Nur drei Spieler machen Hoffnung

So ernüchternd ist die 1860-Transferbilanz

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Von links: Stefan Ortega, Leonardo, Rubin Okotie.

München - Wir analysieren die Transferbilanz des TSV 1860 nach der ersten Saisonhälfte. Welcher Neuzugang aus dem Sommer konnte überzeugen, wer floppte auf der ganzen Linie?

Die Hinrunde 2014/2015 ist Geschichte, sogar zwei Spiele der Rückrunde sind schon absolviert - Zeit für eine Zwischenbilanz. Die Tabelle schmerzt allen Fans, die es mit den Löwen halten. Nach 19 Spieltagen rangiert 1860 auf dem 15. Platz, holte nur 17 Punkte und vier Siege. Sechzig steht so schlecht da wie nie zuvor.

Wir beleuchten die Neuzugänge und ihre Leistungen nach einem halben Jahr an der Grünwalder Straße. Wer konnte überzeugen, wo ist Luft nach oben und wer floppte?

Stefan Ortega (22)

Für einen Großteil der Anhänger kam die Verpflichtung von Stefan Ortega (Arminia Bielefeld) überraschend. Schließlich hatten die Löwen mit Gabor Kiraly, Vitus Eicher und Michael Netolitzky bereits drei Torhüter im Kader. Eicher sollte verliehen werden, so Spielpraxis sammeln - doch daraus wurde nichts. Nachdem Kiraly nach der Kagelmacher-Zopf-Affäre erst auf die Bank und dann zum FC Fulham abgeschoben worden war, nahm Ortega den Stammplatz im Tor ein. Bilanz: 17 BL-Einsätze, 25 Gegentore, zweimal hielt er die Null. Fazit: Macht seine Sache insgesamt ordentlich, grobe Fehler unterliefen ihm nicht. Beim Spiel bei Union Berlin hielt er überragend. Note: 2-

Martin Angha (20)

Der Schweizer kam auf den letzten Drücker aus Nürnberg zu 1860 - für 250.000 Euro. Spielte seither jede Partie durch, bis er beim Gastspiel bei seinem Ex-Verein vom Platz flog. Überzeugen konnte er bislang noch nicht wirklich. Zudem agiert Angha oftmals zu überhastet in der Vorwärtsbewegung und verursacht so Gefahr für das eigene Tor. Aber ein Talent ist der 20-Jährige durchaus, das muss man dem Ex-Arsenal-Kicker attestieren. Jetzt heißt es, das Potential abzurufen. Fazit: Hat Potential, ruft es aber (noch) viel zu wenig ab. Muss in die Puschen kommen! Note: 4-

Gary Kagelmacher (26)

Da holten die Löwen einen Mann mit einer beeindruckenden Vita! Der 26-jährige Uruguayer mit deutschen Wurzeln hat bereits bei Real Madrid und dem AS Monaco gespielt. Doch anstatt der neue Chef in der Hintermannschaft zu werden, produzierte er reihenweise Abwehrfehler, oftmals mit Torfolge. Höhepunkt: Gabor Kiraly zog ihn bei der Pleite gegen RB Leipzig nach einem haarsträubenden Fehler, der zum 0:2 führte, am Zopf. Der ist nun ab, Kiraly weg und Kagelmacher öfter auf der Bank. Fazit: Konnte keine der Erwartungen erfüllen, enttäuschte auf ganzer Linie. Note: 5-

Ilie Sanchez (24)

Was war das für ein Paukenschlag, als bekannt wurde, dass die Löwen den Kapitän aus der zweiten Elf des FC Barcelona verpflichten! 500.000 Euro war das 1860 wert. Ilie Sanchez stand in jedem Spiel auf dem Rasen, fehlte einmal gelbgesperrt. Höhepunkt war sein Traumtor gegen Fürth. Sanchez spielt konstant, aber unauffällig im defensiven Mittelfeld der Löwen. Fazit: Etwas mehr hätte da schon kommen dürfen - und müssen. Grobe Fehler machte Sanchez aber im Gegensatz zu anderen nicht. Note: 3-

Leonardo (31)

Er kam als der Hoffnungsträger mit großem Namen und als Wunschspieler von Trainer Ricardo Moniz. Sieben Spiele, zwei Tore, das war nicht schlecht. Doch als Moniz weg war und Markus von Ahlen das Zepter übernahm, fiel der Brasilianer durchs Raster. Nur zweimal stand er unter von Ahlen noch im Kader, nur einmal durfte er über 16 Minuten ran. Nach vier Monaten und einer Woche endete die Beziehung Leonardo-1860 im November vorzeitig. Fazit: Ein großes Missverständnis, obwohl viele Beobachter den Abgang von Leonardo kritisieren. Note: 6

