Klappt es diesmal mit dem dem Sprung in die 2. Bundesliga?

Ein Jahr Michael Köllner: Beinahe die Bilanz eines Aufsteigers

Seitdem Michael Köllner die Löwen trainiert, gibt es viel zu jubeln.
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Seitdem Michael Köllner die Löwen trainiert, gibt es viel zu jubeln.

Die Münchner Löwen stehen im Tableau mit Platz zwei sehr gut da und zählen inzwischen zu den Aufstiegskandidaten. Großen Anteil daran hat Trainer Michael Köllner.

  • 1860 Münche n zählt nach etwa einem Viertel der Saison zum engeren Favoritenkreis um den Aufstieg.
  • Michael Köllners Spielphilosophie hat daran einen großen Anteil.
  • Die Löwen wirken seit der Übernahme aggressiver und spielen erfolgreicher.

Als Löwen-Fan dürfte man dieser Tage gut aufgelegt sein.Platz zwei in der Tabelle sowie der jüngste 6:1-Kantersieg gegen den Halleschern FC lassen das blaue Fan-Herz höherschlagen. Nach neun Spielen findet man sich also mitten im Aufstiegskampf wieder. Für viele der Garant für die Erfolgsserie: Trainer Michael Köllner.

Zum einjährigen Jubiläum beschenkte die Mannschaft den Oberpfälzer mit sechs Treffern reichlich. Ähnlich positiv wie die Spielanalyse nach der Partie fiel auch Köllners Fazit der ersten 365 Tage im Amt aus: „Eine brutal richtige Entscheidung“, so das Resümee. Doch was läuft nun anders als noch unter Ex-Coach und Vereinslegende Daniel Bierofka? Oder anders gefragt: Wie lautet das Erfolgsrezept?

Köllner: Erfahrung im Jugendbereich

Eine Qualität, die dem 50-Jährigen immer wieder zugeschrieben wird, ist das Händchen für junge Spieler. Das kommt - wirft man einen Blick auf seine Biografie - nicht von ungefähr. Vor seinem Profi-Debüt an der Seitenlinie des 1. FC Nürnberg coachte er diverse Auswahlteams sowie Jugendmannschaften von Jahn Regensburg, Greuther Fürth und nicht zuletzt von Nürnberg, wo er sogar das Nachwuchsleistungszentrum leitete.

So dürfte es nicht verwunderlich sein, dass es genau dieser Mann ist, der dem Team nach dem Rücktritt von Bierofka neues Leben eingehaucht hat. 15 Spiele am Stück blieb die Löwen-Elf nach Amtsantritt ungeschlagen und mauserten sich zum Aufstiegskandidaten, ehe im Schlussspurt die Luft ausging. 

1860 München: Noch immer hoher Altersschnitt

Doch einer radikalen Verjüngungskur unterzog Michael Köllner die Mannschaft in der Sommerpause nicht. Während der Verein mit Richard Neudecker und Erik Tallig frisches Blut verpflichten konnte, zählen Stefan Salger und Martin Pusic nicht unbedingt zur Kategorie der „Youngsters“. Auch der Altersschnitt der Stammelf veränderte sich im Vergleich zu Bierofka-Zeiten nicht merklich. 

So landet man in der Analyse schnell beim klassischen Mantra „die Mischung macht‘s“. Akteure fortgeschrittenen Alters bilden also noch immer das Gerüst der Mannschaft. Ob Kapitän Sascha Mölders, dem man schon länger nachgesagt hatte, den Zenit überschritten zu haben,Quirin Mol l oder Stefan Lex. Sie und weitere Routiniers sind noch immer ein unverzichtbarer Teil des Gefüges.

Dennis Dressel: Der neue Shooting-Star

Doch was ist nun mitMichael Köllners Händchen für die jungen Spieler? Auch daran ist sicherlich etwas dran, möchte man die Entwicklung des einen oder anderen nicht als Zufall abtun. Zuletzt war es Dennis Dressel, der es nach seinem fulminanten Viererpack in die Schlagzeilen schaffte. Das 22-jährige Löwen-Urgestein spielte schon zuvor eine gute Rolle, entwickelte sich aber erst unter Köllners Regie zum unverzichtbaren Stammspieler. Man sagt ihm eine glänzende Zukunft voraus. 

Ansonsten sieht es mit Talenten, die Köllner erfolgreich ins Profiteam herangeführt hat, bis dato ehrlicherweise noch relativ mau aus. Zwar stehen Youngsters wieFabian Greilinger (20),Johann Ngounou Djayo (19), Niklas Lang (18) oder Leon Klassen (20) womöglich in den Startlöchern ihrer Profikarriere, für den Sprung in die Stammelf hat es allerdings noch nicht gereicht. Hier wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob Köllner seinen Vorschusslorbeeren gerecht werden kann. 

Auch wenn sich Michael Köllners Mannschaft personell nicht grundlegend von der seines Vorgängers unterscheidet, so muss man anerkennen, dass sie trotz allem ein völlig anderes Bild abgibt. Köllner setzt mehr auf Gegenpressing und schnelle Angriffe, teilweise erfolgreich über die Flügel. Die aggressive Spielweise hat unter dem 50-Jährigen bisher zu 16 Siegen, zehn Unentschieden und sieben Niederlagen geführt - die Zahlen eines Aufstiegskandidaten. Am Ende der vergangenen Saison hatten Würzburg und Braunschweig 64 Punkte - es fehlt bei 58 Zählern nach 33 Partien also nicht viel. 

Dynamo Dresden vor der Tür

Als Löwen-Fan darf man im Moment also sicher wieder träumen von der Rückkehr in die 2. Bundesliga. Doch die Realisten werden schon bald anmerken, wie schnell sich eine solch positive Momentaufnahmeins Gegenteil verkehren kann. Vor allem die Konstanz fehlt bisher noch. In einer solch ausgeglichenen Spielklasse wie der 3. Liga gibt es selten so etwas wiePflichtsiege und sicher eingeplante Punkte. Doch das gilt im Fall von 1860 in den nächsten Wochen besonders. Den Auftakt eines knackigen Programms bildet das Gastspiel bei Top-Favorit Dynamo Dresden. Im Anschluss könnte die Welt schon wieder ganz anders aussehen - oder nochviel rosiger als zuvor.

(Pascal Edenhart)

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