Reaktionen auf den Rücktritt des Präsidiums

"Mayrhofers Amtszeit war eine einzige Katastrophe"

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Gerhard Mayrhofer und das 1860-Präsidium sind zurückgetreten.

München - Gerhard Mayrhofer und das Löwen-Präsidium sind am Freitagabend geschlossen zurückgetreten. Franz Hell und Karsten Wettberg erklären ihre Sicht der Dinge.

Und jetzt? Am Freitagabend platzte beim TSV 1860 die Bombe. Präsident Gerhard Mayrhofer und seine Präsidiumskollegen Erik Altmann und Heinz Schmidt sowie Beiratsmitglied Karl-Christian Bay sind geschlossen zurückgetreten. Der TSV 1860 ist führungslos. Der Grund für den Rücktritt seien die gescheiterten Gespräche mit Investor Hasan Ismaik, der sich nicht bereit erklärte, seine Anteile am TSV 1860 (60 Prozent) zu verkaufen und damit den Weg für einen neuen Investor freizumachen. Am Freitagvormittag hatte der TSV 1860 schon die für Sonntag geplante Mitgliederversammlung abgesagt, und sich damit nicht nur den Zorn vieler Fans, sondern auch den von Ismaik zugezogen. Der Jordanier bezeichnete die Absage als "inakzeptabel" und forderte, dass das Mitgliedertreffen wie geplant stattfinden solle. Das kann man jetzt vergessen. Vermutlich hat Ismaik wegen der abgesagten Versammlung auch in den Verhandlungen über einen Verkauf am Freitag auf die Bremse getreten.

Das langjährige Mitglied Franz Hell, der auch im Wahlausschuss sitzt, war vom Rücktritt völlig überrascht. "Ich bin jetzt über 50 Jahre bei den Löwen, aber das alle zurücktreten, das habe ich noch nie erlebt." Der Verwaltungsrat müsse jetzt schnellstens interimsmäßig einen Notvorstand bestellen, der die Aufgaben übernimmt. Möglicherweise kommt diese Person auch aus dem Verwaltungsrat. "Und dann", so Hell, "muss natürlich die abgesagte Mitgliederversammlung schnellstens nachgeholt werden." Um entweder den Interimspräsidenten zu bestätigen oder Neuwahlen abzuhalten.

Auf jeden Fall passt dieses chaotische Ende, das den Verein vor riesige Probleme stellt, zur gesamten knapp zweijährigen Amtszeit von Gerhard Mayrhofer. Als er am 13. Juli 2013 von über 95 Prozent der Mitglieder gewählt wurde, versprach er dem TSV 1860 fast schon goldene Zeiten. "Die erste Liga ist unser Ziel", tönte er damals und kündigte an, dass es die Streitereien aus der Vergangenheit beim TSV 1860 unter ihm nicht mehr geben würde. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass der Verwaltungsrat mit Mayrhofer einen Kandidaten zur Wahl gestellt hatte, der seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Sportlich war schon mal gar kein Weg der Verbesserung zu sehen, auch Mayrhofer wusste sich nur mit der Entlassung von Trainern (insgesamt waren es fünf in seiner Zeit) und Geschäftsführern zu helfen, was den Verein aber keinen Meter nach vorn gebracht hatte. Zudem brüskierte er wichtige Sponsoren, beleidigte und beschimpfte Journalisten per SMS oder E-Mail, was manchmal auch durchaus mitten in der Nacht der Fall war. Auch mit Fans legte er sich an. Einen verklagte er, weil dieser auf der Facebookseite des Präsidenten etwas derb ihm gegenüber zur Sache gegangen war, einen anderen ließ er aus dem Vip-Raum werfen, nur weil dieser sich zuvor in einem Interview mit der tz im vergangenen Winter besorgt über die Zukunft der Löwen geäußert hatte. Mit Recht. Denn unter Mayrhofer retteten sich die Sechziger nur ganz knapp in den Relegationsspielen gegen Holstein Kiel vor dem Abstieg in die 3. Liga. Zu diesem Zeitpunkt war längst auch schon das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und Investor Ismaik in die Nähe des Gefrierpunkts geraten.

Insgesamt eine Amtszeit, die mit "völlig daneben" noch milde beschrieben wäre.

Ex-Trainer und Löwenlegende Karsten Wettberg macht sich große Sorgen nach den Ereignissen vom Freitagabend. "Die Lage wird jetzt immer schwieriger", sagte er, "wer weiß, ob das mit dem neuen Investor nach diesem Durcheinander noch etwas wird, und sportlich läuft dir natürlich die Zeit davon. Wie willst du in so einer Situation neue Spieler holen, du hast noch keinen Trainer - es gibt so viele Fragezeichen."

Zumindest Gerhard Poschner, der von Mayrhofer und dem Verwaltungsrat gestutzte Sportchef dürfte jetzt wieder mehr gefragt sein. Aber die finanziellen Mittel sind sehr beschränkt, große Sprünge wohl nicht drin.

Und Wettberg legte nochmal gegen Mayrhofer nach. "Seine Amtszeit war eine einzige Katastrophe", sagte er, aber auch der Aufsichtsrat steht in der Verantwortung. Er hat ihn schließlich geholt."

tz

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