Personalkarussel dreht sich

ER könnte mit Marius Wolf verrechnet werden

+
Andre Hoffmann.

München - Sturmhoffnung Marius Wolf wird wohl zu Hannover 96 wechseln – als Trost winkt den Löwen eine Ablöse in Höhe von einer Million Euro. Und vielleicht kommt im Gegenzug ein Spieler aus Niedersachsen.

Die Weihnachtsgänse sind verdaut, die Urlaubs-Selfies der reiselustigen Profis verschickt – und schon wieder vergessen. Heute um 15 Uhr startet Benno Möhlmann die Vorbereitung auf eines der kniffligsten Projekte in der Geschichte des TSV 1860. Bei sechs Punkten Rückstand aufs rettende Ufer bleiben nur 15 Spiele, um den Klassenerhalt zu sichern. Parallel dazu entscheidet sich bei Hasan Ismaik in Abu Dhabi die finanzielle Zukunft des Fußball-Zweitligisten. Präsident Peter Cassalette ist seit Dienstag vor Ort, doch einstweiligen gibt es nur eine ellenlange Stellungnahme des Investors, in dem er etliche Schuldige für die Misere ausmacht – außer sich selbst natürlich.

Jede Menge Probleme also, mit denen sich Sportdirektor Oliver Kreuzer rumschlagen muss. Und als wäre die Gesamtsituation nicht unerfreulich genug, muss er auch noch eine heikle Personalentscheidung treffen: Hannover 96 will sich Marius Wolf angeln. Die Ablöse, die im Raum steht (1 Million Euro), könnte jenen finanziellen Spielraum bringen, den Ismaik versprochen hat, bisher aber verweigert. Doch sind die Löwen wirklich bereit, ein weiteres Talent vorzeitig abgeben? Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll der Transfer im Laufe des Montags perfekt gemacht werden.

Ausverkauf: Die Löwen müssen Marius Wolf, 20, wohl zu Geld machen.

Kreuzer, der nach eigener Auskunft mit dem Handy unter dem Weihnachtsbaum gesessen ist, weiß natürlich schon länger, dass der Ex-Nürnberger Martin Bader (jetzt Geschäftsführer bei 96) Gefallen am Ex-Nürnberger Wolf gefunden hat. „Das Interesse von Hannover ist mir bekannt“, sagt er. „Von einer Einigung kann aber nicht die Rede sein. In unserer Situation muss man sehr genau abwägen, was man tut.“ Verkaufen? Dafür spräche das schnelle Geld – auch vor dem Hintergrund, dass junge Spieler der Verlockung Bundesliga nur schwer widerstehen können (und das Thema wohl im Kopf behielten). Halten? Dafür spräche die sportliche Qualität, die Wolf zumindest an guten Tagen gewährleisten kann. Mit drei Toren ist er der zweitbeste Löwen-Stürmer der ersten Saisonhälfte.

Kreuzer nennt aber noch mehr Details, die darauf schließen lassen, wie dieser Abwägungsprozess wohl ausgehen wird. Nämlich: für das Geld – gegen den Spieler. „Man muss auch sehen“, so Kreuzer: „Wie ist die eigentliche Vertragskonstruktion mit der Ausstiegsklausel im Sommer? Im schlechtesten Fall (dem Abstieg/Red.) könnte der Spieler den Verein sogar ablösefrei verlassen.“ Dazu passt, was Erdin Akan, Wolfs Berater, der tz sagte: „Die Vereine sind in Verhandlungen. Es sieht so aus, als ob sie sich einigen würden.“ Bader, berichtet Akan, habe sich „extrem um Wolf bemüht“. Und Kreuzer sagt, nicht nur auf den 20-jährigen Wolf gemünzt: „In den verbleibenden 15 Spielen können wir nur Spieler gebrauchen, die das Thema Abstiegskampf zu 100 Prozent im Kopf haben.“

Schon bei der Vertragsverlängerung Anfang November hatte sich angedeutet, dass die Partei Akan/Wolf ihre gute Verhandlungsposition (Verein in der Krise, Wolf mit auslaufendem Fördervertrag) wohl optimal genutzt hatte. Zwar war beim neuen Vertrag von einer Laufzeit bis 2019 die Rede, doch das Ganze wurde eher schmucklos an einem Montagabend gemeldet. Ohne stolze Präsentation im Rahmen eines Pressetermins. Ohne ein öffentliches Forum für unbequeme Nachfragen. War das Papier die Tinte am Ende gar nicht wert?

Anfeindungen enttäuschter Fans muss Wolf heute dennoch nicht befürchten. Er gehört jener Gruppe Profis an, die direkt nach Möhlmanns Neujahrsansprache zum Hallenturnier nach Ulm weiterreisen wird. Möglicherweise geht die Reise aber auch direkt nach Hannover.

Im Gegenzug könnte bald ein Spieler der Niedersachsen an der Grünwalder Straße aufschlagen. Wie Sportchef Oliver Kreuzer der "Bild" bestätigte, haben die Löwen Interesse an Hannovers Andre Hoffmann. "Wir sind interessiert, würden ihn gerne ausleihen." Der Innenverteidiger hatte 2014 einen Kreuzbandriss erlitten und danach fast ein Jahr lang pausieren müssen. In dieser Saison kam er bislang auf vier Einsätze in der Regionalligamannschaft der 96er.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“
Taktikexperte erklärt: Darum ist das Pereira-System gut für 1860
Taktikexperte erklärt: Darum ist das Pereira-System gut für 1860
Auf diesen Positionen müssen die Löwen nachbessern
Auf diesen Positionen müssen die Löwen nachbessern

Kommentare