Edu Bedia (25)

Und noch ein Mann von Barcelonas Zweiter! Als Mittelfeld-Stratege, als Kopf der Löwen-Offensive war der ablösefreie Spanier eingeplant gewesen. Doch er bestritt wegen Leistenproblemen nur die Hälfte aller Partien in der Hinrunde - ohne Tor oder Vorlage. Sein letzter Einsatz: Am 3. Oktober bei der 0:2-Pleite in Aalen. Was viele Beobachter befürchteten, scheint sich zu bewahrheiten: Der technisch beschlagene Spanier hat Probleme mit der Härte der 2. Liga. Sein Können am Ball blitzte dagegen ein ums andere Mal auf. Fazit: Eigentlich zu wenig Einsätze, um ordentlich bewertet zu werden. Bedia muss sich an die Gangart in der Liga gewöhnen, zeigen, dass er Biss hat. Note: 4-

Valdet Rama (27)

Der Albaner kam ebenso wie Martin Angha kurz vor Transferschluss. Der 27-Jährige kehrte nach jeweils einjährigen Stationen in Schweden und Spanien zurück in die deutsche Liga. Auch er gehört mittlerweile zur Stammelf, obwohl er nur einmal über die volle Distanz spielen durfte. Dennoch tut er dem Löwenspiel gut: Rama erzielte zwei Tore und bereitete drei weitere vor. Ein ordentlicher Wert, der für einen Linksaußen allerdings noch ein wenig Luft nach oben hat. Fazit: Rama ist eine Verstärkung für 1860. An ihm liegt der Absturz nicht. Note: 2-

Daylon Claasen (24)

Der 24-Jährige trugt bereits zehnmal das Trikot von Südafrikas Nationalmannschaft. Doch bei den Löwen kommt Mittelfeldspieler Daylon Claasen nicht in Tritt. In nur elf Spielen durfte er ran, fünfmal stand er noch nicht einmal im Kader. Seine durchschnittliche Einsatzzeit: Knapp 34 Minuten. Sein Highlight: Vier Tore im Testspiel gegen den schweizer Zweitligisten FC Wohlen. Zuletzt fiel Claasen mit einer neuen Haarfarbe auf: Er präsentiert sich nun in leuchtendem Blondton. Fazit: Gibt es mehr zu sagen über einen Spieler, wenn das Auffälligste an ihm die Haarfarbe ist...? Note: 5

Rodri (24)

Stimmt, den gibt es ja auch noch! Rodri (eigentlich Rodrigo Ríos Lozano) ist der dritte Last-Minute-Transfer und der dritte Mann, der aus Barcelona kam. Er sollte die dünn besetzte Sturmreihe verstärken, vor allem Rubin Okotie unterstützen. Aber: Nur vier Spiele konnte der 24-Jährige bestreiten, nur einmal stand er von Beginn an auf dem Platz. Wie Bedia absolvierte er seit dem 3. Oktober verletzungsbedingt kein Spiel mehr für 1860 (Sprunggelenk). Fazit: Fast unmöglich, da er nur 131 Minuten für die Löwen spielte. Bislang nicht die erhoffte Verstärkung. Note: 5

Rubin Okotie (27)

Top-Transfer! Der Österreicher ist der Garant dafür, dass die Löwen nicht noch besch... dastehen in der Tabelle. In 17 Liga-Spielen erzielte er mit zwölf Toren die Hälfte aller Löwen-Treffer - das sagt alles! Zur Winterpause führt Okotie die Torschützenliste der 2. Liga an, schaffte sogar den Sprung zurück in die Nationalmannschaft. Zweimal konnte er nicht spielen, schon trafen die Löwen nicht mehr (das Tor in Nürnberg war ein Eigentor). Fazit: Besser geht es nicht! Okotie ist eine Sturm-Bombe, die Begehrlichkeiten wecken wird. Note: 1  

Diese Youngster verstärkten die Profis

Maxi Wittek (19), Marius Wolf (19), Korbinian Vollmann (21) und Fejsal Mulic (20) stießen im Laufe der Hinrunde zum Profi-Kader hinzu. Vor allem Wittek zeigte, dass er in der Defensive eine echte Alternative sein kann und hat sich in die Stammelf gespielt. Sein Traumtor gegen Karlsruhe unterstrich seine Technik.

Florian Weiß

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