Schindler hofft auf Wintertransfers

Sind die Löwen zu grün für die Rettung?

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„Wir bauen ihn wieder auf“: Sertan Yegenoglu (l.) bringt Frankfurts Fanol Perdedaj zu Fall, verursacht so den entscheidenden Elfmeter.

München – Die noch einmal zwangsverjüngten Löwen wecken nach der Pleite gegen Frankfurt zwiespältige Gefühle. 1860-Kapitän Christopher Schindler hofft auf Wintertransfers.

Es war eine dieser Niederlagen, für die selbst altgedienteste Sechziger keine Erklärung haben. Der Samstag nach der Heimpleite gegen den FSV Frankfurt (0:1): Sonne über dem Trainingsgelände, in Christls Stüberl eine zünftige Nikolausfeier der Alten Herren – und die jungen Zweitligalöwen? Frustriert, trübsinnig, ratlos. „Wir waren in der Tabelle endlich wieder dran und verlieren dann gegen einen Gegner, den du von der Papierform her schlagen musst“, klagte Christopher Schindler, 25, seit 1999 im Verein. Der mutlose Auftritt gibt dem Abwehrchef Rätsel auf, „weil ich das Gefühl gewonnen hatte, dass wir in den letzten Wochen eine positive Scheißegal-Einstellung entwickelt hatten“.

Davon ist beim Hinrunden-Finale nichts zu spüren gewesen – zumindest nicht in dem Sinn, den Schindler meinte. Die Löwen waren schon schlecht in die Partie gekommen, fingen sich vor der Pause ein vermeidbares Gegentor ein: Yegenoglu war Halimi entgegen gegrätscht, der Kosovare fiel bereitwillig („Das hab ich clever gemacht“) und ermöglichte Schahins Führung per Strafstoß. Doch dann? Keine Reaktion der zuletzt so stabil wirkenden Löwen. Obwohl noch 53 Minuten zu spielen waren und – anders als beim 4:4 in Paderborn – Zwischenstand (0:1 statt 1:3) und Kräfteverhältnis (keine Unterzahl) keineswegs aussichtslos erschienen. „Wir haben es leider zu keiner Zeit geschafft, ein Powerplay aufzuziehen“, kritisierte Schindler. Dieser letzte Biss habe am Freitag gefehlt – „und dafür gibt’s keine Entschuldigung“.

Ursachenforschung. „Dass wir jetzt jedes Spiel gewinnen oder keines mehr verlieren, war doch sehr unwahrscheinlich“, meinte Daniel Adlung. Schlechte Tagesform also. Dazu kam ein unbequemer Gegner, Druck durch die Tabellensituation – und eine hohe Erwartungshaltung, die in krassem Gegensatz stand zum nur spärlich gefüllten Stadion. Doch auch um diese Erkenntnis kamen die Löwen nicht herum: Die Mannschaft, die im Kern eh schon jung ist, war in punkto Erfahrung womöglich überfordert.

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Mit Fejsal Mulic und Emanuel Taffertshofer waren zwei weitere U 21-Löwen in die Startelf zwangsrotiert, und obwohl das Duo die rechte Seite weitgehend im Griff hatte, sorgt die altersmäßige Dysbalance für zwiespältige Gefühle. „Viele der Jungs machen ihre ersten Spiele in der 2. Liga“, sagte Adlung: „Das spricht für die gute Nachwuchsarbeit bei 1860. Es zeigt sich aber auch, dass ein Spieler wie Gary Kagelmacher nicht einfach zu ersetzen ist.“ Auch von Schindler gab es ein Ja-aber-Lob für die Fraktion der ganz Jungen: „Momentan ist es eben so, dass wir auf diese Spieler zugreifen müssen.“ Und dass diese Grünschnäbel naturgemäß eher mal Fehler machen. Diesmal war es der zuvor hochgelobte Yegenoglu. „Es reißt ihm keiner den Kopf runter“, sagte Schindler zu seinem Abwehrpartner, der spielentscheidend gepatzt hatte: „Dass wir so oft zu Null gespielt haben, war auch sein Verdienst. Wir bauen ihn wieder auf.“

Und mittelfristig? War das Spiel nicht der letzte Beweis, dass es ohne Verstärkungen schwer werden dürfte, die Klasse zu halten? „Was wir transfertechnisch machen, ist nicht meine Aufgabe“, sagte Schindler, hielt seine Meinung aber nicht geheim: „Ja, ich glaube schon, dass wir uns verstärken müssen, gar keine Frage.“ Die Basis für die Rettung sei jedoch gegen Heidenheim (Freitag) und am vierten Advent in Freiburg zu legen. „Wir müssen schauen“, mahnte der Kapitän, „dass wir nicht mit einer Riesenhypothek ins neue Jahr gehen.“

Uli Kellner

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