1860-Sportchef sucht Angreifer

Kreuzer darf im Winter shoppen - "Signal des Investors"

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Zwei, auf die es ankommt: Der neue 1860-Sportdirektor Oliver Kreuzer (r.) und Trainer Benno Möhlmann.

München - Der neue Löwen-Sportchef Oliver Kreuzer hält nichts von einsamen Entscheidungen,. Er lobt Coach Benno Möhlmann und hält den 1860-Kader für „absolut“ zweitligareif. Dennoch will er im Winter investieren.

Oliver Kreuzer war von einem Zwischenruf kurz irritiert worden. Bei seiner ersten Pressekonferenz als Sportdirektor des TSV 1860 hatte er betont, er halte den Traditionsverein für einen „kleinen schlafenden Riesen“. Mit dieser Einschätzung veranlasste er einen alteingesessenen Medienmann zur Gegenrede: „Das hört man hier bei Sechzig nicht gern!“ Der Widerspruch war wohl so zu deuten, dass der Schlaf des TSV 1860 schon viel zu lange dauert. Über ein Jahrzehnt. Grundsätzlich aber dürfte an Kreuzers Zielen nicht zu rütteln sein. „Ich bin guten Mutes“, sagte der 49-Jährige, „etwas verbessern zu können, um den Verein Schritt für Schritt nach oben zu bringen. Mit seriösem, akribischem Arbeiten ist der Turnaround möglich.“ Wobei er sich für diese Saison in angebrachter Bescheidenheit übt: „Wenn wir zweitklassig bleiben, sind wir alle happy und zufrieden. Und ich bin mir absolut sicher, dass wir die nötigen Punkte holen.“

Geschäftsführer Noor Basha hatte den neuen Sportchef gestern im Pressestüberl als den „Kopf des Sports bei den Löwen“ vorgestellt. Ein Prädikat, das Kreuzer einschränkte: „Mir ist das Teamwork wichtig. Die One-Man-Show, die Einzelentscheidungen gibt es nur noch ganz selten im Profifußball.“ Es war dem früheren Bundesligaprofi anzumerken, dass er künftig nicht im Stile des neuen starken Mannes aufzutreten gedenkt, sondern ihm vielmehr daran gelegen ist, das Miteinander zu pflegen. Ganz besonders gilt dies für sein Verhältnis zu Trainer Benno Möhlmann. „Er ist die absolut beste Entscheidung für den Verein, ein unglaublicher Fachmann mit Erfahrung, Ruhe, Gelassenheit. Ich hätte Benno auch verpflichtet“, rühmte der gebürtige Nordbadener den Coach, den er schon seit Jahren kennt.

Erste Vertrauensbekundungen übermittelte der Sportchef auch den Spielern: „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich hier einen Kader vorfinde, der absolut zweitligatauglich ist. Ich bin von der Mannschaft absolut überzeugt.“ Kreuzer, der bei den Löwen bis Juni 2018 unterschrieb, unterscheidet sich damit fundamental von seinem Vorgänger Gerhard Poschner. Dieser hatte das alte Team komplett zerschlagen und versuchte einen Neuanfang, Kreuzer baut dagegen auf die vorhandenen Kräfte. Allerdings ließ er auch durchblicken, dass es in der Winterpause wohl zu Neuverpflichtungen kommen wird: „Die Fakten sind klar: Sechzig hat wenig Tore geschossen. Folglich ist es naheliegend, dass man in diesem Bereich etwas tun muss.“ Offenbar ist Investor Hasan Ismaik bereit, entsprechende Hilfe zu leisten. „Es gab ein Signal, dass wir da was tun können“, so Kreuzer.

Dem neuen Sportchef ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass er sich einen Arbeitgeber ausgesucht hat, der zuletzt schwer von Führungskrisen gebeutelt worden ist. „Man hat den Verein in den letzten Monaten so wahrgenommen, dass vieles durcheinander lief“, meinte er: „Es wäre wünschenswert, wenn der Fokus wieder auf dem Fußball liegt und nicht auf anderen Nebenkriegsschauplätzen.“ Kreuzer weiß auch um das wohl einzige Allheilmittel im Fußball: „Um Ruhe reinzubringen, brauchst du gute Resultate. Wenn die Resultate stimmen, dann geht’s dem Präsidenten gut, dann geht’s der Putzfrau gut.“ Dem Sportdirektor natürlich auch.

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