1. tz
  2. Sport
  3. 1860 München

Löwen trauern um Meisterspieler Hennes Küppers - Vom Gefängnishof zum Bundesligaspiel

Erstellt:

Von: Ludwig Krammer

Kommentare

Die treibende Kraft im Mittelfeld des Deutschen Meisters: Filigrantechniker Hennes Küppers
Die treibende Kraft im Mittelfeld des Deutschen Meisters: Filigrantechniker Hennes Küppers © Imago

Der TSV 1860 München trauert um Hennes Küppers, Mitglied der Löwen-Meisterschaft. Der Essener hatte großen Anteil an den Goldenen Jahren der Sechzger.

München – Es gibt Anekdoten um den TSV 1860, die könnte sich kein Filmemacher kurioser ausdenken. Hauptdarsteller in einer der unglaublichsten: Hennes Küppers. Bei seinem Lieblingsspieler drückte Trainer Max Merkel öfters mal ein Auge zu. Oft ging es um feucht-fröhliche Ausflüge, meist war Küppers als Gespann mit seinem nicht minder erlebnisdurstigen Spezl Rudi Brunnenmeier unterwegs. Aber vom Gefängnishof auf den Platz, zu einem Bundesligaspiel? Tatsächlich so überliefert.

Für zwei Wochen habe Küppers Mitte der Sechziger Jahre in der JVA Stadelheim einsitzen müssen, weil er die Zahlung von Alimenten verweigert hatte, schreibt der langjährige Löwen-Reporter Claudius Mayer in seiner Geschichte eines Traditionsvereins. Doch Merkel habe bei der Gefängnisleitung erreicht, dass Küppers für ein paar Stunden Bundesliga-Freigang bekam. „Er legte ein Riesenspiel hin. So gut, dass einige hinterher vorschlugen: ‚Sperrts’n doch des ganze Jahr ei, des duad am Hennes nur guat.’“ Andere Zeiten. Sieben Jahre stürmte Küppers für die Löwen, nachdem ihn Merkel 1961 von Schwarz-Weiß Essen nach Giesing geholt hatte. Es wurden die Goldenen Jahre der Sechziger. 1963 der Aufstieg in die Bundesliga, 1964 der DFB-Pokal, das Europapokal-Finale 1965 in Wembley und 1966 als Höhepunkt: die Meisterschaft.

Hennes Küppers spielte auch in der Nationalmannschaft

Küppers hatte erheblichen Anteil an den Erfolgen. In 177 Spielen für 1860 kam der Filigrantechniker auf 63 Tore; seine eigentlichen Stärken lagen jedoch in der Rolle des Vorbereiters. Er galt als Meister des langen Passes, debütierte 1962 zusammen mit Rechtsaußen Fredi Heiß in der deutschen Nationalmannschaft, wo er unter Sepp Herberger und Helmut Schön auf insgesamt sieben Einsätze (zwei Tore) kam. Küppers’ Pech: Mit Günter Netzer (Mönchengladbach) und Wolfgang Overath (1. FC Köln) gab es zwei Konkurrenten, die bessere Karten bei Schön hatten.

Voller Einsatz auf Giesings Höhen: Hennes Küppers (r.) im Spiel gegen Eintracht Frankfurt anno 1967. Die Löwen gewannen 2:1 – lang ist’s her.
Voller Einsatz auf Giesings Höhen: Hennes Küppers (r.) im Spiel gegen Eintracht Frankfurt anno 1967. Die Löwen gewannen 2:1 – lang ist’s her. © imago sportfotodienst

Schon mit seinem Essener Heimatverein hatte Küppers 1959 den DFB-Pokal gewonnen, nach der Zeit bei 1860 holte ihn Merkel 1969 zum damaligen Meister 1. FC Nürnberg, wo der Halbstürmer und Spielmacher zehn Tore schoss und trotzdem mit dem Club absteigen musste. Es folgten Stationen in Österreich beim SV Wattens und FC Wacker Innsbruck, ehe Küppers, gelerner technischer Zeichner, seine Karriere 1972 beim FC Lugano beendete und in seine Heimat Essen zurückkehrte.

TSV 1860: Nur noch sechs Spieler aus der Meistermannschaft übrig

In den letzten Jahren war es still geworden um Küppers. Zu Treffen der Meisterlöwen war er seit über 15 Jahren nicht mehr erschienen, Fredi Heiß wurde von der Todesnachricht am Mittwoch überrascht. Dabei hatte Küppers bereits vor drei Wochen einen Schlaganfall erlitten. Am Heiligabend hätte er seinen 83. Geburtstag gefeiert.

Hennes Küppers im Jahr 2009.
Hennes Küppers im Jahr 2009. © FUNKE Foto Services / Dirk Bauer

„Der Hennes hat sich zurückgezogen, der Kontakt war abgerissen“, sagte Heiß. „Was bleibt ist die Erinnerung an unsere wunderbaren Zeiten. Ich habe mich auf dem Platz blind mit ihm verstanden. Einmalig.“ Die Löwen wollen am Montag in Würzburg mit Trauerflor spielen. Heiß: „Jetzt leben nur noch sechs aus der Meistermannschaft. Der Radi, Bernd Patzke, Hansi Rebele, Hansi Reich, Bubi Bründl und ich. Das macht einen schon nachdenklich.“ (Ludwig Krammer)

Auch interessant

Kommentare