Investor fordert: Schäfer soll endlich weg

Ismaiks Kündigung wie ein Erpressungsversuch

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Hasan Ismaik.

München - Investor Hasan Ismaik hat die Darlehensverträge mit dem TSV 1860 München gekündigt! Allerdings ist dieser Schritt mehr als Erpressungsversuch zu verstehen, denn als ernsthafte Drohung.

Ismaik habe auf Grund der jüngsten Entwicklungen "keine andere Wahl", als diesen Schritt - die Kündigung des Darlehens - zu gehen, ließ der Investor über seinen Anwalt mitteilen. Damit nicht genug: Ismaik fordert die drei Darlehen in Gesamthöhe von knapp zehn Millionen Euro zurück.

Frage ist allerdings, ob die Kündigung überhaupt rechtswirksam ist. Nach tz-Informationen sehen die Darlehensverträge kein Sonderkündigungsrecht vor.

Mittlerweile haben die Sechzger mit einer Pressemitteilung reagiert

"Wir hatten mehrfach Informationen zur finanziellen Situation angefordert, die nicht geliefert wurden. Wir hatten mehrfach angemahnt, keine endgültigen Personalentscheidungen ohne Rücksprache mit Herrn Ismaik zu treffen, was ignoriert wurde. Die Tatsache, dass trotz eines erheblichen Investments unseres Mandanten eine nachhaltige Sanierung nicht gelungen ist, gibt - ebenso wie das Verhalten der letzten Wochen - Anlass zur Befürchtung, dass sich die Vermögensverhältnisse bei der KG wesentlich verschlechtern", heißt es in einem an Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer gerichteten Schreiben von Ismaik-Anwalt Michael Scheele.

"Wir erachten darüber hinaus Ihr Verhalten und das von Herrn Monatzeder in den zurückliegenden Wochen insbesondere seit Amtsantritt von Herrn Monatzeder als Verletzung grundlegender Bestimmungen des Kooperationsvertrages. Die außerordentliche Kündigung der Darlehensverträge wird deshalb auch hierauf gestützt."

Wer ist wer bei den Löwen?

