Die Löwen im freien Fall

tz-Kommentar: 1860 zur Geduld gezwungen

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Gerhard Mayrhofer, Gerhard Poschner und Finanzchef Markus Rejek (v.r.n.l.) sind die Hände gebunden.

München - Die Lage beim TSV 1860 München wird langsam, aber sicher bedrohlich. tz-Redakteur Ludwig Krammer kommentiert die aktuelle Krise der Löwen.

Ist München der Fußballnabel Europas? Naja, in Madrid, der Stadt der jüngsten Champions-League-Finalisten, wird man das zu Recht anders sehen. Was das deutsche Kickgewerbe angeht, kann die bayerische Landeshauptstadt seit diesem ­Wochenende allerdings mit dem Besitz beider Pole aufwarten. Die einen okkupieren traditionsgemäß den Norden, werden sich auf ihrem Weg zur silbernen Meisterschaft weder von Gladbach noch Landsberg aufhalten lassen, die anderen arbeiten konsequent an ihrem Plan, die Zweite Liga zu verlassen – fatalerweise durch die südliche Falltür.

Ludwig Krammer.

Mit dem 1:2 gegen seit einem Jahr auswärts sieglose Braunschweiger zementierte der TSV 1860 am Sonntag nicht nur seinen Ruf als bester Aufbaugegner überhaupt, auch der 18. Tabellenplatz ist den Löwen vorerst nicht zu nehmen. Drei Niederlagen in Serie hat der „neue“ Trainer Markus von Ahlen eingefahren, mit jedem Tiefschlag wächst der Druck auf Sportchef Gerhard Poschner, der seit der Beurlaubung seines Wunschtrainers Ricardo Moniz ohnehin auf dünnem Eis wandelt. Von zehn Poschner-Verpflichtungen hat sich mit Rubin Okotie bislang nur eine als Verstärkung erwiesen; das kühne Vorhaben des ehemaligen Bundesliga-Profis, in Giesing eine taktische Mischung aus Real Madrid und dem FC Barcelona zu etablieren, lässt Moniz’ Gerede vom Aufstieg als lässliche Sünde erscheinen. Das einzig Positive im Vergleich zu den Beinahe-Abstiegen 2006 und 2010 ist der frühe Zeitpunkt des sportlichen Crashes. Bei noch ausstehenden 23 Punktspielen lässt sich vieles reparieren, sofern die Werkstatt entsprechend besetzt und ausgestattet ist.

Bei einem Verein, in dem sich die Fußballkompetenz seit Jahren umgekehrt proportional zur Klubhierarchie verhält, bestehen diesbezüglich natürlich Zweifel. Andererseits sind zumindest Panikreaktionen unwahrscheinlich. Poschners Glaubwürdigkeit (und wohl auch sein Schicksal bei 1860) sind eng an von Ahlen geknüpft, Notvorstand Gerhard Mayrhofer würde sich mit einer Beurlaubung Poschners zur alleinigen Zielscheibe machen. Sie sind also quasi zur Geduld gezwungen an der Grünwalder Straße. Vielleicht nicht das Schlechteste in diesen stürmischen Zeiten.

Ludwig Krammer

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