Aufstellung, Taktik, Stimmung

Fröhling vs. Möhlmann: Was hat sich bei 1860 geändert?

+
Benno Möhlmann (r.) und Torsten Fröhling trafen sich am 8. Mai 2015 als Gegner beim Spiel FSV Frankfurt gegen 1860. Fünf Monate später beerbte Möhlmann Fröhling bei den Löwen.

München - Zehn Spiele lang war Torsten Fröhling Trainer des TSV 1860, dann übernahm Benno Möhlmann. Was hat sich seither verändert? Wir vergleichen Aufstellung, Leistung und Stimmung.

Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig - so in etwa könnte man den Punktgewinn des TSV 1860 durch das 1:1-Remis am vergangenen Wochenende gegen den VfL Bochum einordnen. Die Löwen bleiben auf Rang 17, die Abstände auf Paderborn und den Relegationsrang 16 sowie auf Schlusslicht Duisburg bleiben bei jeweils drei Zählern.

Wir erinnern uns: Nach zehn Spieltagen reagierten die Löwen und ersetzten Trainer Torsten Fröhling durch Benno Möhlmann. Was hat sich seither verändert?

1860 München: Die Bilanz der Trainer in der Liga

Spiele

S

U

N

Tore

Pkt

Ø Tore

Ø Pkt

Torsten Fröhling

10

0

6

4

7:13

6

0,70

0,60

Kurt Kowarz*

1

0

0

1

0:1

0

0

0

Benno Möhlmann

11

2

3

6

9:17

9

0,81

0,82

gesamt

22

2

9

11

16:31

15

0,72

0,68

* Kowarz vertrat Möhlmann krankheitsbedingt einmal als Trainer.

Nach zehn Liga-Spielen musste Torsten Fröhling, der den TSV 1860 im Juni noch in der Relegation zum Klassenerhalt geführt hatte, seinen Hut nehmen. Seine Bilanz bis dahin in der 2. Liga: Kein Sieg, nur sechs Punkte aus zehn Spielen. Das macht einen Punkteschnitt von gerade einmal 0,6 - deutlich zu wenig, so dass die Löwen-Bosse die Reißleine zogen.

Benno Möhlmann übernahm am 6. Oktober das Zepter an der Grünwalder Straße. Doch so viel besser läuft es (zumindest laut den Zahlen) auch nicht. Von elf Partien konnte Sechzig nur zwei gewinnen, holte dabei neun Punkte. Der Punkteschnitt beläuft sich auf 0,82 - immerhin eine Steigerung um 0,22 Zähler pro Spiel. Rechnet man das auf die verbleibenden 13 Spiele hoch, so hätte 1860 am Saisonende 26 Punkte auf dem Konto - und die reichten noch nie für den Klassenerhalt.

Auch die Torgefahr der Löwen wurde nicht wesentlich größer. Die eklatante Abschlussschwäche vor dem Kasten ist weiterhin das große Manko bei den Blauen.

1860 München: Aufstellung und Taktik

Torsten Fröhling hatte trotz der geschafften Relegation ein Problem mit Blick auf die neue Saison. Großartig verstärken konnte sich 1860 nicht - wir erinnern uns an die Transferposse um Ex-Sportchef Gerhard Poschner. Die Suche nach neuen Spielern wurde so zur Hängepartie. Mit Milos Degenek, Rodnei und Romuald Lacazette konnten nur drei Neuzugänge die Vorbereitung mit der Mannschaft absolvieren. Michael Liendl und Stefan Mugosa stießen erst am 5. Spieltag zum Kader. Eine schlagkräftige, verstärkte Truppe aufzubauen, war so quasi nicht möglich.

Vitus Eicher behielt unter Torsten Fröhling seinen Posten als Stammtorwart. Taktisch setzte der Löwen-Retter zumeist auf ein 4-2-3-1-System. Das Experiment mit einem 4-4-2 mit Doppelsechs endete nach drei Partien (gegen Freiburg, Nürnberg und Union) wieder. Bei seinem letzten Spiel als 1860-Trainer versuchte es Fröhling mit einer offensiven 4-3-3-Ausrichtung, doch auch das half nichts mehr. Nach dem 1:1 in Bielefeld musste er gehen.

Benno Möhlmann stellte den TSV 1860 daraufhin nur geringfügig um. Statt eines 4-2-3-1 setzte er auf ein etwas offensiveres 4-1-4-1, also auf nur einen Sechser und eine Verstärkung des offensiveren Mittelfelds. Das kam vor allem Neuzugang Michael Liendl zugute, der zuvor unter Fröhling kaum Beachtung gefunden hatte.

