Stadt will durchgreifen

Ama-Derbys: Bußgelder für Hassparolen?

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Fans vor dem "kleinen Derby" am Ostermontag 2015.

München  - Sicherheitszone Giesing: Der Stadtrat soll am Dienstag beschließen, dass rund um die Amateur-Derbys weiter strenge Regeln gelten. Das KVR mahnt sogar Bußgelder für Parolen wie "Tod und Hass dem TSV" an.

Halb Giesing eine Sicherheitszone – so war das beim Derby am Ostermontag. Und so wird es auch bei den nächsten Duellen der zweiten Mannschaften von 1860 und dem FC Bayern sein. Stadt und Polizei wollen bei ihrem Konzept bleiben, dass bei den kleinen Derbys nicht nur im Stadion, sondern auch draußen im Stadtteil besondere Regeln gelten.

Einen Konsens wird es nicht mehr geben in der Frage, warum am Ostermontag (fast) alles friedlich blieb. Weil mehr als drei mal so viele Polizisten aufgeboten wurdenwie in der Vergangenheit, sagen die einen. Weil die Fans eben doch friedlicher sind als es Politik und Polizei in jenen aufgeregten April-Tagen behaupteten, sagen die anderen. Am Ostermontag hatte erstmals das Sicherheitskonzept für die Hochrisikospiele im Sechzgerstadion gegolten. Regeln, die bisher nur im Stadionbereich galten, waren auf den Bereich zwischen den U-Bahnhöfen Wettersteinplatz, Silberhornstraße und Candidplatz ausgeweitet worden. Vier Stunden vor bis zwei Stunden nach dem Spiel galt ein ausdrückliches Verbot von Vermummungen und Pyrotechnik. Wo große Gruppen zusammen zum Stadion marschierten, galt ein Glasflaschenverbot.

Am Dienstag soll der Stadtrat beschließen, die Regeln aufrechtzuerhalten. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) will die Sicherheitszone vorerst weiterlaufen lassen. Besonders problematisch findet die Polizei die sogenannten „Fanmärsche“. Schon Stunden vor den Spielen treffen sich hunderte Fans an vorher vereinbarten Treffpunkten, um anschließend gemeinsam zum Stadion zu marschieren. Die Polizei wünscht sich standardisierte Auflagen für solche Versammlungen – wie Anmelder und bestimmte Fristen. In der Stadtrats-Vorlage zeigt sich erneut, wie umstritten die schon existierenden Sicherheits-Auflagen sind. Die Polizei ist auf ganzer Linie überzeugt von den Maßnahmen. „Das Derby hat bestätigt, dass sich die Verhaltensweisen gewaltbereiter Fans nicht auf das Stadion beschränken, sondern auf die angrenzenden Stadtteile ausweiten“, heißt es in der Stellungnahme des Polizeipräsidiums. „Brennpunkte“ seien vor und nach dem Spiel insbesondere zwischen den drei nahen U-Bahnhöfen festgestellt worden. 1860-Fans hätten sich „offensichtlich in der Absicht, Bayernfans zu attackieren“, am Giesinger Grünspitz getroffen. Dort sei auch versucht worden, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen. Das Fazit der Polizei: Die im Vorfeld erstellte Gefahrenprognose habe sich „bestätigt“.

Das Fanprojekt der Arbeiterwohlfahrt hingegen hat den Ostermontag anders erlebt. In der Stellungnahme der Sozialarbeiter ist die Rede davon, dass von Bayern- und 1860-Fans keine Bestrebungen bekannt geworden seien, Auseinandersetzungen zu suchen. Für eine Großveranstaltung mit 13 000 Besuchern habe es eine „vergleichsweise geringe Anzahl an Ordnungswidrigkeiten und strafrechtlich relevanten Vergehen“ gegeben.

Das KVR auf jeden Fall sieht Probleme in einem konsequenten Vollzug der bereits bestehenden und möglicher weiterer Auflagen. So bemängelt es, dass „gewaltverherrlichende Parolen“ gerufen wurden, etwa „Tod und Hass dem TSV“. Das sei aber nicht mit Bußgeldern geahndet wurden. In Zukunft will man „einen Vollzug der Verordnung gewährleisten“. Das KVR ist aber gegen ein Glasverbot „nur für Fußballfans“ – weil man damit möglicherweise die Falschen trifft. Ums Grünwalder Stadion sei es schließlich „nicht unüblich“, dass Anwohner („als Nichtstörer“) mit „Fanschal und/oder Fantrikot“ bekleidet mit einer Glasflasche anzutreffen sind, argumentiert Blume-Beyerle.

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