Bei den Löwen brennt der Baum

1860-Halbzeitbilanz: Daran hapert's und das macht Hoffnung

München - 17 Spiele sind gespielt, und das Zwischenfazit von Benno Möhlmann scheint zu stehen: Externe Verstärkungen müssen her. Sonst dürfte es eng werden mit dem Klassenerhalt.

Für die Löwen hieß es am Montagabend: Alltagsfrust vergessen, Festtagsgesicht aufsetzen – und mal wieder Höhenluft schnuppern (zumindest auf 820 m). Beim Tabellenvorletzten der 2. Liga ging es schon drei Pflichtspiele vor Jahresende besinnlich zu. Mannschaft, Betreuerstab und Bosse waren zu einer vorgezogenen Weihnachtsfeier auf die Schwaiger-Alm eingeladen, im schönen Hinterland des Tegernsees – dort wo der trübe sportliche Ist-Zustand ganz weit weg scheint.

Frohes Fest! Die Löwen bei ihrer Weihnachtsfeier auf der Schwaiger Alm in Wildbad Kreuth am Tegernsee.

Die Feier bei Wirt und 1860-Fan Christian Totzauer stellte zugleich eine Zäsur dar. Da schon am Freitag das Heimspiel gegen Heidenheim ansteht, ging das ja fast ein bisschen unter, doch tatsächlich: Die Hinrunde der Post-Relegationssaison ist bereits Geschichte, und die Fakten sind wenig ermutigend. 14 Punkte – so wenig wie nie zur Halbzeit einer Spielrunde. Erst zwei Siege gelangen 1860 bei nur 14 geschossenen Toren. Alarmierend. Ein Rückblick auf wenig Erfreuliches.

Personal

25 Spieler wurden eingesetzt, knapp die Hälfte von ihnen Eigengewächse und somit jung. Vielleicht sogar zu jung? „Die Frage hat schon ihre Berechtigung, ob unsere Qualität gut genug ist, oder ob bei den Jungen die Qualität noch nicht so stabil ist“, sagt Trainer Benno Möhlmann. Besonders bitter: Der meist zuverlässige Sertan Yegenoglu machte zwei Fehler, die beide zu 0:1-Heimpleiten führen (Karlsruher SC, FSV Frankfurt). Ansonsten eingesetzt und mit sog. Stallgeruch ausgestattet: Karger (22), Kovac (24), Mulic (21), Mvibudulu (22), Neudecker (19), Taffertshofer (20), Vollmann (22), Wittek, Wolf (beide 20). Kapitän Christopher Schindler und Torwart Vitus Eicher (beide 25) gelten ja fast schon als alte Hasen.

Trainer

Vorjahresretter Torsten Fröhling musste nach sechs Punkten aus zehn Spielen gehen (Schnitt 0,6). Möhlmann übernahm am 11. Spieltag und schaffte acht Punkte in sieben Spielen – von denen er eines wegen seiner Gallen-OP verpasste (Schnitt 1,1). Beide Trainer dürfen sich zudem einen Pokalcoup auf die Fahne schreiben, jeweils gegen einen Erstligisten. Fröhling bejubelte einen 2:0-Sieg gegen Hoffenheim, Möhlmann (bzw. Vertreter Kurt Kowarz) zeichnet für das 2:1 in Mainz verantwortlich. Bemerkenswert: Fröhling ist noch immer unheimlich beliebt bei der Basis. Als sein Name bei der Mitgliederversammlung fiel (mehrmals), brandete der lauteste Jubel auf.

Höhe-/Tiefpunkte

Beim 0:3 in Düsseldorf (unter Fröhling) legten die Löwen ihren gruseligsten Auftritt hin – nie zuvor und danach waren sie so chancenlos. Spielerisch bleiben die furiosen Auftritte in Nürnberg (2:2/Fröhling) und gegen St. Pauli (2:0/Möhlmann) hängen. Und natürlich: das in Unterzahl erkämpfte 4:4 in Paderborn – ein Spiel für die Geschichtsbücher. Bitter: Von den insgesamt sieben Niederlagen endeten sechs mit dem knappsten Ergebnis: 0:1.

Umfeld

Chaos im Sommer, Entspannung im Herbst – so lässt sich die atmosphärische Stimmung im stets aufgeregten Traditionsverein zusammenfassen. Wieder mal mussten etliche Hauptdarsteller weichen: Sportchef Gerhard Poschner, Trainer Fröhling, zuvor trat auch Präsident Gerhard Mayrhofer ab. Positiv: Mit Möhlmann und Sportchef Oliver Kreuzer setzt der Verein erstmals seit langem auf Erfahrung. Kritisch gesehen wird weiterhin die Beförderung von Pharmazeut Noor Basha zum Geschäftsführer. Dafür war sein Cousin Hasan Ismaik zuletzt ausgesprochen friedlich gestimmt – was nicht bedeutet, dass er deswegen mehr Geld zuschießt. Schließlich gab es auch an der Spitze des e.V. Veränderungen: Siegfried Schneider gab sein Interimsamt ab, Peter Cassalette, der neue Präsident, hat bislang keine Feinde (aber auch wenig Profil).

Ausblick

Im zweiten Saisonabschnitt wird ein ganzer Schwung an Langzeitverletzten zurückerwartet, allen voran Dominik Stahl (stand zuletzt schon im Kader), Stephan Hain, auch Guillermo Vallori, Kai Bülow und Valdet Rama. Ob das reicht, um dem Kader die nötige Qualität zuzuführen? Möhlmann drängt inzwischen sanft auf zusätzliche, sprich externe Verstärkungen. „Grundsätzlich tendiere ich immer mehr dazu“, sagt er: „Natürlich kann es im Extremfall so sein, dass wir dann fünf Spieler zu viel haben. Das sollte uns aber lieber sein, als zwei zu wenig zu haben.“ Ein weiterer Pokalcoup (gegen Bochum in acht Tagen) könnte helfen, diesen Wunsch zu finanzieren. Ismaik hat bislang noch keine verbindliche Zusage gemacht.

Rubriklistenbild: © Thomas Plettenberg

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