Bierofka ist Löwen dankbar

1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut

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Einer braver als der andere: Bierofkas charakterstarkes Löwenrudel.

Bierofka verneigt sich vor seinen Löwen: „Ich bin dankbar, dass ich diese Mannschaft trainieren darf.“ Lesen Sie den Ausblick auf das Derby zwischen dem TSV 1860 und dem FC Augsburg II. 

München – Man macht das ja viel zu selten: Einfach mal „Danke“ sagen, den Menschen, die einem nahestehen, ein paar warme Worte zukommen lassen. Nicht nur Psychologen in den Klatschzeitschriften empfehlen ihrer Leserschaft das gute alte Prinzip des Lobens – auch Daniel Bierofka war am Freitag derart positiv gestimmt, dass er einfach mal das Warnen vor dem nächsten Gegner wegließ – und sich stattdessen seinen eigenen Spielern widmete, die ihm tagein, tagaus so viel Freude bereiten. „Das Miteinander bei uns ist ein Riesenpfand“, schwärmte der Löwen-Coach mit seltenem Pathos von seinem Team: „Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich diese Mannschaft trainieren darf. Die Jungs geben in jeder Einheit von der ersten Sekunde an alles. Ich muss da nicht groß eingreifen oder sie motivieren. Da kann sich jeder Trainer glücklich schätzen, wenn er so eine Mannschaft trainieren darf.“

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Große und auch ungewohnte Worte waren das, gemessen an dem, was sich Generationen von Löwen-Mannschaften in den letzten Jahren anhören mussten. Das Lob kommt aber aus berufenem Munde, denn erstens hat Bieroka, 38, auch viele nicht so schöne Zeiten bei 1860 erlebt. Und zweitens: Seine Löwen widerlegen gerade all jene Klischees, für die 1860-Teams bundesweit bekannt geworden sind: Sie machen nicht nur die Bigpoints wie gegen Schweinfurt. Sie gewinnen auch die vermeintlich leichten Spiele mit Stolperfaktor (Eichstätt, Pipinsried). Sie benehmen sich auch neben dem Platz vorbildlich (keine Taxi-, keine Disco-, nicht mal eine Wiesnaffäre). Und vor allem: Sie grüßen mit so großem Vorsprung von der Tabellenspitze, dass schon am Sonntag das erste kleine Ziel abgehakt werden kann.

Die Rede ist von der Herbstmeisterschaft, von der die Löwen noch ein Pünktchen entfernt sind. Kürzlich hatte Bierofka gesagt, dass ihm der inoffizielle Halbzeit-Titel rein gar nichts bedeuten würde. Gestern, während die Spätsommersonne sein Gemüt wärmte, sah er es etwas anders. „Es wäre schön, wenn wir die Herbstmeisterschaft schon am Sonntag klarmachen könnten“, erklärte er: „Das würde nämlich bedeuten, dass wir mindestens einen Punkt aus Augsburg mit nach Hause nehmen.“

Dass die Löwen auch die Hürde Augsburg II bestehen, daran gibt es auch in den eigenen Reihen nicht die geringsten Zweifel. „Jeder Spieler hier hat das Ziel, jedes Spiel zu gewinnen“, sagte Rechtsaußen Nicholas Helmbrecht unter der Woche. Der Ex-Augsburger Sascha Mölders betonte, dass die Löwen-Brust durch sechs Siege in Folge „immer breiter“ geworden sei. Bierofka schließlich erklärte die Grünwalder Straße endgültig zur sorgenfreien Zone. Das Lob auf den Charakter seines Teams hatte er bereits gesungen – dazu kommt plötzlich ein Überangebot an Spielern, das er so nicht kennt. Mit Ausnahme der Rekonvaleszenten Timo Gebhart und Felix Weber seien „alle Mann an Bord“, meldete der Coach: „Momentan habe ich wirklich eine gute und große Auswahl. Ist nicht immer leicht für mich, da die richtigen Spieler zu finden. Aber lieber so als andersrum.“

Bierofka erweckte am Freitag den Eindruck, als sei seine Vorfreude auf Augsburg ungetrübt – mit einer kleinen Einschränkung: „Es geht nicht um die Weltmeisterschaft“, appellierte er an die rivalisierenden Fanlager: „Von daher hoffe ich, dass sich beide Seiten entsprechend verhalten.“

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