Cassalette als Streitschlichter

Bay warnt: "... dann droht Insolvenzgefahr"

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Karl-Christian Bay warnt vor einer Insolvenz der Löwen.

München - Der TSV 1860 hat momentan viele Nöte. Vor allem finanziell sieht es nach dem möglichen Rückzug von Hasan Ismaik schlecht aus. Deshalb luden die e.V.-Bosse zum Gespräch.

Sportlich regiert bei 14 Punkten aus 19 Spielen das Prinzip Hoffnung, auch klub-politisch könnte für die Fußballfirma des TSV 1860 bald das letzte Stündlein geschlagen haben. Nachdem der gen England (FC Everton?) strebende Geldgeber Hasan Ismaik vor Wochenfrist angekündigt hatte, weder die Eigenkapitalbasis durch Umwandlung alter Darlehen in Genussscheine zu verbessern, noch neue Darlehen für die anstehende Lizenzierung zu gewähren, sahen sich die Klubverantwortlichen am Montag zu einer öffentlichen Erklärung veranlasst.

Im frisch renovierten Donisl am Münchner Marienplatz baten Präsident Peter Cassalette und Verwaltungsratschef Karl-Christian Bay zu einer Art Pressekonferenz. Thema: Wie soll es weitergehen beim TSV 1860? Wird es auf Profiebene überhaupt weitergehen?

Löwen wissen nicht, was Ismaik vor hat

Erschöpfende Antworten waren in dem gut einstündigen Gespräch nicht zu bekommen. Die e.V.-Bosse wissen ja selbst nicht, was Ismaik konkret vorhat. Verkauft er seine Anteile? Lässt er es auf eine Insolvenz samt Lizenzentzug ankommen? Oder – unwahrscheinlichster Fall – investiert er noch mal kräftig, um den Laden vielleicht doch noch irgendwann hinzubekommen?

Man müsse mit der Situation „professionell umgehen“, sagte Bay, im Hauptberuf Wirtschaftsprüfer. „Wir betrachten die aktuelle Entwicklung mit großer und ernsthafter Sorge.“ Niemand sei allerdings an einer „Eskalation des Verhältnisses zu Hasan Ismaik interessiert“. Entsprechend wichtig war es Bay und Cassalette, ihre Aussagen nicht als Druckaufbau verstanden zu wissen. Denn wenn Ismaik in einer Sache berechenbar ist, dann in seiner extremen Empfindlichkeit gegenüber öffentlichem Druck.

Bay: "Hoffe auf Verhandlungswege"

Behutsam, aber bestimmt also wollen die Löwen Planungssicherheit von ihrem Finanzier erhalten. Noch am Montag sollte eine erneute Kontaktaufnahme erfolgen, nachdem die jüngsten Versuche am 23. (Cassalette) und 24. Dezember (Bay) nichts Konkretes gebracht hatten. „Ich hoffe, dass wir ihn dazu bewegen können, auch diese Situation auf dem Verhandlungswege zu lösen“, sagte Bay. An eine Umwandlung der Darlehen (3,5 Millionen Euro) bis zum 31. Dezember glaubt der Verwaltungsratschef nicht mehr ernsthaft („das ist maximal unwahrscheinlich“), die zu erwartende DFL-Strafe in Höhe von rund 750.000 Euro könne mit den Einnahmen aus dem DFB-Pokal bezahlt werden. Sollten jedoch frische Darlehen für die Finanzierung der kommenden Saison (Stichtag 15. März 2016) ausbleiben, wäre die Insolvenz die wahrscheinlichste Folge. Bay: „Wenn Ismaik die Saison 2016/17 nicht finanziert und wir keine alternative Finanzierungsmöglichkeit finden würden, dann wäre 1860 gefährdet. Wir bräuchten einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.“ Andernfalls entstehe „Insolvenzgefahr“.

Die aktuell beste Lösung wäre selbstredend ein Verkauf. „Wir würden uns nicht sperren“, sagte Bay, es stelle sich nur die Frage, „wie realistisch“ ein Kaufpreis von knapp 40 Millionen Euro sei...

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