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Presse, Rasen, Schiri - und wer ist beim nächsten Mal schuld?

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Von: Ludwig Krammer, Florian Fussek

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Betretene Mienen: Ismaik und Power
Betretene Mienen: Ismaik und Power (l.). © sampics

München - Chancenlos in Berlin, harmlos gegen St. Pauli – nach zwei Pleiten in Folge sind die Löwen wieder mittendrin im Abstiegskampf. Die Gründe? Da gehen die Ansichten auseinander.

Trainer Vitor Pereira analysierte: „Wir haben St. Pauli einen Elfmeter und damit ein Tor geschenkt. Danach wurden wir sehr instabil und haben nicht mehr gut gepresst. Das hat zum zweiten Gegentor geführt.“ So sah’s auch Stefan Aigner: „Wenn du so ein Spiel in fünf Minuten hergibst durch individuelle Fehler, wo du den Ball leicht klären kannst, dann ist das schon bitter.“

Ismaik fordert Entschuldigung

Anders stellte sich die Lage für Hasan Ismaik dar. Acht Stunden nach Abpfiff ließ der Oberlöwe bei Facebook verkünden: „Ich hätte mir nach dem Spiel von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus eine Entschuldigung gewünscht.“ Sie habe nicht nur mit dem Handelfmeter „total danebengelegen. Uns wurde u.a. ein Elfmeter nicht gegeben, nachdem ein Gästespieler einen Schuss von Amilton mit der Hand abwehrte.“

Zumindest letztere Feststellung wurde durch die TV-Bilder widerlegt. Beim Schuss von Amilton wehrte Lasse Sobiech den Ball mit dem Knie ab – kein Elfmeter. Auch für die 60 Prozent verlorenen Zweikämpfe, die geringere Laufleistung (110 zu 113,44 km) und das Sprint-Verhältnis (187:213) konnte Steinhaus nichts. Warum Ismaik die Schuld vorzugsweise außerhalb der eigenen Reihen sucht? Ein Muster lässt sich schwer wegdiskutieren.

Viele Vorwürfe - keine Belege

Beispiel Union Berlin: Nach der 0:2-Niederlage, die Trainer Pereira an der Konkurrenzfähigkeit seiner Mannschaft zweifeln ließ, beschwerte sich Ismaik über die „katastrophalen Platzbedingungen“, die „mitentscheidend für unsere Niederlage“ gewesen seien. „Ich wäre dem DFB bzw. der DFL sehr dankbar, wenn alle Vereine aus Fairnessgründen angehalten werden, für eine ordentliche Spielfläche zu sorgen.“

Beispiel Ex-Mitarbeiter: Ende Januar rechnete Ismaik mit Thomas Eichin und dessen Vorgängern ab: „Früher sind neue Spieler beim TSV 1860 immer überstürzt verpflichtet worden, ohne sich richtig mit ihnen und ihrer persönlichen Akte auseinandergesetzt zu haben. Die Folge war, dass sich sehr schnell Frust breitgemacht hat.“ Dass Ismaik seit fast sechs Jahren bei 1860 mitmischt? Geschenkt.

Beispiel Finanzen: „Es gibt Leute im Verein, die Korruption und Plünderung unterstützen – ich werde mit allen Mitteln dagegen vorgehen“, verkündete Ismaik im November. Wen er damit konkret meinte? Bis heute ungeklärt.

Beispiel Medien: Seit der Pressekonferenz in London im Dezember 2015 ist Ismaiks Verhältnis zu den Münchner Medien angespannt. Der Vorwurf: Es seien Dinge verkürzt wiedergegeben worden anstatt 1:1 zu verkünden, was Ismaik den Fans mitteilen wollte. Wenig später wurde der Finanzier bei Facebook selbst aktiv. Zudem kann er sich auf einen Fanblogger verlassen, der sämtliche Botschaften ungefiltert in die blaue Welt posaunt. Die unabhängigen Medien sind spätestens seit den kritischen Berichten nach der Eichin-Entmachtung ein Feindbild: „Es ist ein dreckiges Spiel zwischen Medien und Hintermännern, das ich längst durchschaut habe“, schrieb Ismaik. Fakten? Fehlanzeige. Bleibt zu hoffen, dass sich die Lage unter Neu-Geschäftsführer Ian Ayre (ab 3. April) normalisiert

lk, ffu

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