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Rudi Bommer: „Habe Sechzig noch nicht abgeschrieben“ - Türkgücü fehlt die „klare Linie“

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Von: Ludwig Krammer, Jacob Alschner

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Profunder Kenner der 3. Liga: Rudi Bommer, der einst auch die Löwen coachte.
Profunder Kenner der 3. Liga: Rudi Bommer, der einst auch die Löwen coachte. © Imago

Rudi Bommer (64) ist Drittliga-Experte bei Magenta-Sport und hat mit 1860, Duisburg und Saarbrücken drei aktuelle Mitglieder der Liga trainiert.

München – Der ideale Gesprächspartner also für eine Zwischenbilanz in der Länderspielpause.

Herr Bommer, ein gutes Saisondrittel ist rum in der 3. Liga. Welche Clubs haben Sie bisher am meisten überrascht?

Positiv muss ich Meppen nennen. So ein Wandel nach dem Fast-Abstieg ist bemerkenswert, die hatte wohl keiner auf der Rechnung. Bei Magdeburg fühle ich mich bestätigt. Die sind stabil, und werden hochgehen. Enttäuscht bin ich von Wehen Wiesbaden, dass sie es einfach nicht gebacken kriegen, ihre Leistung über die Distanz zu halten.

Auch Ihr Ex-Club 1860 München ist bisher deutlich unter den eigenen Erwartungen geblieben. Ihre Einschätzung?

Bei Sechzig war ich vorsichtig mit Prognosen, weil ich weiß, wie müde so ein knapp verpasster Aufstieg im Kopf machen kann. Was mir fehlt, ist einer, der den Laden hinten zusammenhält. Stephan Salger schafft das aktuell zu selten. Aber ich habe 1860 noch nicht abgeschrieben. Sie brauchen Siege gegen Duisburg und Havelse, dann kommt das Nachholspiel gegen Waldhof – danach wissen wir mehr. Die Substanz ist auf jeden Fall groß genug, um nicht ernsthaft in Gefahr zu geraten.

„Der Unterschied zur 2. Bundesliga ist sicherlich zu groß, da muss eine Lösung her.“

Rudi Bommer über die geringen TV-Gelder in der 3. Liga.

Mit großen Ambitionen, und zahlreichen Verpflichtungen ist Türkgücü München in die Saison gestartet. Erst sollte es der ruhige Petr Ruman als Trainer richten, jetzt läuft’s auch unter dem exzentrischen Peter Hyballa nicht. Was wäre der richtige Weg in Ihren Augen?

Als erstes musst du jetzt mal die Mannschaft zusammenbringen und Ruhe in den Verein bekommen. Sercan Sararer wollte im Sommer weg, dann gab’s dieses Hin und Her, am Ende ist er doch geblieben. Jetzt spielt er nicht so, wie er es eigentlich kann. Und das ist ja nur eine von mehreren Personalien. Beim neuen Trainer ist der Effekt schon wieder verpufft. Nur mit dem Erfinden von neuen Wörtern wie „Schienenspieler“ oder „Klebedribbler“ ist es nicht getan. Türkgücü ist schon ein ganz spezieller Fall in dieser Liga. Ich sehe da keine klare Linie.

Wie zukunftsfähig ist die Liga generell angesichts der vergleichsweise geringen TV-Gelder?

Der Unterschied zur 2. Bundesliga ist sicherlich zu groß, da muss eine Lösung her. Ob die dann darin bestehen wird, dass die 3. Liga unters Dach der DFL schlüpft oder es eine Alternative vom DFB gibt, das wird man sehen - dafür bin ich nicht zuständig. Die Risiken, die die ambitionierten Clubs mit Blick auf den Aufstieg teilweise eingehen müssen, sind schon enorm. Aber in den Regionalligen sieht es ja noch viel problematischer aus. Das sind richtige Hartz-IV-Ligen.

„Und mehr Auswärtszuschauer bringt Türkgücü auch nicht mit.“

Rudi Bommer über die Daseinsberechtigung von Reservemannschaften in der 3. Liga.

Wie stehen Sie zu den zweiten Mannschaften großer Vereine, die regelmäßig an die Dritte Liga anklopfen oder aufsteigen? Wäre eine eigene Reserverunde wie zum Beispiel in England die bessere Alternative?

Nein, das finde ich nicht. Wenn ich immer von Wettbewerbsverzerrung lese, dann möchte ich auch die Belege sehen. Bayern II ist letztes Jahr abgestiegen, bei Dortmund II und Freiburg II spielen praktisch nur Talente und keine Reservisten aus der Bundesliga. Für die jungen Spieler ist die 3. Liga ideal, um die nötige Wettkampfhärte zu bekommen. Ich sehe die Mannschaften als Bereicherung für die Liga. Und mehr Auswärtszuschauer bringt Türkgücü auch nicht mit.

Interview: Ludwig Krammer, Jacob Alschner

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