Sport-Geschäftsführer hat 2. Bundesliga unterschätzt

Poschner: "Ich trete mir selbst in den Arsch ..."

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Darf er bleiben? Gerhard Poschner.

München - Wie geht es mit Gerhard Poschner weiter? Gegenüber der tz zeigt sich der Sport-Geschäftsführer selbstkritisch. Er gibt zu, die 2. Bundesliga unterschätzt zu haben.

Am Mittwoch Abend tagte der Verwaltungsrat des TSV 1860 e. V. Das Gremium unter dem Vorsitz von Siegfried Schneider wollte eine gemeinsame Linie finden, wie im ungeklärten Fall ­Poschner weiter vorgegangen werden soll. Hart bleiben und den Sport-Geschäftsführer mit Hilfe der 50+1-Regel an Geldgeber Hasan Ismaik vorbei entlassen? Oder doch noch einmal einlenken und Poschner eine zweite (oder dritte?) Chance gewähren, aus seinen Fehlern zu lernen. Ob sich die Räte von Poschners „Mea Culpa“-Kurs beeindrucken ließen (Informationen hierzu gibt es am Donnerstag hier auf tz.de)?

Gegenüber der tz hatte der Sportchef nicht nur eingeräumt, bei den Trainern Ricardo Moniz und Markus von Ahlen falsch gelegen zu haben, er ging noch weiter: „Ich trete mir selbst in den Arsch für die Fehler die ich gemacht habe. Ich sage mir oft: Mensch Poschner, was hattest du da für Flausen im Kopf, die Zweite Liga spielerisch erobern zu wollen… Ja, ich habe diese Liga in Sachen Härte und Physis unterschätzt, das gebe ich offen zu. Aber diese Fehler mache ich kein zweites Mal. Der Plan ist, für jeden Mannschaftsteil ein bis zwei echte Verstärkungen zu holen, robuste Spieler, die auch am Ball was können. Wir sind da bei einigen Kandidaten schon sehr weit. Aber es ist nicht leicht. Und natürlich konzentrieren wir uns überwiegend auf den deutschen Markt.“

Poschner stellt klar: Kein schlechtes Verhältnis zu Fröhling

Ganz im Sinne von Trainer Torsten Fröhling, dessen am 30. Juni auslaufenden Vertrag Poschner gerne verlängert sähe. „Es sind einige Unwahrheiten im Umlauf, die ich richtigstellen will“, sagte Poschner zur tz. Erstens: Ich habe kein schlechtes Verhältnis zu Torsten Fröhling und zur Mannschaft!“ Zweitens: Ich habe nie Einfluss auf die Aufstellung oder taktische Ausrichtung genommen, jeder Trainer hatte bei mir freie Hand. Und drittens: Es ist völliger Schwachsinn zu behaupten, dass ich meine schützende Hand über die spanischen Spieler halten würde. Intern ist das Gegenteil der Fall! Es gibt keine Spieler im Kader, die mehr Feuer von mir bekommen haben, als Ilie Sanchez und Rodri. Edu Bedía war lange verletzt, den konnte ich schwer kritisieren.“

Auch die unter Fröhling ausgebliebene spielerische Entwicklung betrachtet Poschner mit Nachsicht. Es sei „schwer bis unmöglich, im Überlebenskampf mit einer jungen Mannschaft spielerische Glanzpunkte“ zu setzen. Doch die Mannschaft habe sich unter Torsten Fröhling „definitiv in der Mentalität weiterentwickelt, wie die späten Siege gegen Bochum oder in Frankfurt zeigen. Auch der Punkteschnitt war unter Torsten deutlich besser als unter seinen Vorgängern“.

Poschners Saisonziel: „Dass wir eine fußballerische Identität anstreben, ist doch klar. Das Ziel in der neuen Saison ist ein gesicherter Mittelfeldplatz gepaart mit einem Fußball, der kämpferisch und leidenschaftlich ist, aber auch spielerische Weiterentwicklung erkennen lässt.“ Ob er dies selbst noch mit beeinflussen kann? Die nächsten Tage werden’s zeigen.

Poschners Hoffnung: „Es gibt eine emotionale Ebene und eine professionelle. Ich bin auch manchmal schlecht drauf, wie jeder Mensch. Was mir bei 1860 immer wieder Kraft gibt, sind die ganzen Mitarbeiter, die an unser Projekt hier bei Sechzig glauben und hart dafür arbeiten, dass der Löwe in die Erfolgsspur findet. Und unsere Fans mit ihrer unglaublichen Unterstützung.“

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