1860 und Türkgücü trennen sich 2:2

Viel Adrenalin, zwei fragwürdige Szenen und eine Biereinladung für den „stocksauren“ Mölders

Viele Fußballprofis von 1860 und Türkgücü drängen sich auf engstem Raum und warten auf einen Freistoß.
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Vollversammung: Spieler von 1860 und Türkgücü in Erwartung eines Freistoßes.

Im ersten Drittliga-Derby zwischen dem TSV 1860 und Aufsteiger Türkgücü war reichlich Zündstoff drin. Im Zentrum der Kritik: Schiedsrichter Patrick Hanslbauer, der den Löwen einen Handelfmeter verweigerte und Dennis Dressel nach einem Foul im Mittelkreis vom Platz stellte.

  • Intensives Derby mit vier sehenswerten Treffern.
  • Die Löwen beenden die Englische Woche ungeschlagen, aber auch sieglos mit drei Unentschieden.
  • Aaron Berzel tröstet Buddy Mölders: „Das Bier geht auf mich. Sascha hat ein Tor gemacht, ich keines. Deswegen steht es 1:0 für ihn.“

Am Ende sah man neben abgekämpften Gesichtern die üblichen Smalltalk-Grüppchen auf dem Rasen. Mit dem 2:2 nach einem intensiven Derby schienen alle irgendwie leben zu können. Die Löwen-Profis, weil sie die letzte halbe Stunde mit zehn Mann auskommen mussten. Die Drittliga-Neulinge von Türkgücü, weil es von Haus aus nicht schlecht ist, in der 1860-Festung zweimal einen Rückstand aufzuholen. Pünktlich mit dem Schlusspfiff schienen alle von Adrenalin- auf Feierabendmodus runterzuschalten. Alle bis auf einen: Sascha Mölders.

Jubel nach der kurzzeitigen Führung: Sascha Mölders nach seinem wuchtigen Kopfballtreffer zum 2:1.

Mit der gleichen Galligkeit, mit der er auf dem Platz seinen Spezl Aaron Berzel bekämpft hatte, stapfte Mölders zum BR-Interview – wo alles noch mal aus ihm heraus platzte. Sein Frust über den Platzverweis gegen Dennis Dressel, der ungestüm, aber nicht rotwürdig auf den Fuß von Philipp Erhardt gestiegen war (59.). Mölders’ Meinung dazu: „Egal ob das jetzt eine Rote Karte ist oder nicht, aber in so einem Spiel an der Mittellinie eine zu geben, ist sehr, sehr mutig.“ Seine Wut über den Spielverlauf an sich: Nach zwei feinen Hereingaben von Sercan Sararer egalisierte Petar Sliskovic die zweimalige Führung der Gastgeber, für die Fabian Greilinger und Mölders selbst gesorgt hatten. „Ich persönlich bin stocksauer“, merkte der Schütze des 2:1 an, was eh jeder sehen konnte. Übergelaufen war sein Gallefass damit aber noch lange nicht.

Egal ob das jetzt eine Rote Karte ist oder nicht, aber in so einem Spiel an der Mittellinie eine zu geben, ist sehr, sehr mutig.

Sascha Mölders über den Platzverweis für Dennis Dressel

Das passierte erst, als der BR-Reporter auf die drei Unentschieden der Löwen in der nun beendeten Englischen Woche zu sprechen kam. Die grantig-sarkastische Reaktion des 1860-Kapitäns: „Wir haben natürlich ’ne Vollkrise jetzt. Weil wir sind 1860 München und müssen immer vorneweg marschieren – so ein Schmarrn! Vor der Saison waren wir Abstiegskandidat Nummer eins, jetzt stehen wir relativ gut da – und du redest von Krise.“ Mit den Worten „Ich hab keinen Bock mehr“ beendete Mölders daraufhin das Interview.

Echt jetzt? Nicht nur Dennis Dressel fand die Rote Karte nach seinem Foul an Philipp Erhardt überzogen.

Deutlich diplomatischer äußerte sich Michael Köllner auf der virtuellen Pressekonferenz. Pädagogisch geschickt lobte er zunächst den couragierten Auftritt der Seinen, die den 1860-Coach „kämpferisch und fußballerisch“ überzeugt hatten. „Ich bin mächtig stolz auf die Mannschaft“, sagte er: „Auch jeder Löwenfan kann heute stolz sein. Für uns war es das dritte Spiel in sieben Tagen, davon mussten wir zwei in Unterzahl beenden.“ Die Überleitung zum Thema des Tages war damit gegeben, denn eines sah Köllner ähnlich wie sein wütender Kapitän: Die Leistung von Schiedsrichter Patrick Hanslbauer.

Köllner lobt die Moral seiner 30 Minuten in Unterzahl kämpfenden Löwen

Dass Köllner selbst in der Schlusshektik Gelb sah, sei seinem grundsätzlichen Unverständnis mit der Spielleitung des Referees geschuldet gewesen. „Ich kann nicht eine Stunde auf lange Leine machen, um dann plötzlich knallhart durchzugreifen“, ereiferte sich Köllner. Bei einer klaren Linie, meinte er, sei die Rote Karte gegen Dressel „sicher vertretbar, aber es war sein erstes Foul. Bei Türkgücü gab es einen Spieler, der drei gemacht hat und weiterspielen durfte“ (gemeint: Alexander Sorge). Und was Köllner bereits kurz vor der Pause geärgert hatte: Stefan Stangl lenkte einen weiten Ball in den Strafraum mit dem Arm ab, der ansonsten vor den Füßen von Stefan Lex gelandet wäre – zurecht forderten alle Löwen-Vips auf der Haupttribüne Handelfmeter. Köllners Generalkritik am 30-jährigen Hanslbauer: „Er hat nicht in allen Situationen das gleiche Maß angewendet.“

Nach vier Spielen ohne Sieg muss 1860 nun bei Viktoria Köln ran

In der Summe erklärte all das auch den Frust von Sascha Mölders, der erst spät am Abend etwas Trost erhielt – und zwar von seinem alten Buddy im Türkgücü-Trikot. „Leider hat es nach dem Spiel nicht für ein Bierchen gereicht, aber das holen wir in einer ruhigen Minute nach“, kündigte Berzel an: „Das Bier geht auf mich. Sascha hat ein Tor gemacht, ich keines. Deswegen steht es 1:0 für ihn.“

In der Liga hoffen Mölders und Co. nun auf ähnliche Ergebnisse: Am Samstag bei Viktoria Köln und eine Woche darauf zu Hause gegen Mannheim.

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