Pläne für Löwen-Käfig

Neues Stadion für TSV 1860 im Olympiapark: Stadt winkt ab

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Wird im Olympiapark ein Stadion für die Löwen gebaut? Wohl eher nicht.

München - Der TSV 1860 München träumt von einem eigenen, neuen Stadion. Offiziell ist jetzt auch der Standort des heutigen Eisstadions im Olympiapark im Gespräch. Bei der Stadt hält man diesen Vorschlag aber für ziemlich unsinnig.

Tosender Applaus brandete durch die Tonhalle in der Kultfabrik. „Wir müssen raus aus der Arena!“, rief Christian Waggershauser in die aufgeheizte Atmosphäre der 1860-Mitgliederversammlung. „Wir wollen ein Fußball-Stadion im englischen Stil!“ Ein paar Tage ist die turbulente Veranstaltung erst her. Und wie das so ist bei Sechzig, ging eine Neuigkeit im Chaos dieser aufgeregten Wochen beinahe unter. Waggershauser, der Chef der vereinsinternen Stadionkommission ist, hatte einen neuen Standort für einen Arena-Neubau präsentiert: den Olympiapark, genauer: die Fläche des Eisstadions, das abgerissen werden soll.

Waggershauser hofft auf die Unterstützung der Stadt. „Auch dort sieht mittlerweile jeder, dass 1860 auf Dauer in der Arena wirtschaftlich nicht funktionieren kann“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und, dass wir dort unsere Identität nicht zurückbekommen.“ Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD, hatte auch öffentlich mehrfach unterstrichen, den Löwen bei der Suche nach einem Standort zur Seite stehen zu wollen – und unter Umständen auch eine Rückkehr ins Grünwalder Stadion zu ermöglichen. Diese würde Waggershauser mittlerweile aber ohnehin nur noch als eine Übergangslösung sehen, wenn der Bau eines neuen Stadions schon beschlossen ist. „Giesing kann keine Dauerlösung sein“, sagt er. „Das wird uns auch aus dem Rathaus signalisiert.“

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

Die Eishalle im Olympiapark soll wie berichtet abgerissen werden. 2018 könnte der EHC in einen vom Brausehersteller Red Bull errichteten Neubau auf der Fläche des alten Radstadions ziehen. Dem Vernehmen nach ist der Zeitplan aber noch vollkommen unklar. „Wenn man am Standort Eishalle möglicherweise erst 2020 bauen kann, spricht das dagegen“, betont Waggershauser. Überhaupt gebe es auf dem „sensiblen Gelände“ viele Begehrlichkeiten. Auch als Standort für einen neuen Konzertsaal ist die Fläche noch nicht vom Tisch. Bei allen Schwierigkeiten schwärmt er aber auch von den Möglichkeiten im Olympiapark: In der direkten Umgebung gebe es „ganz verschiedene Gebäude“, sagt Waggershauser. „Das würden wir harmonisieren mit einem architektonisch hochwertigen Kubus, der da gut hinpasst.“ Wegen des sehr begrenzten Platzes müsste man dort ein sehr steiles Stadion bauen – was bei vielen Fans gut ankommt, gelten solche Arenen doch als sehr stimmungsvoll. 30.000 bis 35.000 Fans sollen Platz haben. 8000 bis 10.000 Fans im Stehplatzbereich für echte Heimspielatmosphäre sorgen können. Und das, sagt Waggershauser, im 1860-Fanblock möglichst in einem steilen Rang hinterm Tor.

Die Idee klingt recht weit fortgeschritten. Bei der Stadt stößt sie aber nicht auf allzuviel Gegenliebe. OB Reiter sagte auf Nachfrage, er könne sich ein zweites Fußball-Stadion im Olympiapark nicht so recht vorstellen. Sport-Bürgermeisterin Christine Strobl, SPD, erklärt, es sehe „eine Reihe von Unwägbarkeiten“. Der Standort sei nicht schnell verfügbar. Sie glaube nicht, dass ein Stadion dort genehmigungsfähig ist. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagt Strobl. „Ein Stadion für 35 000 Leute ist etwas anders als ein Konzertsaal für 3000 bis 5000.“

Noch deutlicher wird Olympiapark-Chef Arno Hartung. „Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen“, sagt er. Die Wohnbebauung sei „noch dichter dran als am Sechzgerstadion in Giesing“. Sechzig sei im Olympiapark „grundsätzlich willkommen – aber man muss die Kirche schon im Dorf lassen.“ Klingt alles, als würde die Stadt für einen neuen Löwenkäfig weiter auf eine Fläche an der Messe Riem setzen, so wie OB Reiter es schon lange vorschlägt. Bleibt das alte Hauptproblem: Steuergeld werde sicher nicht für einen Neubau verwendet, hat Reiter stets betont. Und wo die notorisch klammen Sechzger das Geld herbekommen sollen, das weiß immer noch keiner so genau.

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