Kleine Löwen zu teuer?

Auch der 1860-Nachwuchs muss zittern

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Richard Neudecker & Co. stehen vor einer ungewissen Zukunft.

München - Ein Verein zittert. Und mit ihm die ganze Stadt – zumindest der blaue Teil davon. Die Auswirkungen eines Abstiegs der Löwen sind zumindest ansatzweise absehbar. Doch was für Konsequenzen hätte er den Nachwuchs?

Seit über drei Jahren leitet der 43-jährige Wolfgang Schellenberg die Jugendabteilung des TSV 1860. In „gewöhnlichen“ Zeiten ist seine Arbeit zur aktuellen Jahreszeit weitgehend getan. Die Kader für die kommende Spielzeit stehen, die Vorbereitungspläne der einzelnen Teams sind ausgearbeitet. Das ist in diesem Jahr nicht anders. Doch wie der Rest des Vereins muss auch Schellenberg mit den Profis bangen. Sollten sich diese, angeleitet von Torsten Fröhling, den Schellenberg einst in die bayerische Landeshauptstadt lotste, am Dienstag im Rückspiel gegen Holstein Kiel durchsetzen, kann der NLZ-Leiter halbwegs entspannt seinen Urlaub antreten. Am 15. Juni nähme Daniel Bierofka mit seiner U21 die Vorbereitung auf die neue Regionalliga-Spielzeit auf, Josef Steinberger bliebe Trainer der U19-Bundesliga-Mannschaft und Günter Gorenzel Coach der U17-Junioren.

Falls jedoch das Horrorszenario Abstieg Realität wird, stünde Schellenberg vor einem Berg an ungelösten und zum Teil wohl auch unlösbaren Problemen. Zunächst wäre hier Torsten Fröhling zu nennen. Der 48-Jährige besitzt noch einen gültigen Vertrag mit der Nachwuchsabteilung. „Wenn Torsten wieder zu uns zurückkommt, werden wir einen Platz für ihn finden“, erklärt der Nachwuchs-Chef. Für welches Team allerdings, steht in den Sternen. Wäre doch insbesondere die Zukunft der U21 unsicher.

Die Reserve müsste bei einem Abstieg der Profis ebenfalls den bitteren Gang in die nächsttiefere Spielklasse, in diesem Fall also die Bayernliga antreten. Ob sie dort aber am Spielbetrieb teilnähme oder ganz abgemeldet wird, kann Schellenberg derzeit nicht endgültig beantworten. „Der finanzielle Faktor“, erläutert er unverblümt, „wird bei der U21 den Ausschlag geben, wenn wir uns das nicht leisten können, müssen wir zurückziehen“. Und das, obschon er die Aufwendungen in der Bayernliga als „deutlich billiger“ einstuft. Weniger als die Hälfte würde die fünfte im Vergleich zur vierten Liga kosten, schätzt er. Gültige Verträge besäßen etwa „95 Prozent der Spieler“, so Schellenberg, „die sportliche Leitung müsste dann entscheiden, wer für die Erste interessant ist“. Für den Rest wäre die Bayernliga ohnehin „nicht so interessant“, daher würden sich Lösungen finden, ist er überzeugt. Falls man eine Mannschaft meldet, bestünde der „Stamm aus U19-Spielern“, betont Schellenberg, „auf Dauer würde die Bayernliga aber natürlich wenig Sinn machen“.

Priorität genieße ohnehin die U19. Das älteste Junioren-Team weiter in der Bundesliga zu etablieren, hält Schellenberg für lebensnotwendig, um die Zukunft des Vereins zu gewährleisten. „Der Plan B liegt in der Schublade“, räumt er zwar ein. Liebend gerne würde er diese Schublade aber nie öffnen müssen. Ist doch etwa völlig unklar, mit wie vielen und welchen Mitarbeitern der Nachwuchs-Chef im Falle des Abstiegs planen kann. Immerhin liegt das Schicksal des Vereins in den Händen eines Mannes, der wie so viele heutige Bundesliga-Spieler dem 1860-Nachwuchs entstammt: Torsten Fröhling. Eine Verantwortung, die allerdings keiner dieser Spieler auch nur annähernd jemals zu schultern hatte.

Matthias Horner

Quelle: fussball-vorort.de

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