So hat sich Sechzig voll verplant

32 Neue seit 2014 - und jetzt geht's um Platz 18

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Einer der wenigen Hoffnungsträger bei den Blauen: Die Formkurve von Daylon Claasen (M.) zeigt zum Saison-Schlussspurt nach oben.

München - Auf dem Transfermarkt schlagen die Löwen Halbserie für Halbserie zu. Doch die erhofften Verstärkungen sind nur selten dabei. Die tz zieht eine Einkaufs-Bilanz.

Es ist alles drin für den TSV 1860 an diesem schicksalhaften Freitagabend (Löwen-Spiel hier im Live-Ticker): Der Sprung auf einen Nichtabstiegsrang genauso wie der tiefe Fall auf den allerletzten Tabellenplatz. Bei ersterem wäre ein Sieg in Duisburg, dem derzeitigen Schlusslicht, vonnöten, bei letzterem eine Niederlage mit drei Toren Unterschied sowie ein Sieg von Paderborn in Frankfurt. Aber egal, welches Szenario eintritt, was ist geschehen, dass der TSV 1860 innerhalb von nicht mal zwei Jahren von einem Verein, der sich bis dahin stets im sicheren Mittelfeld niederließ, einer geworden ist, der zum zweiten Mal vor dem Absturz in die 3. Liga steht?

Und der sich das viel Geld hat kosten lassen. Geld für insgesamt 23 Neuzugänge seit Sommer 2014, als die ganze Misere unter der Verantwortung des Präsidiums Gerhard Mayrhofer sowie der Geschäftsführer Markus Rejek und Gerhard Poschner ihren Lauf nahm.

Führt man sich die Aussagen Poschners vom Mai 2014 heute vor Augen und vergleicht sie mit dem Ist-Zustand, stößt man sowohl auf ungewollte prophetische Fähigkeiten als auch auf größenwahnsinnige Wunschvorstellungen. ­Poschner damals: "Ein Trainer muss sich nach dem Konzept des Vereins richten und nicht andersrum. Sonst kaufst du mal zehn Spieler für den einen Trainer, dann fünf andere für den nächsten. Das führt dich in den finanziellen Ruin." Er wusste es also - und tat es trotzdem: Zehn Neueinkäufe im Sommer, zwar keine fünf, aber drei im Winter. Und die dann schon für den nächsten Trainer…

Poschner wollte Mischung aus Barca und Real

Ilie Sanchez (l.) und Edu Bedia.

"Eine Mischung zwischen dem dominanten Ballbesitz-Fußball von Barcelona und aber auch dem schnellen vertikalen Spiel von Real", schwebte Poschner damals vor, und Hasan Ismaik verriet später: "Poschner hatte versprochen, den Aufstieg zu schaffen." Mit 13 Neuen, von denen sich fünf als totale Flops erwiesen, nämlich die Spanier Rodri, Ilie Sanchez und Edu Bedia sowie Martin Angha und Anthony Annan. Leonardo wurde bald ausgemustert, Gary Kagelmacher und Valdet Rama blieben eher Durchschnitt, Stefan Ortega ist jetzt Torwart Nummer eins.

Richtig eingeschlagen hat eigentlich nur Rubin Okotie (zwölf Vorrundentore 2014), der aus diversen Gründen diese Quote nicht mehr halten konnte. Daylon Claasen befindet sich derzeit in guter Form, gilt fast schon als Hoffnungsträger, Jannik Bandowski und Krisztian Simon waren oder sind langzeitverletzt.

Im Juli 2015 holte Poschner Abwehrmann Rodnei (fast nur verletzt) sowie die Mittelfeldleute Milos Degenek und Romuald Lacazette, sein Nachfolger Necat Aygün präsentierte im August Stefan Mugosa und Michael Liendl. Wobei nur Letzterer dank seiner Standards hervorstach.

Nur Mölders ist eine echte Verstärkung

Goran Sukalo (r.) mit Sportchef Oliver Kreuzer.

Im Winter kamen dann die Einkäufe von Oliver Kreuzer: Sascha Mölders ist die erhoffte Verstärkung, Levent Aycicek und Jan Mauersberger stehen immer in der Anfangself, Maxi Beister enttäuscht und Goran Sukalo konnte bisher noch gar nicht spielen.

Nicht zu vergessen die neun Jungs aus dem Nachwuchs, die ebenfalls seit Juli 2014 in der 2. Liga debütierten: Fejsal Mulic, Vladimir Kovac, Stephane Mvibudulu, Sertan Yegenoglu, Richie Neudecker, Marius Wolf, Emanuel Taffertshofer, Korbinian Vollmann und Nico Karger. Der Beste, Wolf, ist schon wieder weg.

Insgesamt also 32 Neuzugänge in 21 Monaten - und der Ertrag ist ein Abstiegsendspiel beim MSV Duisburg

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