Wolf geht voran – und was macht Neudecker?

So lange laufen die Verträge der 1860-Spieler

München – Ein begehrtes Talent konnte 1860 binden, an einem anderen Hochbegabten sind die Bayern dran. Insgesamt zwölf Profis bei den Löwen hängen in der Luft.

Sertan Yegenoglu (l.) hat noch eineinhalb Jahre, Marius Wolf (Mitte) und Christopher Schindler dreieinhalb Jahre Vertrag bei den Löwen.

Hinter den Fans des TSV 1860 liegen die wohl schönsten acht Tage dieser gar nicht mehr so jungen Spielzeit. Los ging’s mit dem Pokalerfolg in Mainz, es folgte am Sonntag der erste Sieg in der Liga – gipfelnd in der Frohbotschaft schlechthin. Sturmtalent Marius Wolf, das bei etlichen Erstligisten auf dem Zettel steht, verlängerte seinen auslaufenden Vertrag bis 2019. Zwar nicht unbedingt zu den Konditionen, die sich die Löwen wünschten (festgeschriebene Ablöse angeblich unter 1 Million Euro), doch immerhin: Es ist ein willkommenes Signal, dass der Traditionsverein aus Giesing noch etwas Positives zustande bringt. Allerdings: Wolf kann nur der Anfang gewesen sein, denn an der Vertragsfront wartet noch mehr Arbeit auf die Sportliche Leitung. Die halbe Mannschaft hängt in der Luft, wie unsere Übersicht zeigt.

Kreuzer-Vorstellung im Ticker: "Jetzt bin ich ein Blauer!"

Richard Neudecker: „Der Junge kann sich nur selber stoppen.“ Sagt Nachwuchs-Chef Wolfgang Schellenberg über den begabten Spielmacher, den Benno Möhlmann gerade zum Linksverteidiger umschult. Dass der 19-Jährige das wohl größte Talent ist, das die Löwen derzeit im Stall haben, hat sich längst auch bis zum FC Bayern herumgesprochen. Schlecht, wenn in so einem Fall der Vertrag eine begrenzte Laufzeit hat (bis 2016). Könnte schwer werden, das Juwel zu halten.

Daniel Adlung: Ohne ihren schussgewaltigen Antreiber wären die Löwen wohl schon im Sommer abgestiegen. Mit fünf Toren und zehn Assists war der Vizekapitän einer der wenigen Lichtblicke der zurückliegenden Horrorsaison. Wenn der Druck am größten war, hatte er seine lichten Momente (Frankfurt, Nürnberg, Kiel) – seine Identifikation mit dem Klub ist hoch. Derzeit sucht Adlung zwar seine Bestform, doch eigentlich ist es unglaublich, dass sein Vertrag bis heute nicht verlängert wurde. Im Sommer sagte er: „Mein Vertrag läuft noch ein Jahr, da brauche ich nicht groß rumzupokern.“ Ob das noch immer gilt?

Kai Bülow: Noch so ein Held aus dem Nervenkrimi namens Relegation. Bülow, bis Jahresende wegen einer Knieverletzung außer Gefecht, gehört inzwischen zu den dienstältesten Profis dieser Mannschaft (seit 2010 dabei). Hätte er nicht immer wieder seine Aussetzer, wäre er unumstrittene Stammkraft. Wichtig fürs Team ist der Allrounder allemal – auch weil sein Wort in der Kabine was zählt und er penibelst die Sünderkasse überwacht. Ob er noch einmal einen Vertrag angeboten bekommt, hängt wohl davon ab, wie schnell er nach seiner Verletzung den Anschluss findet und ob er in der Lage ist, den selbstbewussten Youngster Sertan Yegenoglu zu verdrängen.

Valdet Rama: Einer der besten Offensivspieler der Löwen – in der Theorie. In der Praxis ist es allerdings so, dass Rama es selten hinbekommt, 90 Minuten am Stück an einem Spiel teilzunehmen. Auch der Albaner hat seinen Anteil an der Last-Minute-Rettung gegen Kiel (Pfostenvorarbeit für Bülow), doch hilft ihm das, wenn er sein Adduktorenleiden auskuriert hat und die Kaderplätze für 2016/17 vergeben werden? Spannend wird sein, was Möhlmann von Ramas Teilzeit-Engagement hält. Das Beispiel Daylon Claasen, gegen Duisburg mit demütigendem Kurzeinsatz (32 Minuten), sollte dem ballverliebten Dribbler zu denken geben.

Stephan Hain: Dauerverletzt, nicht mit dem größten Selbstvertrauen gesegnet, doch als technisch starker Teamplayer höchst anerkannt im Team. Auffällig ist, dass der Bruch ins anfänglich gute Löwen-Spiel erst kam, als sich Hain mal wieder verletzt abmeldete. Interessantes Detail zudem: Hain ist einer der wenigen Stürmer, bei dem sich kein Trainer drum schert, dass er praktisch keine Tore schießt. Tendenz: Hain, Inbegriff der Bescheidenheit, bleibt den Löwen erhalten, egal in welcher Liga.

Rubin Okotie: In seinen knapp eineinhalb Jahren als Löwe hat Okotie bereits alles erlebt. Tore am Fließband und Rückkehr in Österreichs Nationalteam. Frust nach langwieriger Knieverletzung und sinkendem Marktwert. Derzeit ist er tendenziell gut drauf, hat dafür aber zu wenig Tore auf seinem Konto (jeweils eins in Liga und Pokal). Trotzdem: Die Löwen könnten sich glücklich schätzen, einen Stürmer seines Formats im Kader zu haben. Ob das auch nach Sommer 2016 der Fall sein wird, ist eher fraglich. Bestrebungen, mit dem Torjäger zu verlängern, endeten bereits im Januar 2015 ohne Ergebnis.

So lange laufen die Verträge der Löwen-Spieler

Verträge bis 2019: Schindler, Wolf.

Verträge bis 2018: Mugosa, Simon.

Verträge bis 2017: Claasen, Eicher, Degenek, Kagelmacher, Lacazette, Liendl, Mulic, Ortega, Rodnei, Rodri, Sanchez (beide bis 2016 an spanische Klubs verliehen), Vollmann, Yegenoglu, Wittek.

Verträge laufen im Sommer 2016 aus: Adlung, Bandowski, Bülow, Hain, Kovac, Mvibudulu, Neudecker, Okotie, Rama, Stahl, Taffertshofer, Trainer Möhlmann, Vallori.

Rubriklistenbild: © MIS

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