Debatte bei Bürgerversammlung

Kehrt der TSV 1860 doch zurück ins Grünwalder Stadion?

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Bald wieder Heimstätte der Löwen? Die Giesinger wollen künftig im Grünwalder Stadion spielen.

München - Kehrt Sechzig zurück ins Grünwalder Stadion? Die Löwen würden gerne, das machte der Geschäftsführer bei einer Bürgerversammlung in Giesing deutlich. Fragezeichen gibt es viele. Und die Nachbarschaft ist gespalten.

Die Fankurve zumindest scheint sich einig. Seit dem ersten Spieltag dieser Saison ist bei allen Heim- und Auswärtsspielen des TSV 1860 in der Mitte der treuesten Fans eine große Fahne zu sehen. „Kommt heim auf den Giesinger Berg“, steht darauf. Und 34 Kästchen, die abgehakt werden. An jedem Spieltag eins. Es ist das Ultimatum der Fans, die schon nächste Saison wieder zu Hause spielen wollen.

Möhlmann spricht über die T-Frage

Wenn es denn soweit kommt. In der zweiten Liga scheint das schwer vorstellbar. Auf einer Sonder-Bürgerversammlung in Untergiesing stellte 1860-Geschäftsführer Markus Rejek jetzt aber klar, dass er sich eine Rückkehr für „ein oder zwei Saisons“ übergangsweise gut vorstellen könne. Wenn der anvisierte Stadion-Neubau – immer wieder ist die Rede von einem Standort in Riem – denn Realität werden könnte.

Ganz explizit thematisierte Rejek auch die Situation nach einem möglichen Abstieg in die dritte Liga. Im Abstiegsfall hätte man 2015 dafür gekämpft, nach Giesing zurückzukehren, sagte er: „Diese Situation kann sich im Juni 2016 wiederholen.“ Rejek erklärte, man sei konkret in Gesprächen mit der Stadt – und sich zum Beispiel einig, dass dann die Osttribüne wieder Gästekurve werden würde. Ein Vertreter des Sportreferats erklärte, es gebe Überlegungen „die Kapazität zu erweitern“.

Löwen-Reserve spielt vor wenigen hundert Fans im Grünwalder

Aktuell ist das Stadion für Spiele bis höchstens zur dritten Liga zugelassen – und für nur 12.500 Zuschauer. Im Alltag spielen dort die zweiten Mannschaften des TSV 1860 und des FC Bayern vor wenigen hundert Zuschauern. Im Umfeld des Stadions gibt es so gut wie überhaupt keine Probleme, das machte auch die Giesinger Polizei deutlich. Trotzdem beschwerten sich einzelne Anwohner – über Sperrungen von Straßen, Aufkleber und Graffiti, und über das Wummern von Fantrommeln auf den Tribünen. Ein Giesinger sagte gar, an Spieltagen lasse er seine Kinder „nicht auf die Straße“.

Bay äußert sich zur Präsidentensuche

Ein besonders großer Aufreger scheint der Alltag aber nicht zu sein – dafür sprach auch, dass zu der Versammlung in die Turnhalle an der Säbener Straße nur wenige dutzend Giesinger gekommen waren. Den Kritikern ging es vor allem um die zwei Amateur-Derbys pro Saison mit den Riesen-Polizeieinsätzen. Und um die Sorge, dass was passiert. wenn die Löwen wirklich heimkehren würden auf den Giesinger Berg. 

Ein Mann erzählte von Fan-Bussen, die – anders als vorgesehen – an der Tegernseer Landstraße parken würden. Männer würden aussteigen und direkt reihenweise gegen Hauswände bieseln. Ein anderer rief: „10.000 Zuschauer alle zwei Wochen – das ist hier in dieser Gegend nicht tragbar!“

Früher waren Giesinger stolz auf Fußballspiele

Nicht nur da bekam die Kritiker-Fraktion aber gehörigen Widerspruch. Denn es gibt auch Giesinger, die den Fußball als Teil ihres Viertels sehen. Klaus Hahnzog, einst Kreisverwaltungsreferent, ist so einer. „Ich wohne seit 50 Jahren in der Nähe des Quirinplatzes“, rief er. „Diese sehr individualistischen Beschwerden gab es damals nicht. Die Leute hier fühlten sich als Sechzger. Sie waren stolz, dass hier Fußball stattfindet. Das ist doch etwas Positives für Giesing.“ Hahnzog bekam für dieses Beitrag langen Applaus.

Ein Löwen-Youngster könnte Degenek ersetzen

Eine andere Frau sah das Stadion als Bollwerk gegen die Aufwertung des alten Arbeiter-Viertels. Man solle sich nur mal vorstellen, es sei nicht mehr da, sagte sie. „Da wären wir doch schon lange eingekastelt von Großverdienern.“

Polizei begleitet auswärtige Fans

Den Vertretern von Stadt und Polizei ging es vor allem darum, wie man den Fußball-Betrieb sicher gestalten könnte. Die Stadt investiert wie berichtet noch einmal Millionen Euro in Sicherheitsmaßnahmen. Michael Dibowski von der Polizeiinspektion 23 betonte: „Ich bin mir sehr sicher, dass wir für alle Fragen Lösungen finden werden.“ Er warnte davor, sich die Szenerie rund um mögliche 1860-Spiele gegen Vereine aus den neuen Bundesländern mit den Amateur-Derbys zu vergleichen. Gästefans von weiter her begleite die Münchner Polizei eng zum Stadion.

„Das geht mit den Münchnern nicht so. Da geht die Haustür auf und aus dem ersten Stock kommt der Bayern-Fan raus und kurz danach der Sechzig-Fan aus dem zweiten.“ Zumindest diese unübersichtliche Situation würde den Giesingern mit einem Löwen-Abstieg erspart bleiben: Dann müsste auch die zweite Mannschaft absteigen, 1860 und Bayern würden nicht mehr aufeinandertreffen.

Felix Müller

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