"Der Verein geht vor"

Nach Moniz-Kritik: Weigl lässt U19-EM sausen

+
Julian Weigl (r.) mit Trainer Ricardo Moniz.

München - Julian Weigl musste sich nach dem Testspiel gegen Lustenau harsche Kritik von Trainer Ricardo Moniz anhören. Das Talent reagiert jedoch nicht beleidigt, sondern kämpferisch.

Die Kritik war harsch: „Ich gebe ihm die Position im zentralen Mittelfeld, auf der er seinen Traumjob mit Kreativität erfüllen kann, und dann kommt nichts“, sagte Löwen-Trainer Ricardo Moniz nach dem 0:1 im Test gegen Austria Lustenau über Julian Weigl.

Deutliche Worte. Aussagen, die zeigen, wie hoch die Ansprüche der Sechziger an ihr Mittelfeld-Eigengewächs sind. Weigl, der die Kritik als Ansporn interpretiert, soll mit seinen gerade mal 18 Jahren eine Schlüsselrolle im neuen Dreier-Mittelfeld der Sechziger einnehmen.

Zusammen mit den beiden Spanien-Importen Ilie Sánchez und Edu Bedia soll der technisch beschlagene Schlaks aus Ostermünchen das Herzstück des Teams bilden, Impulse nach vorne geben – und dazu möglichst selbst treffen. „Ein Julian Weigl muss auch Tore schießen“, fordert Moniz.

Beim ersten Test gegen Lokomotive Moskau klappte das ganz vorzüglich. Der U 19-Nationalspieler traf auf Pass von Sánchez mit einem herrlichen 18-Meter-Schuss in den Winkel. Auch heute in Rosenheim gegen den Karlsruher SC (Anpfiff 18 Uhr) werden sich die Augen wieder auf die blaue Nummer 28 richten. ­„Weigl ist relativ weit für sein Alter“, sagt 1860-Sport-Geschäftsführer Gerhard Poschner. „Er muss und will Verantwortung übernehmen.“

Und dafür verzichtet „Ju“ auch auf die U 19-Europameisterschaft, die für die DFB-Auswahl am 19. Juli mit dem Gruppenspiel gegen Bulgarien beginnt. Statt in Ungarn beim Turnier wird Weigl mit dem TSV 1860 im Trainingslager in Bad Häring bei Kufstein weilen. „Es ist eine schwierige Situation für mich“, sagte er gestern. „Aber der Verein geht vor. Ich würde zwei Wochen der Vorbereitung verpassen. Wir haben ein neues System, ich bin ein Bestandteil davon – und das will ich auch bleiben. Von daher ist es eine sinnvolle Entscheidung.“ Die Sechziger betonten, dass Weigl von DFB-Trainer Marcus Sorg auf Abruf nominiert worden sei.

Sicher ist: Weigl soll eine der wichtigsten Korsettstangen im 4-3-3-System der Löwen werden. Am wohlsten fühle er sich auf der Halbposition als Achter, sagt er. Insgesamt klappe das Spiel in der neuen Formation „immer besser. Wir haben mehr Ballbesitz, sind besser im Spiel, wollen Dominanz ausstrahlen.“ Im anstehenden Trainingslager werde der Schwerpunkt auf der Taktik liegen.

Weigl scheint’s zu gefallen. Zuletzt durfte der Youngster als Zeichen der Wertschätzung sogar zweimal die Kapitänsbinde tragen. „Ein super Gefühl und eine große Ehre. Ich will damit wachsen“, sagt er strahlend. Auf die Frage, wie traurig ihn der Verlust des Stück Stoffes vor dem Saisonstart machen würde, muss Weigl lachen: „Ich würd’s verkraften. Ich bin ja nicht in die Vorbereitung gegangen, um zu sagen, dass ich Kapitän werden will.“

Das wäre dann wohl auch Poschner und Moniz eine Spur zu forsch gewesen.

Erster 1860-Test in neuen Trikots: Die Bilder

Erster 1860-Test in neuen Trikots: Die Bilder

lk

auch interessant

Meistgelesen

Keine Einigung mit Forren - Gustavo fliegt mit nach München
Keine Einigung mit Forren - Gustavo fliegt mit nach München
Warten auf die Neu-Löwen - und was macht die 1860-Konkurrenz?
Warten auf die Neu-Löwen - und was macht die 1860-Konkurrenz?
1860 will raus aus dem Chaos
1860 will raus aus dem Chaos
Aigner: Keine Angst vor der Rückrunde
Aigner: Keine Angst vor der Rückrunde

Kommentare