Wo der Ex-Geschäftsführer recht hat - und wo nicht

Poschner rechnet ab: Die tz checkt die Fakten

+
Klare Stimmungslage: Gegen Poschner regte sich bei 1860 massiver Widerstand – als gescheitert sieht es sich dennoch nicht.

München - Gerhard Poschner hat mit dem TSV 1860 München abgerechnet. Doch hat der Ex-Geschäftsführer mit seinen Vorwürfen recht? Die tz macht den Faktencheck.

Knapp sieben Wochen ist es jetzt her, dass Gerhard Poschner beim TSV 1860 die Brocken hingeworfen hat. Jetzt hat sich der ehemalige Geschäftsführer Sport bei Sport1 zu Wort gemeldet und auf seine alles andere als glücklichen 15 Monate an der Grünwalder Straße zurückgeblickt. Es war teilweise eine Abrechnung, eine Suche nach Erklärungen und Gründen und so gut wie kein Eingeständnis, eigene Fehler gemacht zu haben. Die tz macht den Check, mit welchen Aussagen Poschner richtig liegt, wo er es sich zu einfach macht oder die Dinge falsch darstellt.

„Das Aus war nicht schwer zu verarbeiten, da ich ja selber die Entscheidung getroffen habe, zu kündigen.“

tz-Check: Poschner musste zu diesem Zeitpunkt kündigen, um seine beabsichtigte Klage nach der Degradierung zum Sportdirektor auf Einhaltung des Geschäftsführerpostens (Vertrag läuft bis 2017) nicht zu gefährden. Ein juristischer Schachzug, der nichts mit Emotionen zu tun hat.

„Ich bin nicht gescheitert. Der Auftrag der Gesellschafter lautete, einen totalen Umbruch einzuleiten, in dem Wissen, dass Umbrüche dieser Art große Probleme bereiten und zu kurzfristigem Misserfolg führen können. Ob ein Geschäftsführer Sport gescheiert ist, das kann man nicht nach 15 Monaten bewerten, sondern vielleicht nach drei bis vier Jahren.“

tz-Check: Da lügt sich Poschner in die eigene Tasche. Der TSV 1860 wäre um ein Haar abgestiegen, Poschners Plan mit zehn Neuzugängen, die teilweise recht teuer waren, ging in keinster Weise auf.

„Ich habe monatelang keine Reaktion auf jegliche Diffamierung aus den eigenen Reihen gezeigt. Es gab eine bewusste Beschädigung meiner Person durch das Präsidium und den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden. Der Höhepunkt war die Volksfestveranstaltung bei der Jahreshauptversammlung mit populistischen Verkündigungen seitens des Präsidenten, was meine Person und Position betrifft. Das war vereinsschädigendes Verhalten seitens des Präsidiums.“

tz-Check: Da hat Poschner absolut recht. Schon Ende vergangenen Jahres wurde vom Präsidium öffentlich der Wunsch geäußert, dass Poschner entlassen werden soll. Im Juli dieses Jahres sprach Interimspräsident Sigi Schneider von einer dreimonatigen Probezeit für Poschner. Trotzdem sollte er eine taugliche Mannschaft zusammenbasteln, wobei er auch noch damit leben musste, dass die rund drei Millionen Euro für Weigl und Wood von Investor Ismaik nicht für Transfers freigegeben wurden. So funktioniert Profifußball nicht.

„Es ist richtig, dass ich nach meiner Kündigung explizit von der neuen Geschäftsführung gebeten wurde, angeschobene und vorverhandelte Themen weiter zu begleiten und bei Bedarf auch abzuschließen. Das habe ich auch gerne getan, aber als ich dann in den Medien von beiden Geschäftsführern (Rejek und Basha, d. Red.) lesen musste, dass es nicht so wäre, habe ich alles eingestellt.“

tz-Check: Da steht Aussage gegen Aussage. Aber warum sollte Poschner so eine Geschichte erfinden?

„Bei so einer Mammutaufgabe mit so vielen Veränderungen innerhalb kürzester Zeit werden auch Fehlentscheidungen getroffen. Der größte Fehler? Da sollte man lieber das Präsidium fragen.“

tz-Check: Poschner hat vor einiger Zeit selbst zugegeben, dass er zweimal bei der Trainerwahl falsch lag (Moniz und von Ahlen). Auch die Verpflichtung der drei Spanier Sánchez, Bedia und Rodri sah er im Nachhinein als nicht richtig an. Dass er es mit einem völlig überforderten Präsidium zu tun hatte, das sich ein Profi-Verein eigentlich nicht leisten dürfte, stimmt wiederum.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Alle Infos zur Relegation 2017: Termine, Modus und TV-Übertragung
Alle Infos zur Relegation 2017: Termine, Modus und TV-Übertragung
Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Kommentar zur 1860-Relegation: Parallelen zu Wolfsburg
Kommentar zur 1860-Relegation: Parallelen zu Wolfsburg
Ticker: Relegation! 1860 verspielt Führung und verliert
Ticker: Relegation! 1860 verspielt Führung und verliert

Kommentare