Seit Jahren kommt es bei den Löwen immer wieder zu neuen Streitereien. Da kann man schon ein wenig den Überblick verlieren. Wir stellen Ihnen die Protagonisten vor © sampics / Stefan Matzke
DER INVESTOR: Hasan Ismaik hat den Verein mit seinen Millionen vor der Insolvenz gerettet. Dafür sind ihm die Löwen und seine Fans für immer dankbar. Seitdem allerdings zeigt sich der Jordanier unbequem. Er fordert immer neue personelle Wechsel und hält neues Geld als Druckmittel zurück. Viele Fans werfen ihm vor, zu selten in München zu sein. Er steht im Zentrum der ganzen Querelen. Immerhin: Seit Gerhard Mayrhofer das Ruder übernommen hat, hat sich das Verhältnis zum Investor deutlich entspannt. © Sampics
DER DURCHGREIFER-PRÄSIDENT: Mit deutlicher Mehrheit wurde Gerhard Mayrhofer bei der Mitgliederversammlung zum Präsidenten gewählt. Der Kommunikationsprofi kündigte früh an, alles zu hinterfragen. Und ließ seinen Worten auch Taten folgen. Trainer Alexander Schmidt ist ebenso weg wie Geschäftsführer Robert Schäfer. Im Verhältnis zu Investor Hasan Ismaik setzt er auf Diplomatie. Bisher mit Erfolg. © MIS
DER ABGEWATSCHTE KURZZEIT-PRÄSIDENT: Hep Monatzeder wurde bei der Delegiertenversammlung im April 2013 abgewatscht, bekam 66 Stimmen, während 130 gegen ihn votierten. Mayerhofer wurde sein Nachfolger. © MIS
DER COUSIN: Hasan Ismaiks Cousin Noor Basha (r.) formuliert des öfteren die Wünsche des Investors. Er ist inzwischen nicht nur Sprachrohr, sondern auch das "Auge" des Investors in München und somit dessen wichtigster Vertreter. © MIS
DER BRUDER: Abdelrahman (r.), Bruder von Investor Hasan Ismaik, ist medial etwas weniger präsent als dessen Cousin, aber auch öfter an der Grünwalder Straße zu sehen, etwa wie auf diesem Foto auf dem Weg zu Verhandlungen. Zudem ist er Mitglied im KGaA-Aufsichtsrat. © sampics
DER VERWALTUNGSRATSCHEF: Siegfried Schneider hat den Vorsitz des Gremiums von Otto Steiner übernommen. Er gilt als Strippenzieher im Hintergrund, fädelte so etwa den umjubelten VW-Deal ein. © sampics / Stefan Matzke
DER VERWALTUNGSRAT: Besteht aus Siegfried Schneider (Vorsitzender), Christian Waggershauser (Stellvertretender Vorsitzender), Markus Bauer, Robert von Bennigsen, Klaus Hagl, Dr. Klaus Leipold (Foto links), Richard Ostermeier, Otto Steiner und Beatrix Zurek. Zur Unterscheidung: Der e.V.-Verwaltungsrat ist der des Vereins, jener der KGaA ist der der ausgelagerten Profifußball-Abteilung. © sampics / Stefan Matzke
DER TRAINER: Seit September 2013 ist Friedhelm Funkel bei den Löwen im Amt. Und alle drücken ihm die Daumen, dass er das ewige Ziel Aufstieg endlich mal realisiert. © MIS
DIE VIZES: Die Löwen leisten sich mit Peter Helfer (l.), Erik Altmann (2.v.r.) und Heinz Schmidt (r.) gleich drei Vizepräsidenten. Am meisten öffentlich in Erscheinung trat bisher wohl Helfer, der die Trainersuche öffentlich immer wieder kommentierte. Schmidt ist von den Vizes am längsten im Amt, seit April 2013 nämlich. „Ich habe mich mit einer E-Mail beworben“, erzählte der Pro1860-Delegierte. „Meine Befürchtung war, dass sich das Präsidium wieder komplett aus dem Aufsichtsrat rekrutiert. Das ist nicht das, was die Basis will.“ © sampics / Stefan Matzke
DIE MANNSCHAFT: Ja gut, sie kriegen mehr Geld als die meisten anderen in Deutschland. Davon abgesehen sind die Spieler (hier Benny Lauth und Daniel Bierofka) aber wirklich nicht zu beneiden. Oder wie fänden Sie es, wenn Sie eigentlich Ihrer Arbeit nachgehen möchten, aber in der Führungsetage Tag für Tag neuer Streit herrscht, der das Interesse der Presse auf sich zieht? © sampics / Stefan Matzke
DER LÖWEN-INSPEKTOR: Der ehemalige ägyptische Nationaltrainer Hassan Shehata wurde von Hasan Ismaik an die Grünwalder Straße geschickt, um ihm ein Bild vom Zustand der Mannschaft zu zeichnen. Am besten hätten ihm die Spieler mit der Nummer 5 und der Nummer 9 (Vallori und Friend) gefallen, ließ er nach dem ersten Spiel wissen. Mit Wirtin Christl verstand er sich sichtlich gut. Mittlerweile ist es um ihn ruhig geworden. © M.I.S.
DER SCHLICHTER: Hamada Iraki (r.), Ismaiks einstiger Statthalter, hat sich weitestgehend zurückgezogen bei den Löwen, auch weil er beruflich stark eingespannt ist. © Stefan Matzke / sampics
DER KLUB-ANWALT: Guido Kambli heißt dieser und arbeitet fast ausschließlich im Hintergrund. Er meldet sich selten öffentlich zu Wort. © sampics
Wassel Al Fakhoury
DER MYSTERIÖSE MANN: "Wer ist der mysteriöse Ismaik-Begleiter?", hatte unser Portal Anfang Januar gefragt. Wenig später hatte er ein Amt bei den Löwen inne: Wassel Al Fakhoury ist Rechtsbeistand Ismaiks und inzwischen Mitglied im KGaA-Aufsichtsrat der Löwen. Übrigens scheint Al Fakhoury unsere Berichterstattung verfolgt zu haben. Er sagte zur tz mit einem freundlichen Lächeln: "Ich bin der mysteriöse Mann." © Linder
Otto Steiner
DER EX-VERWALTUNGSRATSCHEF: Otto Steiner war kurzzeitig Top-Kandidat als Präsident, doch dann erklärte er, nicht zur Verfügung zu stehen - wohl auch aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen bei Constantin Film. Seinen Vorsitz des Verwaltungsrats legte er nieder. © sampics
DER EX-PRÄSIDENT: Dieter Schneider bot Hasan Ismaik oft die Stirn und ließ sich auch nicht davon entmutigen, dass der Investor wiederholt seine Ablösung forderte. Als dann auch noch der Aufsichtsrat mangelndes Vertrauen erkennen ließ, zog Schneider die Reißleine und räumte seinen Posten. Er ist noch Mitglied im Beirat der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH neben Hasan Ismaik und Wolfgang Hauner. © dpa
DER EX-VIZE: Auch Politiker Franz Maget (l.) zog sich mit Dieter Schneider aus dem Löwen-Präsidium zurück © MIS
DER EX-VIZE: Wolfgang Hauner räumte seinen Posten gemeinsam mit Dieter Schneider und Franz Maget. Dafür ist er neu im Beirat der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH. © sampics / Stefan Matzke
DER BEINAHE-TRAINER: Sven-Göran Eriksson, Trainer von Weltrang und Ex-Nationalcoach Englands, stand im Zentrum einer der größten Possen der Löwen-Neuzeit. Denn nach einer Nachtsitzung verkündete Aufsichtsratschef Otto Steiner, dass man dem Wunsch des Investors nachkomme und Eriksson als Trainer neben Alexander Schmidt installieren werde. Doch der Schwede hatte plötzlich doch kein Interesse mehr. Die Löwen waren blamiert. © dpa
DIE FANS: Sie sind die Ärmsten in all dem Spiel. Denn sie müssen alles irgendwie auch ausbaden. © sampics / Stefan Matzke