Zum Start ins neue Kalenderjahr beorderte Benno Möhlmann die bisherige Nummer zwei Stefan Ortega zwischen die Pfosten, Vitus Eicher musste auf die Bank. Zudem wurde der Kader gehörig umgebaut: Mit Fejsal Mulic, Stephane Mvibudulu, Korbinian Vollmann und Emanuel Taffertshofer mussten einige Talente 1860 verlassen. Dafür kamen Jan Mauersberger, Goran Sukalo, Maximilian Beister, Levent Aycicek und Sascha Mölders Erfahrung hinzu. Im Zuge dessen stellte Möhlmann auf ein 4-1-3-2 um, also mit zwei Stürmern - gegen Bochum kehrte er aber wieder zum defensiveren 4-2-3-1 zurück. 

1860 München: Die Leistung

Die Leistungen auf dem Rasen spiegelten meistens den Tabellenstand wider. Doch einige Partien zeigten, dass die Löwen doch eigentlich ansehnlichen und zielstrebigen Fußball spielen können. Unter der Regie von Torsten Fröhling zeigte 1860 im Pokal gegen Hoffenheim (2:0) eine bärenstarke Leistung. Beim 2:2-Remis in Nürnberg waren die Blauen das bessere Team, hätten gewinnen können und hatten Pech, dass der mögliche Treffer zum 2:0 nicht gegeben wurde. Richtig desaströs zeigte sich Sechzig nur beim 0:3 in Düsseldorf. Die restlichen Partien? Viel Aufwand, wenig Ertrag, wenig Zielstrebigkeit, viel Gewurschtl.

Und unter Benno Möhlmann? Nach holprigen Start zeigte 1860 ab der zweiten Hälfte im Pokal in Mainz ansprechende Leistungen. Gegen Duisburg (1:0) war Glück dabei, aber die Partien gegen Braunschweig (0:0), St. Pauli (2:0) und in Paderborn (4:4) ließen von einer Aufholjagd träumen. Was dann folgte, war mehr als ein Rückschritt. Gegen Frankfurt, Heidenheim und Bochum (im Pokal) setzte es drei Heimpleiten in Folge, teilweise in indiskutabler Art und Weise.

Wirklich verbessert hat sich der TSV 1860 seither kaum. Das Können blitzte vor allem im Spiel gegen den Club zum Auftakt 2016 auf, auch Dank der Neuzugänge. Doch um aus dem Keller zu kommen, müssen Punkte geholt werden. Lieber dreckig gewinnen, als in Schönheit sterben!

1860 München: Die Stimmung

Die Euphorie nach der Rettung in der Relegation hätte der Hebel für eine bessere Saison werden können. Doch durch das Führungschaos mit dem Mayrhofer-Rücktritt, der Poschner-Posse und der fehlenden Planungssicherheit wurde die positive Stimmung zunichte gemacht. Durch den Liga-Fehlstart wurde das auch nicht besser. Der 2:0-Sieg im DFB-Pokal über 1899 Hoffenheim und die Topleistung beim 2:2 in Nürnberg ließen kurzzeitig Hoffnung aufkommen. Interessant: Torsten Fröhling war bei den wenigsten Fans umstritten. Zu groß waren seine Verdienste um die Löwen-Jugend und den Klassenerhalt. Als er gehen musste, dankten ihm die Fans mit einem Spruchband.

Die Premiere von Benno Möhlmann ging noch verloren, doch dann startete er mit den Löwen eine kleine Serie. Vier Spiele in Folge verlor Sechzig nicht, holte dabei acht Punkte (7:4) - die Krise schien beendet, die Stimmung stieg. Doch dann folgten desaströse Auftritte mit drei Pleiten in Folge vor der Winterpause. 

Die Neuzugänge und Ergebnisse im Trainingslager ließen Euphorie aufkommen - doch nach einem Punkt aus drei Spielen (1:5 Tore) ist diese schon wieder verflogen. Und als wäre die sportliche Talfahrt nicht Miesmacher genug, kamen noch die Querelen um die Äußerungen von Investor Hasan Ismaik hinzu.

Noch gibt es kaum kritische Stimmen gegen Benno Möhlmann. Das liegt aber wohl auch daran, dass man bei 1860 die dauernden Trainer-Wechsel leid ist. Doch es sollten bald Siege folgen, sonst kommen die Mechanismen des Geschäfts unweigerlich ins rollen.

Florian Weiß

auch interessant

Meistgelesen

Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“
Taktikexperte erklärt: Darum ist das Pereira-System gut für 1860
Taktikexperte erklärt: Darum ist das Pereira-System gut für 1860
Auf diesen Positionen müssen die Löwen nachbessern
Auf diesen Positionen müssen die Löwen nachbessern

Kommentare