Das war seine größte Enttäuschung

5840 Tage Löwen - Zeugwart Fendt berichtet

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Nach 5840 Tagen wird Zeugwart Wolfgang Fendt im Sommer seine Löwen verlassen.

München - Nach 5840 Tagen oder sechzehn Jahren ist Schluss. 1860-Zeugwart Wolfgang Fendt geht am 30. Juni, seinem 63. Geburtstag, in Rente. In der tz erzählt er von seiner Zeit bei den Löwen.

Siebzehn Trainer hat er in dieser Zeit erlebt, für die er ein eigenes Album angelegt hat, und unzählige Spieler. Klar, dass der Mann viel zu erzählen hat. In der tz tut er es.

Der schlampigste Spieler in sechzehn Jahren: Das sage ich nicht, weil der noch da ist. Aber der Zweitschlampigste war Mate Ghvinianidze. Er hat seine Sachen einfach immer auf den Boden geschmissen - das war immer ein totales Durcheinander. Und bei einem Auswärtsspiel in der 2. Liga hat er sogar mal vergessen, seine Schuhe mitzunehmen.

Lieblingsspieler: Da gab es mehrere. Davor Suker und Thomas Häßler waren dabei. Große Stars, aber Leute, die immer wussten, wie man sich benimmt. Stets freundlich und höflich. Martin Max und Bernhard Winkler gehörten auch dazu. Die haben einen auch jedes Mal gegrüßt, das tat auch nicht immer jeder. Von den jetzigen Spielern verstehe ich mich mit Kai Bülow besonders gut, der ja auch schon fast fünf Jahre da ist.

Ab damit in den Bus: Fendt vor einem Spiel der Löwen.

Werner Lorant: Ein vogelwilder Typ. Ich mochte ihn sehr. Das war ein Trainer mit einer richtigen Ausstrahlung. Als ich 1999 zu den Löwen kam, war ich sehr gespannt auf ihn. Zunächst war ich ja als Fahrer des Mannschaftsbusses angestellt, und als Lorant mich das erste Mal am Steuer sah, fragte er: „Hey, du Kieskutscher, kannst du den Bus überhaupt fahren?“ In der Kabine verkörperte er eine brutale Autorität. Werner sprach kaum was, blickte die Spieler nur an, und die waren mucksmäuschenstill. Ab und zu haute er einen Tisch oder Wasserkasten um. Den anderen Lorant lernte ich kennen, wenn wir zwei unter uns waren, da war er ganz anders.

Das schönste Spiel: Das 1:1 am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 in Kaiserslautern. Das Spiel selbst war jetzt nicht so schön, aber wir hatten die Qualifikation für die Champions League sichergestellt. Die Heimfahrt werde ich nie vergessen. An jeder Raststätte wurde gehalten, um Zigarren und diverse Getränke zu kaufen. Und bis nach München haben uns Löwen-Fans mit ihren Autos eskortiert. Vor uns, neben uns, hinter uns. An den Raststätten haben sie dann natürlich auch angehalten… Sehr schön war auch der 6:2-Sieg in der 2. Liga in Augsburg. Ich bin zwar Schwabe, aber den FCA mag ich nicht so besonders.

Das dramatischste Spiel: Das 0:1 gegen den FC Bayern im Pokal 2008, als wir in der letzten Minute der Verlängerung durch den Ribéry-Elfmeter verloren haben.

Wolfgang Fendt mit seiner Frau Christine, die ebenfalls für 1860 arbeitete.

Das schlimmste Spiel: Natürlich das 1:3 in Gladbach am letzten Spieltag der Saison 2003/2004. Damit war der Abstieg aus der Ersten Liga besiegelt. Während ich auf dem Platz geweint habe, haben die Spieler ihre Trikots getauscht. Etwas später in der Kabine kam dann Rodrigo Costa zu mir und wollte ein weiteres Trikot zum Tauschen. Ich war sauer und fragte, ob sie nichts anderes im Kopf hätten als ihre Trikots. Danach wollte Costa an mir vorbeigehen - es war sehr eng - und stieß aus Versehen meinen Kopf gegen die scharfe Kante eines Schranks. Ich war bewusstlos, wurde in ein Gladbacher Krankenhaus gebracht, wo ein Halswirbelanbruch festgestellt wurde. Trotzdem flog ich am nächsten Tag heim. Rodrigo war natürlich sehr bestürzt, hat sich danach x-mal bei mir entschuldigt und mich sogar auf die Ranch seiner Eltern nach Brasilien eingeladen.

Die bunte Mode der Fußballschuhe: Ich bin da sehr tolerant. Werner Lorant wäre natürlich ausgeflippt. Die verschiedenen Farben und Modelle dienen halt einfach als Verkaufsstrategie. Übrigens: Martin Max hat während seiner vier Jahre beim TSV 1860 immer in den gleichen Schuhen gespielt. Am Schluss mussten sie geklebt werden, damit sie nicht auseinanderfielen.

Der beste Spieler: Keine Frage: Icke Häßler. Mit Abstand. Er war einfach genial, und seine Freistöße auch. Wir verstanden uns sehr gut, und ich habe ihn damals, als sich seine Frau von ihm trennte (Angela Häßler hatte eine Liaison mit dem damaligen Manager Edgar Geenen, d. Red.), viel getröstet.

Größte Enttäuschung: Dass wir seit zehn Jahren nicht aus der 2. Liga rauskommen und ich zum Abschluss jetzt auch noch so um den Klassenerhalt zittern muss. Ich glaube, dass wir die ganzen zehn Jahre immer so getan haben, als wären wir noch ein Erstligist, und die 2. Liga nie richtig angenommen haben.

Fendt jubelt mit Torschütze Berkant Göktan auf besondere Art und Weise.

Sein Werdegang: Ich stamme aus Altenmünster in Schwaben, und wir waren fünfzehn Kinder zu Hause. Ich war der mittlere. Mit vierzehn hat mich mein Vater in eine Metzgerlehre geschickt, danach war ich zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Als Fahrlehrer-Feldwebel für Leopard-Panzer. Eine irre Zeit. Wir haben damals täglich 900 Liter Diesel und fünfzig Liter Öl verbraucht. Danach war ich Disponent in einem Busunternehmen, und über diese Firma und einen Bekannten der beiden Wildmosers kam der Kontakt zu 1860 zustande. Mein Vorgänger als Busfahrer, der Harti, hat nämlich während einer Fahrt im Mannschaftsbus gekündigt. Er war mit den Löwen in Südtirol, es ging ziemlich steil bergauf, und als der Bus oben war, konnte er nicht umdrehen. Also ist der Harti den ganzen Weg zurück im Rückwärtsgang gefahren, und das hat ihn wohl so genervt, dass er gleichzeitig bekanntgegeben hat, dass er nicht mehr mag. Ein paar Jahre später bin ich Zeugwart geworden, und meine Frau Christine hat im neugebauten Jugendzentrum gearbeitet. Für die jungen Spieler gekocht und sonstige Sachen erledigt, die so anfielen.

Seine Zukunft: Ich wohne ja schon länger wieder zu Hause in Altenmünster und werde mich vor allem um meine drei Mädels kümmern, meine Enkelinnen. Zu den Spielen der Löwen werde ich natürlich nach wie vor fahren und ansonsten hin und wieder vielleicht auch noch meinem Nachfolger Sigi Geschwendtner unter die Arme greifen.

tz

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