„Wenn man spielt wie Kinder, kommst du in dieser Liga nicht weiter“

TSV 1860 mit fatalem Kinderfußball gegen Aufsteiger Waldhof Mannheim

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Zu langsam und zu spät: Die Abwehr der Löwen rannte gestern oft hinterher – Torhüter Hendrik Bonmann war chancenlos.   

Draußen feierten die Fans des Aufsteigers ihren ersten Saisonsieg. Drinnen im Stadion haderten die 1860-Profis, die naiv wie ein Aufsteiger gespielt und völlig verdient mit 0:4 (0:1) verloren hatten.

Mannheim – Dennis Erdmann, der großflächig tätowierte Abwehrrocker, schaute noch finsterer als sonst, als er die Klatsche bei entfesselt aufspielenden Mannheimern in treffenden Worten zusammenfasste. „Wenn man spielt wie Kinder, kommst du in dieser Liga nicht weiter“, ätzte er: „Wir haben viele dumme Fehler gemacht, Waldhof hat es ausgenutzt. Wir hatten viele Räume, waren aber nicht zielstrebig. So wie wir heute kommst du nicht weiter – da kommst du nur unter die Räder.“ Abwehrpartner Felix Weber, der nach abgelaufener Sperre den Vorzug gegenüber Aaron Berzel erhalten hatte, grantelte: „Wir haben in der ersten Halbzeit ein Scheiß-Standardtor kassiert. Fünf Minuten nach der Pause waren wir plötzlich 0:3 hinten. Das darf einfach nicht passieren. Nach der Pause war es ein bodenloser Auftritt.“

Und ein bitterer Rückschlag für Daniel Bierofka, der sein Team nach dem 3:0-Sieg gegen Zwickau im Aufwind gewähnt hatten. „Im letzten Drittel haben wir zu viel Hacke, Spitze, eins, zwei, drei gespielt“, kritisierte der Löwen-Coach: „Ich hab das Gefühl gehabt, dass wir nicht so brandig (aggressiv) waren wie in den letzten Spielen. Der Gegner hat uns in puncto Effektivität vorgemacht, wie man Tore erzielt.“

Das ging in der Tat erstaunlich leicht, nachdem beide Abwehrreihen anfangs gut gestanden sind. Das Spiel war zumindest 30 Minuten lang taktisch geprägt, außer ein paar Fernschüssen war wenig Spektakel geboten – bis zur verhängnisvollen 32. Minute, die Marius Willsch noch länger verfolgen dürfte. Zunächst sprang ihm ein einfaches Zuspiel von Daniel Wein vom Fuß, was er mit einem Frustfoul quittierte, einem folgenschweren . . . Die Situation, 40 Meter vor dem Löwen-Tor, wirkte nicht sonderlich gefährlich, doch der Freistoß des gefoulten Korte landete präzise auf dem Kopf von Schultz, der keine Mühe hatte, das Luftduell mit Dennis Dressel für sich zu entscheiden. Zur Pause raufte sich Willsch frustriert die Haare; Sportchef Günther Gorenzel tat es verbal, er sagte im Halbzeitinterview: „Wir können mit der ersten Halbzeit nicht zufrieden sein. Wir hatten nur in sehr wenigen Phasen Zugriff auf das Spiel. Im eigenen Ballbesitz sind wir speziell in der Spieleröffnung einfach zu statisch.“

Für Willsch und Dressel war früh Feierabend. Kurz nach dem Wiederanpfiff fiel das 0:2 durch Korte, und Bierofka wollte dem Spiel mit frischen Kräften eine Wende geben. Das misslang gründlich, denn ehe sich die Neuen sortiert hatten, stand es 0:3 (wieder durch Korte) – nach einem Fehlpass Gebharts, seiner ersten Ballberührung, nahmen die Dinge ihren Lauf. Diring setzte per Schlenzer den Schlusspunkt. Ein sichtbares Lebenszeichen war nur noch von den mitgereisten 1860-Fans gekommen. Bunter Pyro-Rauch stieg aus dem Gästeblock auf. Der Abend war nicht nur für die Katz, er dürfte im Nachgang auch noch teuer werden.

Während Bierofka der Auftritt erkennbar im Magen lag, war Erdmann bereit, hurtig zur Tagesordnung überzugehen. „Ist halt so im Fußball“, brummte er: „Manchmal kriegst du auf die Fresse. Ich sehe das ganz relaxed. Wir haben nicht verloren, weil wir Scheiße sind, sondern weil wir heute dumm waren.“ Am Donnerstag ist Totopokal bei der FT Schweinfurt, danach neun Tage Pause bis zum nächsten Punktspiel gegen Meppen. Bierofka weiß, was bis dahin zu tun ist: „Wir müssen wieder dahin kommen, wo wir nach den ersten drei Spielen waren.“

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