausspielt. Der Rest kommt von alleine – wenn die Leute allmählich merken, dass man beim FC Ingolstadt was versäumt, wenn man zu Hause bleibt.

Rein sportlich ist der FCI derzeit hinter Bayern und Augsburg die dritte Kraft im Freistaat. Eine Rolle, die Sie dem Klub auf Sicht ernsthaft zutrauen?

Hasenhüttl: Natürlich ist das ein Ziel. Aber wir dürfen jetzt nicht zu schnell zu viel erwarten. Ich merke, dass sich immer mehr Menschen – auch Medienmenschen – mit uns beschäftigen. Bisher hat es immer nur geheißen, das ist der Audi-Klub, der Rest hat gar nicht interessiert. Jetzt wird auch die Art und Weise, wie wir spielen, wahrgenommen. Eine schöne Entwicklung, auch wenn es noch nicht ganz zu einem 30-Minuten-Fernsehbeitrag reicht (lacht).

Im Gegensatz zu Ihrem Kollegen Moniz haben Sie einen relativ kleinen Kader. Ein kalkulierbares Risiko?

Hasenhüttl: Ja, wir haben im Sommer ganz bewusst mehr Spieler abgegeben als geholt. Für den Konkurrenzkampf sorgen junge Spieler aus den eigenen Reihen. Ich möchte nicht mit einem so großen Kader arbeiten, wie ihn zum Beispiel 1860 hat, weil es unheimlich schwierig ist, die Leute bei der Stange zu halten. Aber das hat mein Kollege ja auch selbst schon angemerkt.

Wie sehen Sie den 1860-Kader qualitativ?

Hasenhüttl: Top! Ich habe 1860 schon vor der Saison zu den Aufstiegsfavoriten gezählt, seitdem haben sie noch mal nachgelegt. Da sind sehr gute Fußballer drin. In dem Kader steckt viel mehr, als sie bislang gezeigt haben.

Am Samstag erwarten Sie…

Hasenhüttl: …eine interessante Partie. Wir sind auswärts in der Liga seit 15 Spielen ungeschlagen, diese Serie wollen wir fortsetzen. 1860 will sein erstes Heimspiel gewinnen, das wollen wir mit aller Macht verhindern.

Und dann gönnen Sie sich eine Wiesn-Maß?

Hasenhüttl: Am Samstag noch nicht. Aber ich mag die Wiesn, gehe gerne mit der Familie raus. Von Unterhaching (wo Hasenhüttl wohnt, d. Red.) ist es ja nicht so weit hin.

Was dürfen die Spieler?

Hasenhüttl: Die haben es aus Ingolstadt ja zum Glück etwas weiter (lacht). Nach der englischen Woche fährt die Mannschaft hin, das ist schon ausgemacht. Ohne Trainer. Ich hab da keine Angst bei unseren Spielern. Eigenverantwortung wird bei uns groß geschrieben.

Interview: lk

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