Dabei ist doch eigentlich Kohle da

Warum wird Poschner der Geldhahn zugedreht?

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Gerhard Poschner darf seinen Job derzeit nicht so ausüben, wie er gerne wollte.

München - Der TSV 1860 hat durch Spielerverkäufe ordentlich Geld eingenommen. Doch Sportchef Gerhard Poschner darf das Geld nicht reinvestieren - das ist Ansage des Interims-Präsidium - und angeblich auch Investor Ismaik.

Taucht Gerhard Poschner am Fußballplatz in Bad Häring auf, wo die Löwen derzeit ihr Trainingslager abhalten, wird er sofort von Fans bestürmt: „Poschi, wos is? Kriagn ma jetzt endlich neie Spieler?“ Mittlerweile scheint dieses Unterfangen aber schwieriger denn je geworden zu sein. Denn der Sportchef verriet der tz am Mittwochnachmittag Folgendes: „Mir wurde vom Präsidium jetzt mitgeteilt, dass ich die getätigten Transfererlöse nicht in neue Spieler reinvestieren darf.“ Dabei handelt es sich immerhin um gut drei Millionen Euro, die der TSV 1860 in den vergangenen Wochen und Tagen an Ablösen für Julian Weigl, Bobby Wood und Martin Angha eingenommen hat. Warum und wieso es diese Anordnung gibt, darüber wurde Poschner im Unklaren gelassen. Poschner im Millionen-Dillemma.

„Somit ist natürlich nur ein gewisses Budget da, über das ich verfügen kann“, sagte der 45-Jährige, „und das ergibt sich aus den weggefallenen Gehältern jener Spieler, die uns verlassen haben.“ Große Sprünge seien damit nicht möglich. So antwortete Poschner auf die Frage, ob unter diesen Voraussetzungen ein schon vor einigen Wochen ins Auge gefasster Transfer des Karlsruher Torjägers Rouven Hennings umzusetzen sei: „Der ist so, wie sich die Situation jetzt darstellt, nicht zu machen.“

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Verwunderlich ist das Abdrehen des mit den Transfergeldern gespeisten Geldhahns schon. Als vor zwei Wochen Übergangspräsident Sigi Schneider das Team im Kurztrainingslager in Bodenmais besuchte, hatte er auf einer Pressekonferenz festgestellt, das bis zum gestrigen Donnerstag „ein Großteil der Transfers perfekt“ sein solle. Manch einer verstand das auch als Ultimatum an Poschner, der, so Schneider, „eine Liste mit tollen Namen“ vorgelegt habe.

Wie aber soll das unter den gegebenen Umständen überhaupt noch klappen? Beim TSV 1860 ist, wie so oft, vieles im Unklaren. Dazu passt auch die Reise von Vizepräsident Karl-Christian Bay, Geschäftsführer Markus Rejek und Aufsichtsrat Noor Basha nach Abu Dhabi, wo sie sich von Montag bis Mittwoch bei Investor Hasan Ismaik zu Gesprächen aufhielten. Worum es im Einzelnen gegangen sein soll, ist mit Vorsicht zu genießen. Angeblich sei ein erneutes Angebot über den vom TSV 1860 gewünschten Verkauf von Ismaiks Anteilen kein Thema gewesen. 

Das kann man glauben oder auch nicht. Gespräche über das Budget seien ein Thema gewesen, dabei hat wohl Ismaik selbst darauf bestanden, dass die drei Millionen Euro zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgegeben werden. Jetzt wird erwartet, dass auf der Mitgliederversammlung am Sonntag Klarheit geschaffen wird. Präsident Schneider wollte am Donnerstag Abend beim Besuch des Testspiels noch nichts verraten. Er ließ allerdings durchblicken, dass man sehr interessante Fakten verkünden wird. Möglicherweise wird die Trennung von Gerhard Poschner bekannt gegeben - wenn dies nicht sogar schon am Freitag der Fall ist!

Auf der Versammlung wird übrigens auch noch der eigentlich zurückgetretene Vizepräsident Heinz Schmidt seines Amtes walten und u. a. den Kassenbericht verlesen. Schmidt ist nämlich nach wie vor im Amt, weil sein beabsichtigter Rücktritt zusammen mit Gerhard Mayrhofer und Vize Erik Altmann aufgrund des Vereinsrechts gar nicht möglich war. Erst am Sonntag kann er sich abwählen lassen. Es sei ihm zu gönnen, dass es klappt… 

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