"Sie kennen ja meine Sympathie für schnöde Sachen"

Orakel Benno hofft auf ein schnödes 1:0

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Es muss nicht immer ein Spektakel sein: Möhlmann beim nicht gerade nervenschonenden 4:4 in Paderborn. Heute, gegen seinen Ex-Klub, soll hinten wieder die Null stehen.

München - Gegen seinen Ex-Klub FSV Frankfurt fordert der Löwen-Trainer die Rückkehr zu berechenbarem Kompaktfußball.

Am Ende der Pressekonferenz kam noch eine Frage, die sich Benno Möhlmann selber zuzuschreiben hatte: „Ihr Tipp für morgen?“ Der Löwen-Trainer steht ja neuerdings in einer Reihe berühmter Orakel mit dem Kraken Paul (WM 2010) und dem Gürteltier Taka (WM 2014). Doch anders als noch vor dem Spiel in Paderborn, das er widerwillig, aber richtig getippt hatte (4:4), verweigerte Möhlmann diesmal die Aussage. „Ich will’s nicht auf die Spitze treiben“, sagte er und bestätigte stattdessen die Einschätzung, dass er sich am Freitagabend gegen den FSV Frankfurt schon mit einem ungefährdeten 1:0-Erfolg zufrieden geben würde: „Sie kennen ja meine Sympathie für schnöde Sachen.“

Die kennt man in der Tat inzwischen: Würde man Möhlmann zwei Nikolausgeschenke anbieten – eines aufwendig verpackt, hübsch verziert und mit einem Spiel für die Geschichtsbücher darin, das andere fantasielos wie eine Krawatte – er würde sich jederzeit für das zweite entscheiden. Hauptsache, es hat einen praktischen Nutzen. Mögen Fans und Romantiker noch Jahre von diesem 4:4 in Paderborn schwärmen, Möhlmann hat im Moment vor allem eine Sehnsucht: Drei Punkte sollen es bitteschön sein. Zur Not durch ein Tor vom Elfmeterpunkt. Und die Zu-Null-Serie würde er auch gerne fortsetzen.

Durchaus nachvollziehbar, wenn man auf die Tabelle blickt, wo die Löwen schon wieder auf Platz 17 stehen. „Es war eine anerkennenswerte Mannschaftsleitung“, würdigte Möhlmann die Aufholjagd von Paderborn – und ließ ein großes Aber folgen. „Aber“, sagte er also: „Wir hätten nicht vier Gegentore bekommen dürfen. Da haben wir uns natürlich fehlerhaft verhalten. Solche Dinge kann man verbessern. Demensprechend nüchtern haben wir das Spiel analysiert.“

Soll heißen: Es reicht jetzt wieder mit Spektakel. Zurück zu berechenbarem Zweitliga-Kompaktfußball. Zumal es gegen einen Gegner geht, dem Möhlmann dreieinhalb Jahre lang (bis zu seiner Entlassung am 18. Mai) jene Eigenschaften eingeimpft hat, die er seit dem 6. Oktober nun in München predigt: Stabil stehen, viel laufen und so. „Der FSV ist bedeutend besser in die Saison reingekommen“, zog Möhlmann einen Vergleich mit seinem neuen Team: „Sie haben auswärts auch bedeutend besser gepunktet.“ Ergo, schlussfolgerte er: „Es ist ein unangenehmer Gegner.“

Wenngleich der FSV 2015/16 nicht mehr viel mit jenem aus seiner Zeit zu tun habe. 16 Spieler wurden im Sommer verpflichtet, und Tomas Oral, der neue Trainer, ist von seiner Arbeitsweise her das Gegenteil eines Möhlmann. Zur Erinnerung: Als erste Maßnahme ließ Oral seine Profis damals durch eine Autowaschanlage laufen. Möhlmann verfolgt das alles aus der Ferne. Er sagt, dass ihm der FSV heute so fremd ist wie beispielsweise der FC St. Pauli. Trotzdem blickt er gerne auf seine Frankfurter Jahre zurück: „Mit kleinen Mitteln haben wir viel erreicht.“ Dreimal den Klassenhalt geschafft, und als Höhepunkt: Platz vier in der Saison 2012/13 – mit 54 Punkten.

Davon kann er aktuell nur träumen. 17 Punkte sind das Maximum, das Möhlmanns Löwen in dieser Hinrunde erreichen können. Das setzt einen Sieg gegen den FSV voraus – und ein abermaliges, erfolgreiches Improvisieren des Trainers. Probleme gibt es vorne und hinten, links und rechts. Vor allem dann, wenn sich nach Marius Wolf auch Gary Kagelmacher abmeldet, der in der Nacht zum Donnerstag über leichtes Fieber klagte. „Leider haben wir keinen anderen Rechtsverteidiger im Kader“, bedauert Möhlmann. Erstmals lud er dafür Nico Karger ein. Der aus Nordfranken stammende Stürmer hat sich mit guten Leistungen in der Regionalliga (10 Tore in 21 Spielen) für höhere Aufgaben empfohlen.

Rund um das Spiel warten die Löwen übrigens mit einem Kulturprogramm der besonderen Art auf. Gestern lud Geschäftsführer Markus Rejek zum ersten sogenannten „Grantler-Abend“ ins Löwen-Stüberl (Stargast: Volksschauspieler Hans Stadlbauer). Heute tritt Comedian Simon Pearce im VIP-Bereich der Arena auf. Bei so viel Remmidemmi stehen die Chancen gut, dass Orakel Benno schon bald in Vergessenheit gerät.

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