Wegen der Rückzahlungsmodalitäten des Darlehens in Höhe von 9,36 Millionen Euro schlägt Scheele ein gemeinsames Gespräch vor. Zudem empfiehlt Scheele, ein unabhängiges Gutachten, "sollte die KG oder der Verein die Besorgnis einer Vermögensverschlechterung entkräften" wollen.

Schließlich folgt noch eine Attacke gegen Schäfer: "Da unabhängig von dem Ergebnis einer solchen Prüfung aktueller Zahlen aufgrund insbesondere Ihres Verhaltens weiterhin die Besorgnis eines vermögensgefährdenden Missmanagements besteht, empfehlen wir desweiteren eine unabhängige Personalagentur mit der Suche nach einem geeigneten Geschäftsführer zu beauftragen."

Die klare Ansage des Investors: Schäfer muss weg!

Sollten die Sechzger diesem Wunsch des Investors nachkommen, wäre er auch wieder bereit zu Zugeständnissen. Die Kündigung der Darlehensverträge könnte dann rückgängig gemacht werden, heißt es zwischen den Zeilen. "Sollte sowohl das Gutachten über die finanzielle gegenwärtige und künftige Situation, als auch die Wahl eines neuen Geschäftsführers die Annahme rechtfertigen, dass eine Verschlechterung der Vermögendverhältnisse verhindert werden kann, ist unsere Mandantschaft bereit, Verhandlungen über ein erneutes finanzielles Engagement zu führen."

Scheele und Ismaik setzen den Sechzgern mit einem Ultimatum erpressungsgleich die Pistole auf die Brust: "Bitte geben Sie uns bis morgen, 24. April 2013, verbindlich Bescheid, ob Sie die hiermit angebotene Chance nutzen möchten und/oder ob Sie Interesse haben, mit uns ein Gespräch über die Modalitäten der Darlehensrückzahlung (nebst Zinsen) zu führen. Sollte diese Frist verstreichen und sollte der Darlehensbetrag nebst Zinsen nicht bis zum 25. Mai 2013 bezahlt worden sein, haben wir den Auftrag, die Forderung titulieren zu lassen."

Beendet wir das Anwaltsschreiben mit den Worten: "Mit vorzüglicher Hochachtung".

wi

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