Phrasendrescherei im Abstiegskampf

Ausreden & Ausflüchte! 1860 redet die Krise schön

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Markus von Ahlen (l.) hat das Cheftraineramt von Ricardo Moniz übernommen, seine Bilanz kann sich aber genauso wenig sehen lassen. Gerhard Poschner (r.) findet, man habe lediglich sechs Punkte zu wenig eingefahren.

München - Platz 15 nach zwölf Spieltagen, Abstiegskampf statt Aufstiegsrennen - da müsste bei den Löwen doch eigentlich der Baum brennen. Doch Spieler und Verantwortliche scheinen den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben.

In der TV-Sendung "Sport1-Doppelpass" sind bei den beteiligten Fußballexperten pro hohle Phrase drei Euro fällig, am Ende der Saison wird das auf diese Weise zusammen gekommene Geld für einen guten Zweck gespendet. Stünde an der Grünwalder Straße ein Phrasenschwein, es wäre zum Bersten gefüllt und bereit zur Notschlachtung.

Denn die Löwen flüchten sich derzeit von einer Ausrede zur nächsten. Mit mickrigen zwölf Punkten nach 13 Spieltagen steht der Münchner Traditionsverein am Abgrund. Statt des vor der Saison großspurig auserkorenen Ziels Meisterschaft krebst 1860 im Tabellenkeller herum, der Abstiegskampf wird zur bitteren Realität. Und was machen die Beteiligten? Reden sich die Krise schön - Phrasendrescherei vom Feinsten!

Nur ein Torschuss in 90 Minuten

Bestes Beispiel: Trainer Markus von Ahlen. Nach der jüngsten 0:1-Heimpleite gegen Fortuna Düsseldorf sah der Coach tatsächlich Fortschritte bei seiner Elf: "Wir haben gegen die stärkste Auswärtsmannschaft der Liga mit viel Leidenschaft gespielt, keine Konter zugelassen und die beste Laufleistung der Saison abgeliefert." Dass seine Spieler in 90 Minuten vor eigenem Publikum gerade mal einen läppischen Torschuss von innerhalb des gegnerischen Strafraums zustande brachten, scheint dem Löwen-Trainer hingegen nicht negativ aufgefallen zu sein. Stattdessen fand von Ahlen es "beachtlich, wie wir uns ins Spiel reingearbeitet haben".

Auch Kapitän Christopher Schindler sah allenfalls Kleinigkeiten, die das Spiel gegen die Löwen entschieden hätten. "Wir haben richtig viel investiert", hebt der Defensivmann hervor. Ertrag? Gleich null!

Torjäger Rubin Okotie verstieg sich nach dem Schlusspfiff sogar zu einem äußerst fragwürdigen Fazit: "Wir waren die bessere Mannschaft." Nicht nur die überwiegende Mehrheit der knapp 20.000 Zuschauer in der Allianz Arena sah das völlig anders. Auch Ex-Löwen-Dompteur Werner Lorant bewertete die Leistung drastisch: "Es ist verdammt traurig, so ein Heimspiel zu sehen. Und dann noch zu glauben, sie wären die Besseren gewesen. Ich verstehe es nicht – die armen Fans!"

1860-Niederlage gegen Fortuna: Bilder & Noten

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Unverständnis ruft auch von Ahlens Aussage gegenüber Sport1 hervor: "Wir sind immer noch früh in der Saison." Franz Beckenbauer würde einen solchen Satz vermutlich mit den Worten "Ja, gut, sicherlich..." kommentieren. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus: Nur vier Partien bleiben den Löwen in der Hinrunde noch, das Punktekonto etwas aufzuplustern, 13 von insgesamt 34 Spieltagen sind absolviert, also mehr als ein Drittel der kompletten Saison. Und bislang gelang es den Blauen noch nicht, zwei Siege in Folge zu landen. Von Beständigkeit keine Spur.

Gerhard Poschner will von Schönfärberei allerdings nichts wissen. Der Sport-Geschäftsführer sagt: "Wir reden gar nichts schön, wir sind uns der Tabellensituation bewusst. Uns ist bewusst, dass nicht alles gut ist. Wir haben sechs Punkte zu wenig.” Mit sechs Zählern mehr wären die Löwen allerdings auch nur Tabellenneunter. Poschner führt ein Gegenbeispiel an: "Schaut mal auf welchem Platz Ingolstadt letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt stand – auf Platz 18. Und was sind sie jetzt? Erster! Die haben fast die selbe Mannschaft wie heuer auf dem Platz." Kann man also davon ausgehen, dass 1860 in einem Jahr auch an der Tabellenspitze steht? Zweifel bleiben, ebenso an der Umsetzbarkeit von Poschners aktueller Forderung. Bis zum Ende der Hinrunde sollten "20 Punkte schon das Ziel sein".

Bleibt aus Löwen-Sicht nur zu hoffen, dass die Ausreden und Ausflüchte ein schnelles Ende nehmen und der Ernst der Lage erkannt wird. Kapitän Schindler hat immerhin prophezeit: "Das wird für uns eine sehr schwierige Saison." Für diese Aussage wären auch keine drei Euro für das Phrasenschwein fällig...

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