Ismaik, Struktur und Stadion

1860: Was steckt hinter der Mey-Offensive?

Gerhard Mey (vorne, im weißen Hemd) beim Regionalligaspiel zwischen 1860 München und Burghausen.
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Gerhard Mey (vorne, im weißen Hemd) beim Regionalligaspiel zwischen 1860 München und Burghausen.

Der Milliardär Gerhard Mey ist offenbar wild entschlossen, den TSV 1860 München wieder nach oben zu bringen – Fragen und Antworten.

München - Vor einem Monat outete sich Gerhard Mey (61) als potenzieller neuer Löwen-Investor, nun legte der Münchner Unternehmer und Milliardär (Autozulieferer „Webasto“) in einem Interview mit der SZ nach. „Mein Entschluss steht fest: Ich mach’ das jetzt auf jeden Fall!“, sagte Mey und kündigte an, in Kürze „ein richtiges Männergespräch“ mit Mehrheitseigentümer Hasan Ismaik führen zu wollen. Für Schlagzeilen sorgte Meys klare Ansage, ein neues Stadion für 1860 bauen zu wollen. Er spricht von drei Zahnrädern, die ineinander greifen müssen. Diese seien Ismaik, die Vereinsmitglieder und die handelnden Personen im Klub. „Wenn diese drei Zahnräder in Schwung geraten, dann gibt es in der Stadt München auch garantiert kein Problem, ein zweites, modernes Stadion zu bauen und dauerhaft zu unterhalten.“ Die tz beanwortet die wichtigsten Fragen zum geplanten Einstieg.

Wie weit sind Meys Pläne gediehen?

Derzeit lässt Mey von seinem „Team“ strukturelle Reformvorschläge für einen Einstieg erarbeiten. Im September will er „mit allen Beteiligten“ reden, um zu erfahren, „wie sie sich die Zukunft von 1860 vorstellen“. Sollte sein Konzept keinen Anklang finden und der Wille eher in Richtung „weiterwurschteln wie bisher“ gehen, „dann gibt es halt kein Geld“.

Was stört Mey an den aktuellen Strukturen?

Es müsse ausgeschlossen werden, „dass irgendwer Entscheidungen trifft, die nur ihm selbst helfen“, sagt er. „Was nicht geht, ist, dass man als Investor keine Einspruchsmöglichkeiten hat bei wesentlichen Punkten. Dass Spieler gekauft werden, die gar nicht verlangt sind. Alle Abläufe müssen transparent sein.“ Ins Detail will Mey noch nicht gehen. „Das würde bedeuten, in ein Hornissennest zu stechen.“ Aktuell sei die Gemengelage „nicht sehr investorenfreundlich“.

Wie will er Ismaik zum Verkauf bewegen?

Man könne vom Jordanier keine Geschenke erwarten, sagt der Unternehmer. Es müsse bei einer eventuellen Übernahme von dessen Anteilen eine Win-win-Situation erarbeitet werden. Beispielsweise in Form von sogenannten „Besserungsscheinen“, die bei Firmenübernahmen durchaus üblich seien. Hierbei erhält der Verkäufer von Anteilen Geld, sobald speziell formulierte Meilensteine (beispielsweise ein Aufstieg in die 3., 2. oder 1. Liga) erreicht werden. Eine „Hinhaltetaktik“ empfiehlt Mey Investor Ismaik im Hinblick auf das Wohl des Vereins nicht. „Die Regionalliga ist nur durch das Nadelöhr Relegation zu verlassen“, sagt er. „Im Winter brauchen wir dringend weitere Spieler, um auf Nummer sicher zu gehen.“

Wie steht es um Meys Fußballkompetenz?

Er ist in erster Linie Fan. „Ich behaupte von mir nicht, dass ich der große Fußballexperte bin, der Bescheid weiß und in der Szene jeden kennt. Ich behaupte aber, dass ich dazu in der Lage bin, geeignete Leute an die richtigen Stellen zu setzen.“

Wie stellt sich Mey die ­Stadionzukunft der Löwen vor?

Das Olympiastadion hält er aufgrund des Veränderungsverbots für ungeeignet. „Ich habe zwei motivierte Investoren an der Seite, die mit den Füßen scharren und sagen: Wenn du das so hinbekommst, wie du dir alles vorstellst, und wenn du persönlich vorne dran stehst bei dem Projekt 1860, dann ist es für uns hochgradig spannend, ein Stadion zu bauen.“ Über die Größe sollen Experten entscheiden. „Aber ich persönlich bin schon der Meinung, dass 40 000 Zuschauer langfristig realistisch sind. Der Stadionbau überwölbt alles und ist für den funktionierenden Business-Case 1860 unvermeidbar.“

Was sind die sportlichen Ziele und Visionen?

In der Regionalliga brauche man „viel Fantasie, um überhaupt über Ziele zu reden“, sagt Mey. „Ich halte es aber nicht für ausgeschlossen, dass wir die Meisterschaft von 1966 wiederholen können.“ Mittelfristig könne er sich das mittlere Drittel der Bundesliga vorstellen. „Vielleicht geht es sogar hoch ins erste Drittel.“ München vertrage zwei hochklassige Klubs und zwei moderne Stadien. „Und wenn wir erst ein bisschen Geld verdient haben, können wir auch das Spielerpotenzial erhöhen. Der Himmel ist das Limit für 1860.“

Was sagen die Löwen?

Weder Geschäftsführer Markus Fauser noch Präsident Robert Reisinger äußerten sich gestern zu Meys Offensive. Trainer Daniel Bierofka sagte bei der Pressekonferenz zum Samstagsspiel: „Herr Mey ist aus der Region, kennt sich in München aus, ist sehr gut vernetzt. Natürlich würde ich mich da freuen, wenn er sich entschließen würde, uns zu unterstützen.“ 

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