Ausnahmezustand nach Sieg

Okotie: "Ja seid's ihr deppert?!"

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Rubin Okotie drückte seine Bewunderung für die Leistung seiner Kollegen auf ganz spezielle Weise aus.

München - Bei den Löwen gab es nach dem Siegtor durch Stephan Hain gegen Bochum kein Halten mehr. Da packte auch Ösi-Stürmer Rubin Okotie sein Bestes Wienerisch aus.

Schon lange nicht mehr haben sie bei 1860 ihrer Freude so enthemmt freien Lauf gelassen wie am Samstag in der Arena. Nach dem Siegtor in wirklich allerletzter Sekunde durch Stephan Hain zum 2:1 (0:1) gegen den VfL Bochum gab’s überhaupt kein Halten mehr.

Weder bei den Spielern auf dem Platz, noch beim Personal auf der Bank und bei den Zuschauern auf den Tribünen. Ein kollektives Glücksgefühl, Ausnahmezustand – im wahrsten Sinne des Wortes. Und nicht wenigen flossen vor Freude die Tränen über die Wangen. So schön also kann Abstiegskampf sein.

Als Torsten Fröhling gefragt wurde, was ihm in der entscheidenden Sekunde durch den Kopf geschossen sei, lächelte der Löwencoach nur und antwortete: „Ich glaube, das wollen Sie gar nicht wissen…“ Man muss ja nicht alles preisgeben, was in einem vorgeht. Schon gar nicht, wenn man als Trainer beim TSV 1860 arbeitet.

Rubin Okotie drückte seine Bewunderung auf eine Art und Weise aus, wie Wiener das halt so tun, wenn sie völlig aus dem Häusl sind. „Ja seid’s ihr deppert?!“ waren seine ersten Worte, als der verletzte Torjäger nach dem Spiel zu seinen Kollegen in die Kabine marschierte.

Deppert? Mutig waren sie endlich in der zweiten Halbzeit, die Löwen. So wie es Torsten Fröhling nach einer völlig missratenen ersten Halbzeit in der Pause gefordert hatte: „Ich habe den Jungs gesagt, dass wir jetzt hinten eins gegen eins stehen, dass alle pressen und dass alle Mut zeigen sollen.“

Von dem zaghaften und ängstlichen Schlafwagenfußball, den die Löwen ihren Anhängern in dieser Saison oft genug zugemutet hatten, wollte der Trainer auch nicht mal im Ansatz noch etwas sehen. Die Mannschaft gehorchte aufs Wort.

Und das Ausgleichstor von Marius Wolf (56.) passte dazu wie die Faust aufs Auge. Unaufhaltsam zog der Youngster am linken Flügel auf und davon, ließ Torhüter Luthe mit einem platzierten Schuss ins lange Eck keine Chance. „Und nach meinem Treffer haben uns die Zuschauer bis zum Siegtor förmlich getragen“, schilderte Wolf die auf einmal völlig neue Atmosphäre im Stadion.

Denn nach den ersten 45 Minuten war noch kräftig gepfiffen worden von den 16.000 Besuchern. Völlig zu recht, wie auch Torsten Fröhling fand: „Da haben uns die Bochumer die gesamte Zeit über nur laufen lassen, wir bekamen sie überhaupt nicht zu packen.“

Es musste sich ja was ändern. Denn St. Pauli hatte gewonnen, Aalen war auf dem Weg zum Sieg – Sechzig durfte einfach nicht an Boden verlieren im Abstiegskampf. So war es dann einfach ein Sieg des Willens und des Glücks.

 Und Torsten Fröhling belohnte sich selbst, fuhr am Samstagabend für zwei Tage zu seiner Familie nach Hamburg. „Das war wirklich nicht geplant“, sagte er, „ich hatte nichts gepackt oder vorbereitet.“ Die Spieler gönnten es ihm. Auch sie bekamen dadurch bis Dienstagnachmittag frei.

CM

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