Bei Oma Wally in guten Händen

Investor trifft 1860-Fans: Hier steigt Ismaiks Auswärtsspiel

+
Provinz-Märchen aus 1001 Nacht: Ein Gasthof in der 3200-Seelen-Gemeinde Rudelzhausen rüstet sich für hohen Besuch aus Abu Dhabi. 1860-Investor Hasan Ismaik wird sich am Freitagabend der Fanbasis stellen.

Rudelzhausen – Investor Hasan Ismaik stellt sich am Freitag den Löwen-Anhängern. Eigens für das Fantreffen kommt der Jordanier nach Rudelzhausen im Kreis Freising. Doch in der ländlichen Gemeinde dürfte er nur bei der Wirtin ein Heimspiel haben.

So viel Ruhe kennen die Löwen gar nicht. Im beschaulichen Rudelzhausen kommen am Freitag die Fans des chronisch aufgeregten Traditionsvereins mit Investor Hasan Ismaik zusammen. Der Ort ist so etwas wie das Flensburg des Landkreises Freising. Er liegt im nördlichsten Winkel der Region. Gerade mal 3200 Einwohner leben in der Gemeinde – verteilt auf 50 Ortsteile, die so sprechende Namen haben wie Grub und Grünberg, Stolzhof und Straßhäusl. Pumpernudl hat es beim BR mal ins Finale um den lustigsten Ortsnamen im Freistaat Bayern geschafft. Mit der Idylle dürfte es am Freitag um 19 Uhr jedoch vorbei sein.

Zu verdanken ist das Andy Kern. Der Vize-Vorsitzende der ARGE der 1860-Fanclubs kommt aus der Gegend. Im Gasthaus Festner-Busch halten die Holledauer Löwen ihre Jahreshauptversammlungen und Weihnachtsfeiern ab, berichtet er. „Als Ismaik den Wunsch zu dem Fantreffen geäußert hat, war klar, dass es bei unserem Wirt stattfinden soll.“ Kurios: 1860-Präsidenten fliegen Tausende von Kilometern, um ihren Investor zu Gesicht zu bekommen, die Rudelzhausener hingegen müssen nur ein paar Schritte aus der Haustür machen.

Dass die Holledauer Löwen im Gasthaus Festner-Busch beheimatet sind, sieht man der Wirtsstube nicht an. Der Zinnteller und die Tischstandarte, die sich im Raum befinden, gehören zum Kriegerverein. Sechzger-Devotionalien – Wimpel, Fotos, Krüge – sucht man hingegen vergeblich. Und trotzdem ist es der richtige Ort für das Fantreffen. Denn die Wirtschaft könnte gut und gerne von 1860 sein. Ganz genau kennt Wirtin Irmgard Festner das Jahr zwar nicht, in dem zum ersten Mal Bier in der Stube ausgeschenkt wurde, aber eines weiß sie sicher: „Es gibt das Gasthaus seit mehr als 150 Jahren.“ Da herrscht Tradition – wie bei den Löwen.

Bei der Wirtin, die von Oma Wally unterstützt wird, ist Ismaik in guten Händen. Dass der bei den Löwen ein mächtiger Mann ist, macht Irmgard Festner nicht nervös. Schließlich hat sie auch schon 1860-Präsidenten wie Dieter Schneider und Gerhard Mayrhofer bedient. Dass der bekennende Abstinenzler Ismaik Hopfenprodukte nicht zu schätzen wissen dürfte, bereitet ihr auch keine Sorgen „Wir haben genügend anti-alkoholische Getränke – vom Tee bis zum Saft.“

Anmeldestopp nach 400 Fan-Anfragen

Fan Manfred Hartinger will „nicht pfeifen“ und sich alles „sachlich anhören“.

Trotzdem muss sich der Jordanier auf ein Auswärtsspiel gefasst machen. Denn im Fanlager brodelt es. „Wir haben die Schnauze voll von seinen leeren Versprechungen“, sagt Michael Klügl. Der Vorsitzende der „Langenbacher Superlöwen“ opfert seinen Freitagabend daher lieber dem Beruf, als nach Rudelzhausen zu fahren. „Bei dem Treffen will er die Fans doch nur besänftigen. Da machen wir nicht mehr mit.“ 400 andere schon. So viele Anmeldungen trafen bei der ARGE ein, ehe Kern sich bemüßigt sah, einen Anmeldestopp zu verhängen: „Die Kapazitäten reichen einfach nicht aus.“ Die Presse ist übrigens ausgeschlossen. Das war Ismaiks ausdrücklicher Wunsch.

Zu denen, die einen Platz im Wirtssaal ergattert haben, gehört Manfred Hartinger, Vorsitzender des Freisinger Löwen-Fanclubs „Grüner Hof“. Will er dem 1860-Investor einen freundlichen Empfang bereiten? „Ich sag’s mal so: Ich werde mit Sicherheit nicht pfeifen und mir alles sachlich anhören.“ Hartinger hat aber schon auch selbst was zu sagen. „Ich möchte wissen, warum Ismaik eigentlich nicht richtig in die Mannschaft investiert. Das Beste wäre, er würde seine Anteile verkaufen, damit sich ein bayerisches Unternehmen der Sache annehmen kann.“

Auch Konrad Schickaneder wartet gespannt auf Ismaiks Besuch. Der Rudelzhausener Bürgermeister ist selbst ein „Sechzger seit ewigen Zeiten“. Als die Blauen 1966 Deutscher Meister wurden, jubelte er mit – als achtjähriger Bub. Die Frage, die er Ismaik gerne stellen würde: „Will er sich sein Invest nur vergolden lassen oder hat er sportliche Ambitionen?“

Konrad Schickaneder ist schon gespannt.

Vielleicht vergoldet Ismaik aber auch Rudelzhausen. Denn hier dürfte der Investor, der mit seinen Millionen knausert, günstigeres Bauland als in München finden. Und Ismaik hat via Facebook ja versprochen: „Wir werden unser eigenes Stadion bauen.“ Dass aus dem Flensburg irgendwann das Giesing des Landkreises wird, glaubt Schickaneder indes nicht. „Wir hätten schon Flächen zur Verfügung“, sagt er lachend. „Aber ich denke, dass Rudelzhausen dann doch etwas zu weit außerhalb liegt.“

Auch interessant

Meistgelesen

Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut
Löwen-Fans: Geschlossene Anreise und Treffpunkt in Augsburger Innenstadt
Löwen-Fans: Geschlossene Anreise und Treffpunkt in Augsburger Innenstadt

Kommentare