Der Neu-Löwe im tz-Interview

Liendl: "Fortunas Fans hätten mich gern behalten"

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Michael ­Liendl vor der Österia in der Au.

München - Michael Liendl spielt am Sonntag gegen seine eigene Vergangenheit: In Düsseldorf gegen die Fortuna, für die er bis vor einigen Wochen selbst noch aktiv war. Der Neu-Löwe steht also besonders im Fokus. Wie er damit umgeht, verrät der 29-jährige Spielmacher im tz-Interview.

Herr Liendl, wir sitzen hier in einem der wenigen österreichischen Lokale, die es in München gibt. Vermissen Sie in Deutschland eigentlich die Küche aus Ihrem Heimatland?

Liendl: Nein, eigentlich nicht. Meine Frau Iris ist ja auch Österreicherin, und da sie gut kochen kann, ist das überhaupt kein Problem. Das Einzige, was mir während meiner Zeit in Düsseldorf abgegangen ist, war die Semmel mit warmem Leberkäs. So was kennen die dort nicht. Aber in München brauche ich mir diesbezüglich ja keine Sorgen mehr zu machen.

In Ihrer Vita steht Geburtsort Graz, gleichzeitig werden Sie aber immer als Vorarlberger bezeichnet. Was stimmt jetzt?

Liendl: Eigentlich beides. Ich bin in Graz in der Steiermark geboren, aber als ich fünf oder sechs war, sind meine Eltern nach Vorarlberg gezogen, in einen kleinen Ort namens Thüringen. Dort habe ich gleich mit dem Fußballspielen begonnen. Ich wurde später ins Bundesnachwuchszentrum Vorarlberg aufgenommen, das war eine gute Schule, weil wir österreichweit Meisterschaften ausgetragen haben.

Der österreichische Fußball wurde hierzulande ja immer wieder belächelt, das ist nach der souveränen EM-Qualifikation mit dem tollen 4:1 in Schweden sicher nicht mehr der Fall. Was bedeutet dieser Erfolg für den Fußball in Ihrer Heimat?

Liendl: Ich glaube, dass das Ansehen bereits in den letzten Jahren gestiegen ist. Wir haben jetzt richtig gute Spieler. Mit Ausnahme des Torwarts spielen alle im Ausland. Diese Legionäre, wie wir sie nennen, hatten wir zwar früher ebenfalls, aber jetzt sind es Legionäre, die auch in ihren Klubs wichtig sind. Alaba, Junuzovic usw.

Sie wären auch ein Legionär. Wie groß sind die Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme nächstes Jahr in Frankreich?

Liendl: Man schielt schon mit einem Auge hin. Und Teamchef Marcel Koller greift ja auch durchaus auf Zweitligaspieler zurück. Das sieht man bei Rubin Okotie, und mich hat er 2014 ja auch schon mal spielen lassen, als ich in Düsseldorf unter Vertrag stand.

Können Sie eigentlich die Nationalhymne auswendig?

Liendl: Müsste ich hinkriegen. Wenn’s wirklich so weit wäre, würde ich vorher aber schon noch mal über den Text fliegen. Bisher durfte ich leider auf dem Platz noch nicht mitsingen, weil ich bei meinem Länderspiel nur eingewechselt wurde.

Wie schwer war die Umstellung auf den deutschen Fußball, als Sie vor knapp zwei Jahren zu Düsseldorf wechselten?

Liendl: Das ging eigentlich ganz gut. Ich weiß, dass ich nicht der schnellste Spieler bin, trotzdem habe ich mich gleich eingefügt. Bei allen vier Trainern, die ich in Düsseldorf hatte, war ich auch Stammspieler. Das sagt ja auch einiges.

Am Sonntag geht es in Ihrem zweiten Spiel für 1860 bereits in Düsseldorf gegen die Fortuna (wir berichten im Live-Ticker). Besondere Motivation oder doch etwas Muffensausen? Außerdem ist es schon fast eine Art Abstiegsduell…

Liendl: Wir haben zwei Punkte, Fortuna einen. Düsseldorf steht also mehr unter Druck, auch weil es ein Heimspiel ist. Der Fortuna-Fan hält zwar sehr zu seiner Mannschaft, aber ich weiß, dass das Publikum langsam nervös wird. Wenn wir 1:0 in Führung gehen sollten, kann die Stimmung ganz schnell kippen.

Glauben Sie, dass Sie unfreundlich empfangen und von Pfiffen begleitet werden?

Liendl: Eigentlich nicht. Ich bin ja nicht im Bösen weggegangen. Und viele hätten es ohnehin gern gesehen, wenn ich geblieben wäre.

Zlatko Junuzovic von Werder Bremen sagte kürzlich in einem Interview, dass in Deutschland bei Weitem nicht so viel geraunzt wird, wie das im österreichischen Fußball üblich ist. Was meint er damit?

Liendl: Raunzen ist, wenn man immer über alles meckert. Wos, scho wieda a Laufeinheit?“ Oder „zwoamoi Training moing, a geh“ – da beschwert sich der Österreicher gern. Das ist halt seine Mentalität.

Waren Sie auch ein Raunzer?

Liendl: Kein großer. Aber ja, ab und zu schon auch.

Wer war oder ist der beste Fußballer in Österreich?

Liendl: Jetzt und die nächsten Jahre ganz klar David Alaba. Aber es gab natürlich auch einen Hans Krankl und Herbert Prohaska – es ist schwer. Mein Idol in der Jugend war jedenfalls ganz klar Andi Herzog.

Interview: tz

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