News-Ticker: Wolfgang Schäuble zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt  

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Wiesn-Gaudi mit den Löwen

Roter OB bei den Blauen: Reiters Angebot in Sachen Stadion

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Ein kleines Löwen-Herz hat er auch: OB Dieter Reiter (l.) mit Siegfried Schneider, dem Interims-Chef des TSV 1860.

München – Dieter Reiter ist Oberbürgermeister der Stadt München - und bekennender Bayern-Fan. Beim Wiesn-Besuch am Tisch der Löwen äußert er eine weißblaue Wunschliste: eigenes Löwen-Stadion, Aufstieg – und endlich wieder Derbys.

Wiesnzeit ist Ausnahmezeit, das hat Münchens Oberbürgermeister Dienstag wieder erfahren. Kaum hatte Dieter Reiter das Hackerzelt betreten, eine Viertelstunde nach seinen Gastgebern, den Münchner Löwen, da hatte der OB schon ein Sechzger-Herzerl in der Hand. So schnell kann’s gehen, auch für einen bekennenden FC-Bayern-Fan. Doch Reiter, der Diplomat, er fand die Geste vollkommen in Ordnung. Er streichelte das Lebkuchenherz, knetete es, während er den Reportern Auskunft gab – und nahm es auch später mit zum Tisch der Oberlöwen, zu Interimspräsident Siegfried Schneider, zu Noor Basha und zu dessen Geschäftsführerpartner Markus Rejek.

Der rote OB bei den Blauen – ein Bild mit Seltenheitswert. Doch wie kam es dazu? „Ganz einfach“, verriet Reiter: „Die Sechzger haben mich eingeladen.“ Man kann den Löwen ja vieles vorwerfen, aber dass in den letzten Jahrzehnten nie ein OB am Wiesntisch der Blauen saß, könnte auch schlicht daran gelegen haben, dass nie eine offizielle Einladung ins Rathaus verschickt wurde.

„Ich bin gerne gekommen“, sagte Reiter und berichtete, dass es keine Unbekannten seien, mit denen er Dienstag einen zünftigen Wiesnabend verbrachte: „Ich hab’ ja relativ viel Kontakt zu den Löwen – in Sachen Stadion, in Sachen sportlicher Entwicklung. Seit ich im Amt bin eigentlich. Ich hab auch immer gesagt: Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn es mir gelingen würde, als Oberbürgermeister ein echtes Lokalderby zu sehen.“ Also eines, in dem es auch um Punkte geht. In der Bundesliga demnach, denn dass die Bayern absteigen, ist eine Fantasie, die nur einem Löwen-Fan nach der fünften Mass zuzutrauen ist.

Reiter berichtete, dass die Sehnsucht nach einem echten Derby durchaus familiäre Hintergründe hat. „Seit ich denken kann, bin ich ein unglaublicher Sport- und Fußballfan.“ Schon als Reiter fünf Jahre alt war, sei das Duell Rot gegen Blau intern hauchdünn entschieden worden: 2:1 für den FC Bayern. „Mein Vater und ich waren immer die Bayern-Fans, mein Bruder ein erbitterter 60er-Fan.“ Versonnen blickt der OB zurück: „Das waren immer unglaubliche Familienfehden.“

Und jetzt? Die Bayern in einer anderen Liga – 1860 auf der Schwelle zur Drittklassigkeit. Ein Zustand, der Reiter zu denken gibt: „Sportlich ist es tatsächlich schwierig. Mit lauter Ein-Punkte-Spielen kommt man nicht vorwärts. Sie spielen ja auch viel besser, als es ihr Tabellenstand ausdrückt.“ Der Sportfan Reiter nahm insbesondere die Herren in die Pflicht, mit denen er später die erste Mass zischte: „Es kann nicht jedes Jahr nur darum gehen, den Klassenerhalt zu sichern“, lautet sein Appell in Richtung Vereinsspitze: „Irgendwann sollte der Blick schon mal wieder nach oben gehen.“ Sein gut gemeinter Rat: „Man braucht solide Finanzen. Es ist zwar wahr, dass Geld keine Tore schießt. Aber es ist auch wahr, dass es keine gute Basis ist, wenn man immer seine besten Spieler verkauft.“

Gerne, gab Reiter noch zu, würde er dem darbenden (Ex-)Lokalrivalen noch mehr helfen. „Tore schießen kann ich leider nicht“, sagte er und lachte: „Aber ich meine es ernst: Ich unterstütze die Sechzger, wo sie’s brauchen können. Zum Beispiel beim Thema Stadion.“ Sein Angebot: „Wenn klar ist, wie die Finanzierung eines eigenen Stadions aussehen könnte, dann werden wir auch ein entsprechendes Planungsrecht herbekommen.“

Und wie war das mit dem 60er-Herzerl: Hat er es sich gerne in die Hand drücken lassen? „Das fiel mir nicht schwer“, sagte Reiter: „Man ist ja nicht nur Bayern-Fan, sondern auch Münchner.“ Man könnte die Geste auch als eine abgewandelte Form des Daumendrückens interpretieren. „Ernsthafte Sorgen mache ich mir trotz allem nicht“, sagte Reiter noch: „Die Sechzger sind ja leidgeprüft – und kampferprobt.“ Die erste Amtszeit des OB endet 2020 – bis dahin könnte es allerdings knapp werden mit seinem Wunsch, mal wieder ein echtes Derby zu erleben.

Uli Kellner

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