Trainer fordert mehr Qualität

1860-Neuzugänge: So sieht Möhlmanns Wunschliste aus

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Benno Möhlmann (r.) und Sven Kmetsch wissen, wo sie beim Kader der Löwen ansetzen müssen.

München - Die Löwen wollen sich bis Weihnachten irgendwie durchwurschteln und dann mit ein paar Ergänzungen neu angreifen. Trainer Möhlmann weiß ganz genau, auf welchen Positionen er Verstärkung braucht.

Benno Möhlmann schien seinen Augen nicht zu trauen. Soeben hatte der Löwen-Trainer erklärt, warum er es für wichtig hält, seine Spieler auch mal mit Freizeit zu belohnen, da kam Rubin Okotie aus der Kabine. Ballnetz auf dem Rücken, den Kollegen Fejsal Mulic im Schlepptau. Die Sonne brannte spätsommerlich vom Himmel, Straßencafés und Biergärten lockten, doch Okotie hatte vor allem einen unstillbaren Torhunger. 30 Minuten lang ließ er sich mit dem Rücken zum Tor Bälle zupassen, um sie von der Strafraumgrenze zu versenken. Besessenheit, die Möhlmann ein erstauntes, aber zufriedenes Lächeln entlockte.

1860-Kader weist viele Mängel auf

Der Trainer hatte einen guten Blick auf die Sonderschichtler, denn ehe er selber bis morgen nach Bremen flog, hatte er sich noch ausführlich von der Presse vernehmen lassen. Seine Kernthese, geäußert bei einem spontanen Terrassengespräch: Es wird noch ein steiniger Weg bis zum Klassenerhalt. Auch der mühsame und am Ende glückliche 1:0-Sieg über Duisburg habe schließlich gezeigt: Es fehlt dem 1860-Kader an vielem. An Entschlossenheit, an Erfahrung, an Struktur. Auch an Qualität.

Die Szene, die Möhlmann heranzog, um an ihr die grundsätzlichen Defizite dieser Löwen aufzuzeigen, betraf Stefan Mugosa, der wie schon beim Pokalsieg in Mainz den Vorzug gegenüber Okotie erhalten hatte. Die 59. Minute, MSV-Verteidiger Bajic ließ den Stürmer rechts im Strafraum gewähren, doch was machte Mugosa? Er schoss nicht, er flankte nicht, sondern zauderte so lange, bis die schöne Chance dahin war. „Keine Entschlossenheit bei der Annahme, keine Richtung zum Tor, da passte gar nix“, sagte Möhlmann und grantelte: „Das muss ich ganz anders lösen. Das war selbst für die 3. oder 4. Liga zu wenig. Ich glaube, jeder auf der Tribüne wollte da aufstehen und ihn irgendwie wachrütteln.“ Dabei lachte er gequält. Er kommentierte das Scheitern Mugosas nicht amüsiert, sondern durchaus entsetzt.

Möhlmann: Lieber Winterneuzugänge als vertraglose Spieler

Vier Spiele unter Möhlmanns Regie – zwei an der Seitenlinie, zwei aus dem Krankenstand – haben ausgereicht, um den Skeptiker im selbsternannten Pragmatiker zu wecken. „Wenn man den Kader sieht, dann ist er schon so zusammengestellt, dass man damit einen einstelligen Tabellenplatz holen kann“, erklärte er, um im nächsten Satz das große Aber folgen zu lassen. „Tatsache ist aber“, sagte er: „Wir haben soundsoviele Verletzte – und wir sind in einer Situation, in der wir Punkte aufholen müssen.“

Bedeutet im Klartext: Die Löwen (9 Punkte) müssen besser sein als viele der namhaften Teams, die sich momentan im Keller der 2. Liga versammeln. Besser zum Beispiel als die von Effenberg wiederbelebten Paderborner (14), besser als die ambitionierten Düsseldorfer (12), um nur ein paar der Mitbewerber zu nennen. Fünf Punkte beträgt der Rückstand des TSV 1860 auf einen Nichtabstiegsplatz – eine Menge Holz. Und da bereits 13 Spieltage vorüber sind, muss sich selbst ein Trainerdino wie Möhlmann anstrengen, die Grundzuversicht zu bewahren. Oder aber: Er verändert etwas am Kader, wie er das seinerzeit auch beim FC Ingolstadt getan hat.

Die damals noch nicht so prominenten Ingolstädter hatte Möhlmann 2010 in ähnlich misslicher Lage übernommen (Platz 17 nach elf Spieltagen mit vier Punkten), um sie bis zum Ende der Hinrunde zu stabilisieren und mit frischem Personal noch Platz 14 zu erreichen (alleine 25 Punkte in der Rückrunde). Vom sofortigen Erwerb vertragsloser Profi hält er wenig. „Lieber würde ich bis zum Winter warten – wenn wir das verantworten können“, sagte er. Doch dass etwas getan werden muss, um die Qualität anzuheben, steht für den erfahrenen Trainer außer Frage.

Abwehrkante und Sturmverstärkung

Damals in Ingolstadt setzte er vier Wintertransfers durch. Drei Angreifer (Caiuby, Buddle, Wichniarek) – und die Abwehrkante Biliskov, die für Möhlmann bereits in Fürth wertvolle Dienste geleitet hatte. So ähnlich dürfte der Wunschzettel des Trainers auch diesmal aussehen: „Wir müssen gucken, dass wir in der Innenverteidigung eine Alternative dazukriegen.“ Für den Sturm – siehe Mugosa – gilt das Gleiche. Bis zu drei Wintertransfers stellt er sich vor, mit Blick auf die Altersstruktur eher Routiniers als Talente. „Dass wir im Winter keine 18-Jährigen holen, ist klar“, sagte er: „Wir werden schon darauf setzen, gestandene Typen zu bekommen.“

Bis dahin ist Möhlmann in vielfältigen Rollen gefragt: Als Entwickler der vorhandenen Rasselbande („Wir müssen Basisarbeit leisten“) – und als Panikbekämpfer im traditionell nervösen Umfeld. „Die Tabelle wird auch bis Weihnachten nicht viel besser aussehen, das muss man einfach wissen“, sagte er in weiser Voraussicht. „Bloß: Das sollte uns im Moment nicht weiter interessieren. Interessieren sollte uns vor allem, dass wir unseren Fußball noch weiter verbessern müssen.“

Trotz aller Erleichterung über den ersten Ligadreier zog Möhlmann ein zwiespältiges Zwischenfazit. „Das ist noch nicht das, was uns da unten rausbringt“, sagte er zu den jüngsten Leistungen, um beruhigend hinzuzufügen: „In dieser Phase ist es wichtig, dass man in der Tabelle nicht noch weiter wegrutscht. Wenn wir unser Spiel verbessern, werden wir bis Weihnachten einige Punkte holen.“ Für den Moment reiche ihm das auch. Denn: „Auf dieser Basis kannst du dann die letzten 15 Spiele angehen – da hätte ich keine Angst.“

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