Berater berichten von Ortega-Versprechen

Was wird jetzt aus Kiraly?

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Es wirkt, als habe der Klub einen Vorwand gesucht, um den großen Kiraly kleiner und den von Absteiger Bielefeld geholten Ortega größer zu machen.

München - In Beraterkreisen hält sich das Gerücht, dass Torwart Ortega schon mit dem Versprechen nach München gelockt wurde, bald zur Nummer eins aufzusteigen. Was wird jetzt aus Gabor Kiraly?

Natürlich ist das kein Auftritt gewesen, der sich so einfach zu den Akten legen lässt. Ein mühsames 2:1 beim Drittligisten Kiel, mehr als eine Stunde lang einem Rückstand hinterhergelaufen, dazu die ganzen Defizite, die offen zu Tage traten: der Mangel an Souveränität, an Offensivpower, an Ideen. Stünde am Freitag nicht schon das nächste Spiel an, böte sich dieser glückliche Pokalerfolg für eine intensive Analyse an. Doch fürs Erste beließ es Ricardo Moniz, der anspruchsvolle 1860-Coach, bei einer Kurzkritik. Vor versammelter Presse sprach er aus, was ihn bei seinen Profis am meisten gestört hatte. „Sie waren nur erleichtert, aber nicht happy“, beschrieb er die Stimmung in der Kabine und fügte als wichtige Verhaltensanweisung hinzu: „Du musst happy sein, dass du so eine Runde überlebst!“ Prominente Klubs wie Augsburg, Mainz oder Nürnberg sind bei unterklassigen Gegnern gestolpert – die Löwen dagegen stehen in der zweiten Hauptrunde. Moniz findet: „Das ist ein Erfolg. Und jetzt hoffen wir auf eine gute Auslosung.“

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Zumindest der Trainer gab sich am Tag danach Mühe, ein wenig Optimismus zu verbreiten. Er freute sich über die neuen Optionen, auf die er beim Scouten im eigenen Kader gestoßen war. Marin Tomasov zum Beispiel bewarb sich für weitere Auftritte als Linksverteidiger und Flankengott („Er und Okotie haben das Spiel gewonnen“), Daylon Classen für die Rolle des mitreißenden Edeljokers. Auch der zur Nummer 1 im Tor beförderte Stefan Ortega und der verbesserte Leonardo erhielten ein kleines Extralob. Darüber hinaus verlieh der Holländer seiner Hoffnung Ausdruck, dass schon in Kürze ein, zwei externe Fachkräfte die insgesamt wenig furchteinflößende Offensive beleben könnten. „Wir brauchen Schnelligkeit und Spieler, die ins Eins-gegen-Eins gehen können“, sagte er an die Adresse von Chefeinkäufer Gerhard Poschner und schloss seinen Appell mit dem flehentlichen Wunsch: „Hoffentlich passiert diese Woche was, vielleicht schon heute oder morgen. Wir haben nicht mehr viel Zeit.“

Was wird aus Kiraly?

Bis zum 2. September, um genau zu sein. Dann schließt die Transferliste bis zum neuen Jahr. Denkbar ist allerdings, dass in diesen knapp zwei Wochen auch in die andere Richtung noch etwas passiert. Gabor Kiraly zum Beispiel bietet sich als Wechselkandidat an. Erst recht, wenn es sich bewahrheitet, dass Konkurrent Ortega auch am Freitag in Heidenheim den Vorzug erhält, wie Moniz andeutete. Offiziell ist es ja so, dass unter sämtliche Affären der vergangenen Woche ein Schlussstrich gezogen wurde – als vierter sogenannter „Partylöwe“ wurde gestern auch Julian Weigl begnadigt. Kiraly, der Mitspieler Kagelmacher an den Haaren gezogen hatte, galt dagegen als minder schwerer Disziplinarfall. Umso verwunderlicher ist es, dass der bis vor kurzem untadelige Ungar nun auf Dauer unter den Folgen dieses Vorfalls leiden soll.

Es wirkt, als habe der Klub einen Vorwand gesucht, um den großen Kiraly kleiner und den von Absteiger Bielefeld geholten Ortega größer zu machen. In Beraterkreisen hält sich das Gerücht, dass Ortega schon mit dem Versprechen nach München gelockt wurde, bald zur Nummer eins aufzusteigen. Dass die neue Führung nicht über jede Klausel in Kiraly altem Vertrag glücklich war, ist kein Geheimnis. Bekanntlich verlängert sich das Arbeitspapier des 38-Jährigen ab einer bestimmten Spielezahl. Moniz jedoch klingt nicht so, als fiele es ihm leicht, den zuverlässigen Kiraly zu opfern. „Ich will Gabor nicht verlieren“, sagte er gestern: „Ich schätze ihn sehr.“ Moniz scheint zu hoffen, dass sich dessen Flirt mit Magath-Klub Fulham als nicht sehr konkret erweist.

Ein anderer mutmaßlicher Wechselkandidat erklärte dagegen, noch mit keinem der mutmaßlichen Interessenten (FSV Frankfurt, Darmstadt) verhandelt zu haben. „Stand der Dinge ist, dass ich hier noch ein Jahr Vertrag habe“, sagte Yannick Stark, der in Kiel die letzten fünf Minuten mitspielen durfte. Er verneinte, dass die vergangenen Wochen, die für ihn unbefriedigend waren (Stammplatz verloren, Taxi-Affäre), einen Knacks in seinem Verhältnis zum TSV 1860 verursacht hätten. „Wir haben unsere Lehren daraus gezogen“, sagte er. „Damit ist das Thema jetzt auch abgehakt.“

Moniz sagte, dass er nicht nur Stark im Aufwind sieht („Er und die anderen geben viel zurück“). Und überhaupt schien der Trainer glücklich, diese „Eskalations-Woche“ schadlos überstanden zu haben. Fürs Erste hat er Ruhe gewonnen – allerdings nur bis Freitag. Beim starken Aufsteiger in Heidenheim dürfte ein Auftritt wie in Kiel kaum genügen, um das kritische Umfeld „happy“ zu stimmen.

Uli Kellner

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