Aushilfstrainer Kowarz erinnert sich an Vorsaison

Wenn den Löwen "der Arsch auf Grundeis" geht

Ovationen für die Pokalhelden: Die Spieler des TSV 1860 feiern nach ihrem 2:1-Sieg in Mainz vor den mitgereisten Fans. Foto: dpa

München - 1860-Aushilfstrainer Kurt Kowarz setzt große Hoffnungen in den wiederentdeckten Teamgeist im Spiel gegen Mainz. Der zurückkehrende Trainer Benno Möhlmann soll den Effekt verstärken.

Die Pokal-Überraschung hatte Kurt Kowarz, dem Aushilfs-Cheftrainer, sogar ein Rendezvous mit seiner Kindheit beschert. Denn Fredi Heiß, den Meisterlöwen, kannte der 57-Jährige bislang nur von den Panini-Bildchen, die er in den 60er-Jahren, also vor einem halben Jahrhundert, gesammelt hatte. Gestern aber, kurz nach der Rückkehr der Sechziger aus Mainz, meldete sich auf dem 1860-Trainingsgelände der leibhaftige Ex-Rechtsaußen Fredi erstmals persönlich bei Kowarz und beglückwünschte ihn zur vollbrachten Großtat, dem 2:1-Sieg beim FSV Mainz 05. „Er hat uns gelobt“, erzählte der Coach.

Nun, es waren ungewohnt freundliche, entspannte Töne, die gestern im Löwen-Lager vorherrschten. Zweieinhalb Monate hatte es gedauert, bis die Münchner, Vorletzter der 2. Liga, wieder ein Spiel gewannen. Im Pokal zwar, aber dafür gegen den Bundesligisten Mainz. Das brachte nicht nur 527 000 Euro an Prämien ein und bescherte die Aussicht auf ein schönes Achtelfinallos. Vielmehr weckte der so lang ersehnte Sieg die Hoffnung, dass es nun auch im Ligaalltag bergauf gehen könnte. Kowarz meinte: „Das bringt den Glauben an sich selbst zurück, den Glauben an die innere Stärke und den Glauben daran, dass man gewinnen kann.“

Mugosa lässt die Muskeln spielen! Bilder und Noten aus Mainz

Seiner Erleichterung macht auch 1860-Kapitän Christopher Schindler Luft: „Das war ein wahnsinnig wichtiger Sieg für Löwen-Seele.“ Diese hatte bisher schwer gelitten unter der schwarzen Serie (zwölf Punktspiele ohne Sieg). Und auch die Partie in Mainz lieferte zunächst wenig Erbauliches. Schindler fabrizierte ein Eigentor (6.), Pokal-Torhüter Stefan Ortega erinnerte sich mit Grausen an die Anfangsphase: „Die ersten 20, 30 Minuten waren voll daneben.“ Doch nach der Roten Karte für Pierre Bengtsson (45.) kamen die Münchner besser ins Spiel. Stefan Mugosa erzielte sein erstes Tor (70.) in 1860- Diensten. „Das war ein perfektes Gefühl“, meinte er. Der eingewechselte Rubin Okotie (77.) lenkte eine Flanke des starken Daylon Claasen per Kopf gekonnt zum 2:1 ins Netz. Schon als er den Österreicher aufs Feld geschickt habe, so Kowarz, sei dessen Tatendrang zu erkennen gewesen: „Er hatte einen unbändigen Willen in den Augen.“ Auch weil Okotie offensichtlich zeigen wollte, dass er zu unrecht nicht für die Startelf nominiert worden war. „Rubin hat seine Enttäuschung in positive Energie umgewandelt“, sagte Kowarz.

Zwar sind die Löwen auch gegen zehn Mainzer noch ins Schwimmen gekommen, aber die Münchner wehrten sich mit gebündelten Kräften. „Es war der Wahnsinn, wie sich alle reingeworfen haben“, rühmte Ortega den Kampfgeist. Beim 0:1 am Freitag in Fürth war das noch anders gewesen. Das wiederentdeckte Teamwork sieht Kowarz denn auch als Erfolgsrezept: „Für mich war das die wichtigste Erkenntnis in Mainz: Wenn sich unsere Spieler als Mannschaft verkaufen, dann können sie Berge versetzen und Bäume ausreißen.“ Der Coach fühlte sich dabei auch an den Abstiegskampf der letzten Saison erinnert: „Als allen der Arsch auf Grundeis ging, haben alle an einem Strang gezogen.“

An diesem Strang wird nun auch Benno Möhlmann wieder anpacken. „Er ist heilfroh, dass sich der Knoten zumindest gelockert hat und die Spieler ein Erfolgserlebnis hatten“, fasste Kowarz das Telefongespräch zusammen, das er kurz nach Spielende mit Möhlmann geführt hatte. Gestern war der an der Gallenblase operierte Cheftrainer noch einmal beim Arzt, die Untersuchung ergab günstige Blutwerte. Möhlmann wird schon heute wieder das Training leiten. Stellvertreter Kowarz, fortan wieder Torwartcoach, meinte: „Endlich herrscht wieder positive Stimmung. Für Benno ist das ein super Einstieg.“

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