Ismaik will Kredite nicht mehr umwandeln

Was sind die für 1860 so wichtigen Genussscheine?

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Hasan Ismaik will seine Kredite für 1860 nicht mehr in Genussscheine umwandeln. Das kann für die Löwen empfindliche Strafen bedeuten.

München - Investor Hasan Ismaik will seine Kredite für den TSV 1860 nicht mehr in Genussscheine umwandeln. Aber warum ist das so wichtig? Und was sind diese eigentlich?

„Ich bin nicht mehr dazu bereit, neue Kredite zu geben, noch alte Kredite in Genussscheine umzuwandeln, solange die Art und Weise, wie der Verein verwaltet wird, sich nicht ändert.“ Zitat Hasan Ismaik, Investor des TSV 1860 München, vor einigen Tagen. Immer wieder war zu lesen, dass die Löwen Kredite des Jordaniers vor Jahresende in Genussscheine umwandelten und das auch in diesem Winter wieder vorhatten. Aber was sind diese Genussscheine eigentlich? Und warum sind sie für Sechzig so wichtig?

Um das zu verstehen, muss man sich den Unterschied zwischen Eigenkapital und Fremdkapital vor Augen führen. Eigenkapital ist der Teil des Vermögens, der nach Abzug der Schulden (=Fremdkapital) übrig bleibt. Kredite fallen unter Fremdkapital, da es Geld eines anderen Unternehmens bzw. einer anderen Person ist. Ismaiks Zahlungen an den TSV 1860 sind Kredite und würden auf der Fremdkapital-Seite der GmbH-Bilanz auftauchen. Im Volksmund sind es schlichtweg neue Schulden.

Und genau darin liegt das Problem: Die Löwen haben von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Auflage, ihre Verschuldung jährlich um fünf Prozent zu senken. Und neue Kredite verletzen diese Auflage, was für den TSV 1860 eine empfindliche Geldstrafe nach sich ziehen würde. Die Umwandlung der Kredite in die sogenannten Genussscheine umgeht diesen Verstoß, denn buchhalterisch gelten diese als Eigenkapital - also nicht als neue Schulden.

Das mag komisch klingen, ist aber ein gängiger und vor allem legaler Trick. Grund für die seltsam anmutende Einordnung der Genussscheine als Eigenkapital ist vor allem die nachrangige Ausgestaltung der Genussscheine: Bei einer Insolvenz werden diese erst nach den Forderungen der anderen Gläubiger bedient.

Genussschein vergleichbar mit stiller Beteiligung - keine Aktie

Um Genussscheine ausstellen zu können, muss zuvor ein Genussrecht erworben werden. Dieses Recht ist am ehesten mit einer stillen Beteiligung bei einem Unternehmen zu vergleichen. Verbrieft wird ein Genussrecht durch den Genussschein. Sie können sowohl einer Aktie, als auch einer Anleihe ähneln. Der Inhaber dieser Scheine (in diesem Falle 1860-Investor Ismaik) ist am Gewinn des Unternehmens beteiligt, hat aber nicht dieselben Eigentümerrechte wie Aktionäre. Insbesondere hat er kein Stimmrecht und nicht das Recht zur Teilnahme an der Hauptversammlung.

Während Aktien normalerweise auf unbestimmte Zeit ausgegeben werden, weisen Genussscheine meist keine feste Laufzeit aus und werden dann zum Nennbetrag eingelöst. Der Anleger erhält aber bei einem Genussschein meist eine höhere Rendite als bei einer Anleihe und hat eine größere Sicherheit als bei einer Vorzugsaktie.

Auch bei der Übertragbarkeit gibt es Unterschiede. Diese erfolgt nur mit Genehmigung der ausgegebenen Gesellschaft. Unternehmen setzen zur Kapitalbeschaffung Genussscheine vor allem auch deshalb ein, um nicht die Stimm- und Mehrheitsverhältnisse am Grundkapital ändern zu müssen.

fw/dpa

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