Löwen plagen Verletzungssorgen

Fröhling: "Liendl ist noch nicht in unser System integriert"

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Michael Liendl (l.) mit Trainer Torsten Fröhling  vor seiner Einwechslung.

München - Beim TSV 1860 reißen die Sorgen nicht ab. Nach dem „Zweikampfspiel“ von Sandhausen sind beide Innenverteidiger und Mugosa verletzt. Aber Liendl muss sich weiter gedulden.

Und wieder hat Michael Liendl am Tag nach einem Pflichtspiel viele neue, interessante Berufskollegen kennengelernt. Zum Beispiel Felix Weber, einen Innenverteidiger aus der U 21. Oder Sertan, einen anderen Innenverteidiger, von dem selbst Trainer Torsten Fröhling, der Ex-U 21-Coach, nur den Vornamen kannte (Yegenoglu ist sein Nachname). Auch Fejsal Mulic, die beiden Ersatztorhüter und andere Jungprofis mischten wieder mit in der durch Liendls Anwesenheit aufgewerteten Runde.

Liendl war von Fröhling zum „Spiel-Ersatztraining“ einbestellt worden, weil er beim 1:1 in Sandhausen nur die letzten fünf Minuten hatte mitmachen dürfen – wie schon beim 1:1 gegen Kaiserslautern drei Tage zuvor. Doch anders als noch am Sonntag war die wenig artgerechte Haltung des österreichischen Spielmachers kein großes Thema für die Beobachter am hinteren Trainingsplatz.

Zum einen lag das daran, dass Korbinian Vollmann, 21, erneut ein engagiertes Spiel auf der Liendl-Position geboten hatte: Er hatte nach Sandhausens Führung postwendend den wichtigen Ausgleich erzielt (39.), war jedem Ball hinterher gerannt und hatte in der 68. Minute auch die große, von Daylon Classen verballerte Siegchance vorbereitet. „Ich geb einfach Gas“, sagte Vollmann: „Wie jeder weiß, hat mir der Trainer sehr geholfen. Ich versuch’ das einfach, mit guten Leistungen zurückzuzahlen.“

Liendl, 29, hat seine Zurückstufung diesmal still ertragen. Selbst der ehrgeizigste Sportler weiß ja, dass öffentliche Stammplatzforderungen als Egoismus ausgelegt werden, wenn der Positionsrivale mit Argumenten zu überzeugen weiß. Dass Liendl am Mittwoch aber kaum beachtet wurde, obwohl ihn selbst Fröhling für seinen Trainingseifer lobte („sehr gut diesmal“), hatte noch einen anderen Hintergrund. Es lag daran, dass es schon wieder andere Probleme gibt, die den Tabellenvorletzten drücken. Es musste ja schließlich irgendein Plan dahinter stecken, dass die Talente Weber und Yegenoglu ausnahmsweise bei den Profis vorspielen durften.

Danke und auf Wiedersehen: Die in Sandhausen grünen Löwen müssen am Sonntag schon wieder ran, dann gegen Aufstiegsfavorit Leipzig – und wohl mit neuem Personal. Rodnei (li. neben Degenek, Vollmann, Schindler) empfahl sich, nachdem Bülow mit einer Verletzung raus musste.

Den Grund nannte Reha-Trainer Hans Baudisch, einer von Fröhlings engsten Mitarbeitern. Mit Christopher Schindler und Kai Bülow seien beide Innenverteidiger angeschlagen aus Sandhausen zurückgekehrt. Und auch Stürmer Stefan Mugosa habe das „reine Zweikampfspiel“ (Fröhling) mit einer Verletzung beendet. Bülow, der zur Pause raus musste, hat eine Gehirnerschütterung und suchte gestern jenen Neurologen auf, der sich bis vor kurzem um Rubin Okotie gekümmert hatte. Schindler, der früh im Spiel mit Nebenmann Gary Kagelmacher zusammengerasselt war, klage über eine Bänderdehnung im Knie, die er „vor lauter Adrenalin“ (Fröhling) erst nach dem Schlusspfiff bemerkte. Mugosa schließlich, meldete Baudisch, habe eine Zerrung im Oberschenkel. „Wir haben zum Sonntag hin Stand heute Probleme“, fasste Fröhling die verschärfte Lage an der Personalfront zusammen: „Wir müssen uns mit allen Eventualitäten beschäftigen.“ Auch mit dem möglichen Einsatz zweier Talente, die zum Stamm von Daniel Bierofkas Regionalligateam gehören.

Das würde die Sache natürlich nicht einfacher machen gegen Ralf Rangnicks Millionentruppe von RB Leipzig, dem Topfavoriten schlechthin in einer insgesamt aufgerüsteten 2. Liga. Fröhling glaubt, dass er im Ernstfall auf Sommerzugang Rodnei bauen könnte, der seinen Noteinsatz in Sandhausen (ab der zweiten Hälfte für Bülow) zur Zufriedenheit des Trainers absolvierte. „Er ist gleich gut reingekommen, was in so einem Kampfspiel nicht einfach ist“, sagte er: „Fürs erste Mal war das sehr ordentlich. Er ist ein echter Wettkampftyp.“ Doch was, wenn am Sonntag beide Stamm-Innenverteidiger ausfallen? In diesem Fall müsste Fröhling wirklich improvisieren. Kagelmacher nach innen zu ziehen und Vladimir Kovac nach rechts zu stellen, wäre eine Alternative. Milos Degenek aus der Mitte abzuziehen, wäre theoretisch auch denkbar. Fröhling gibt aber zu bedenken, dass in seinem Kader kein zweiter großgewachsener Spieler für die wichtige Sechser-Position zu finden sei.

Mugosas Ausfall dagegen ließe sich auffangen. Zum einen wirkte der Ex-Lauterer erneut wie ein Fremdkörper. Zum anderen ist Okotie wieder fit. Und nicht nur das. „Er ist heiß“, hat der Coach beobachtet. Landsmann Liendl dagegen muss sich weiterhin gedulden. „Ich sag’s mal so“, sagte Fröhling: „Er ist noch nicht komplett in unser Spielsystem integriert.“ Gemeint: Vollmann ist einfach der laufstärkere Spieler für das gewünschte Gegenpressing.

Grundsätzlich, findet Fröhling, sei das Team nach dem Rückschlag von Düsseldorf (0:3) auf dem Weg zu erhoffter Stabilität. „Von der Sache her bin ich mit der Entwicklung der jungen Mannschaft zufrieden“, sagte er: „Man sieht zwar, dass es nicht einfacher wird, wenn wir viele Verletzte haben. Von der Ellbogen-Seite her hat die Mannschaft aber gezeigt, dass sie sich voll reinhängt. Sie hat ja versucht, bis zum Schluss auf Sieg zu spielen.“

„Fröhling kriegt das Maximum an Zeit!“

Geklappt hat’s wieder nicht. Doch ein Sieg, glaubt Fröhling, würde schlagartig viele Blockaden lösen: „Es muss jetzt einfach mal ein Dreier her, dann geht’s auch wieder vorwärts.“ Der Trainer selbst wirkte gestern aber schon viel gelöster als zuletzt. Vielleicht auch, weil er gelesen hatte, was Geschäftsführer Noor Basha in der Sport-Bild zur Trainerfrage gesagt hat: „Was 1860 braucht, ist mehr Geduld. Kontinuität. Wir müssen das Risiko eingehen, den Menschen, die wir eingestellt haben, auch mal zu vertrauen. Fröhling ist unser Trainer und kriegt das Maximum an Zeit!“

Uli Kellner

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