Die Wintertransfers in der Analyse

Retter oder Flops? Die neuen Löwen im Check

München - Zur Rückrunde hat Sportdirektor Poschner am Transfermarkt zugeschlagen und drei neue Spieler geholt. Was die Neuzugänge können - und worauf die Löwen warten müssen.  

Krisztian Simon, Anthony Annan und Jannik Bandowski (v.l.) sollen den Löwen neuen Schwung geben.

Im letzten Moment hat 1860 noch einmal reagiert. Krisztian Simon, Jannik Bandowski und Anthony Annan heißen die Hoffnungsträger im Abstiegskampf. Kurz vor dem Rückrundenstart war der winterlich-karge Transfermarkt ausgedünnt - doch Sportdirektor Gerhard Poschner musste auf die  Abgänge reagieren. Sechs Spieler verließen den Verein (Stark, Steinhöfer, Wood, Hertner, Wojtkowiak und Tomasov), drei neue Spieler kamen. Wie sie 1860 helfen können, mit wem sie sich messen und auf was die Löwen warten müssen. Können sie den TSV aus dem Abstiegssumpf ziehen? Unsere Analyse.

Krisztian Simon (23)

Der dreifache ungarischen Nationalspieler kam erst am Montag von Ujpest Budapest und stand schon am nächsten Tag für die Löwen im Testspiel gegen Unterhaching (2:1) auf dem Platz. Ein echter Kaltstart. Doch im Grünwalder Stadion deutete er bereits sein Können an.

Stärken: Er kann über beide Außenbahnen seine Geschwindigkeit ausspielen ("Die 30 Meter laufe ich in 3,179 Sekunden") und ist technisch beschlagen. Mit 17 spielte er bei den Wolverhampton Wanderers im Reserveteam, für Feyenoord Rotterdam machte er als 19-Jähriger acht Spiele in der ersten holländischen Liga. Er dürfte also Übung darin haben, sich schnell an ein neues Umfeld zu gewöhnen. Zur Not hat sich auch Gabor Kiray seine Hilfe per SMS angeboten. "Ich habe gegen Rumänien mit ihm gespielt. Er ist schnell, technisch gut und willensstark", erklärt Ungarns Rekord- und Ex-1860-Keeper. Beim Testspiel gegen Unterhaching zeigte Simon schon mal Gier auf Tore, war wendig und viel unterwegs.

Schwächen: Simon bringt bei 1,76 Meter Körpergröße nur 67 Kilo auf die Waage. Ist das Spiel der Löwen statisch, wird er seine Antrittsstärke nicht ausspielen können und ist so einer seiner Waffen beraubt. Die Frage bleibt, wie schnell sich der ungarische Floh und Tomasov-Ersatz an die Härte der zweiten Bundesliga gewöhnen wird.

Seine Konkurrenz: Daylon Claasen und Marius Wolf konnten beide in dieser Saison je nur einem Assist im Löwen-Angriff beisteuern. Und 1860 braucht gerade über die Außenpositionen Unterstützung für Alleinunterhalter Rubin Okotie. Eigentlich eine perfekte Ausgangslage für Simon.

Fazit: Gute Chancen, sich einen Stammplatz zu erspielen, wenn er körperlich zulegt. Markus von Ahlen: "Wir müssen dem Jungen Zeit geben." Zeit, die 1860 eigentlich nicht hat.

Jannik Bandowski (20)

Der U20-Nationalspieler wurde von Borussia Dortmund bis 2016 ausgeliehen.  

Stärken: Seine Paraderolle spielt Bandowski als Linksverteidiger ("Mein rechter Fuß ist auch ok"). Geholt als Perspektiv-Spieler aus der Dritten Liga, soll er mithelfen, dass dieses Schicksal den Löwen erspart bleibt.

Schwächen: Im Drittliga-Kader bei Dortmunds Reserve war Bandowski zuletzt außen vor, seit September kam der Linksverteidiger zumeist, um noch Zeit von der Uhr zu nehmen. Deshalb fehlen Wettkampf-Härte und Spielpraxis.

