Das ewige Chaos bei den Löwen

Kommentar zu 1860: Wer will sich das noch antun?

München -Mit "chaotisch" lässt sich die aktuelle Situation bei den Löwen wohl am besten beschreiben. Nicht nur tz-Redakteur Ludwig Krammer fragt sich, wer eigentlich noch nicht die Schnauze voll hat von 1860?

Immerhin für Kai Bülow hat sich der Klassenerhalt des TSV 1860 gelohnt. Der Verteidiger, der die Löwen mit seinem Relegations-Siegtor gegen Holstein Kiel vor dem Abstieg in die Dritte Liga bewahrte, durfte am Wochenende seine Unterschrift unter einen neuen Einjahresvertrag setzen.

Wo sein Arbeitgeber in zwölf Monaten stehen wird? Die Voraussetzungen könnten schlechter kaum sein, nun da das Präsidium und Teile der Kontrollgremien ihr Ringen um eine große Lösung mit neuen Investoren und einem Sportchef Felix Magath per Schleudersitz beendet haben. Dass sich die Deutsche Fußball Liga angesichts dieser offensichtlichen Machtlosigkeit eines Vereins seinem Investor gegenüber auf den Plan gerufen fühlt, wäre nicht abwegig – entsprechende Hinweise gibt es bisher allerdings nicht. Es fehlen belastbare Aussagen.

Und sportlich? Die Löwen (oder was von ihnen seit Freitag noch übrig ist) fliegen in der Phase der Saisonvorbereitung, die am Montag beginnt, bestenfalls auf Sicht. Sie werden Ende Juli als Abstiegskandidat in die zwölfte Spielzeit seit dem Abstieg 2004 starten, sollte kein Wunder in Form von echten Verstärkungen passieren, die der zuletzt sehr reuige Sportchef Gerhard Poschner ja angeblich schon an der Angel hat.

Maximal frustrierte Fans, die in den einschlägigen Internetforen zum Dauerkarten-Boykott aufrufen, verprellte Sponsoren und Businesskunden – das sind die Begleiterscheinungen des (Nicht-)Handelns an der Grünwalder Straße 114a. Wer will sich diesen Verein noch antun, seine Zeit und sein Geld opfern für nichts als Ärger und Enttäuschung? Wer hat die Schnauze noch nicht gestrichen voll vom absurden Theater, das bei Sechzig seit Jahren in Endlosschleife läuft?

Tja, womöglich war Bülows Siegtreffer doch keine so gute Idee des großen Drehbuchschreibers.

Ludwig Krammer

Rubriklistenbild: © dpa

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