Konkurrenz: Bandowski wurde wohl in erster Linie als Backup für Maxi Wittek (19) geholt. Die linke Außenverteidiger-Position war nach dem Abgang von Hertner nur hauchdünn besetzt. Nun verfügen die Löwen zumindest über zwei Optionen, auch wenn beide noch blutjung sind. Denn auch Wittek schnuppert erst seit August Profi-Luft. Ob das Nervenkostüm der Youngsters im Abstiegskampf tatsächlich hält?

Fazit: Jannik Bandowski wird in Lauerstellung hinter Maxi Wittek gehen. Sein Konkurrent geht mit einem Erfahrungs- und Vertrauensvorsprung von Markus von Ahlen in die Rückrunde. Kurzfristig wird er den Löwen nicht helfen können.

Anthony Annan (28)

Er stieß in den letzten Tagen des Trainingslagers zur Mannschaft und übernimmt die Rückennummer 8 von Leonardo, dem abgewanderten Liebling von Ex-Trainer Ricardo Moniz. Auf Schalke fand sich für Annan 2013 nur noch ein Platz im Regionalliga-Team mit vereinzelten Ausflügen zu den Profis. Danach ging es für Annan nach Finnland zu Helsinki, wo er zum Jahresende die Meisterschaft feiern durfte. Er unterschrieb bei Sechzig bis 30. Juni 2016 und soll im bislang ziemlich durchlässigen Mittelfeld der künftig den Wellenbrechergeben.

Stärken: "Bei Tony sieht man einfach seine Erfahrung", freut sich von Ahlen über die Ruhe seines Neuzugangs. Der deutete in den wenigen Minuten Spielzeit bereits an, dass er auch schwierige Situationen spielerisch lösen kann. Als giftiger Balldieb kann er das Umschaltspiel der Löwen wieder zum Leben erwecken und sowohl für Ruhe als auch Tempo im Spiel sorgen.  

Schwächen: Hinter dem Fitnessstand des 28-jährigen Ex-Nationalspieler Ghanas (64 Einsätze, zwei Tore) steht ein großes Fragezeichen. Die Kraft für 90 Minuten wird zum Rückrundenstart noch nicht reichen, auch in den Testspielen kam er bislang nur zu Teileinsätzen. Auf der laufintensiven Position im defensiven Mittelfeld kann nur ein fitter Annan die Mannschaft tatsächlich weiter helfen.

Konkurrenz: Nach dem Abgang von Yannik Stark zu Darmstadt verfügen die Löwen mit Weigl und Sanchez nur noch über zwei gesunde Sechser - und über ein Machtvakuum im Mittelfeld. Weigl verlor seine Kapitänsbinde nach einem Party-Abend zu Saisonbeginn, Sanchez wurde den hohen Erwartungen noch nicht gerecht. Der frühere Kapitän von Barcelonas zweiten Mannschaft war in München bislang unauffälliger Mitläufer. Und bis Dominik Stahl zurückkehrt, wird es noch dauern.

Fazit: 1860 dürstet nach einen erfahrenen Anführer im Mittelfeld. Annan könnte diese Rolle ausfüllen. Er hat Felix Magath bei Schalke überlebt und Champions League gespielt (immerhin neun Minuten). Dazu bringt er mit der finnischen Meisterschaft ein Erfolgserlebnis mit nach München. Ein solches benötigen die Löwen dringend am Montag Abend gegen Heidenheim in der heimischen Arena. Dort gelang Sechzig bislang nur ein Sieg.

Und auch seine Rückkehr ist wie ein Winter-Transfer: Stephan Hain ist nach langer Leidenszeit wieder nah an der Mannschaft. Der Neuzugang, der keiner ist, könnte den Löwen in der Rückrunde zusätzliche Freude bereiten.

2:1 - Löwen gewinnen Test gegen Unterhaching durch Vollmanns Traumtor

Löwen-Erfolg im Grünwalder - Bilder vom Testspiel

Rubriklistenbild: © MIS/sampics

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