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1860-Aufstieg nach Nervenkrimi! „Jede andere Mannschaft wäre zusammengebrochen ...“

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Von: Ludwig Krammer

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Die Wende: Sascha Mölders verkürzt zum 1:2 per Strafstoß (66.).
Die Wende: Sascha Mölders verkürzt zum 1:2 per Strafstoß (66.). © MIS / Bernd Feil/M.i.S.

Der TSV 1860 München spielt im nächsten Jahr wieder im Profi-Fußball. Im Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Saarbrücken reichte ein hart erkämpftes Remis.

Sie! Haben! Es! Geschafft! Der TSV 1860 ist in die Dritte Liga aufgestiegen! Ein 2:2 (0:1) gegen den 1. FC Saarbrücken reichte den Löwen an einem denkwürdigen Sonntag zum Sprung zurück in den Profifußball. Sascha Mölders und Simon Seferings egalisierten den zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand mit ihren Treffern in der zweiten Halbzeit, Trainer Daniel Bierofka und sein Team haben sich einen Ehrenplatz in der Historie des Giesinger Kultvereins verdient! „Das Spiel war wieder der Hammer, emotional ohne Ende. Jede andere Mannschaft wäre nach dem 0:2 zusammengebrochen, aber was die Jungs für eine Identifikation und für einen Charakter haben… Ich weiß nicht, ob ich noch mal so eine Mannschaft trainieren werde, das ist ein Geschenk“, sagte Bie­rofka. Den Spielverlauf können Sie hier im Live-Ticker noch einmal nachlesen.

Schon nach neun Minuten hätte Saarbrücken führen müssen. Weeger hatte den Ball im Aufbau leichtfertig verloren, Mendler verpasste die Riesenchance, schoss frei vor dem Tor knapp rechts vorbei. Da hatten die Löwen den Papst in der Tasche. Erschwerend hinzu kam die fehlende Ruhe bei den (wenigen) Offensivaktionen. Koussou vertändelte den ersten aussichtsreichen Konter (18.), sieben Minuten später traf Ziereis den Ball nicht richtig, nachdem ihn der agile Karger mit einer überaus brauchbaren Hereingabe von links versorgt hatte.

Und gerade als die Gastgeber die Partie langsam unter Kontrolle zu bekommen schienen, schlug Saarbrücken zu. Der omnipräsente Patrick Schmidt, in der nächsten Saison für Zweitligist Heidenheim unterwegs, setzte sich auf links gegen vier (!) Löwen durch, brachte die Kugel von der Auslinie Richtung Elfmeterpunkt, wo letztlich Marco Holz abziehen konnte – Mauersbergers Abwehrversuch landete im eigenen Netz, 0:1 nach 32 Minuten. In der 43. Minute war Weber die letzte Bastion in der Abwehrschlacht, per Fallrückzieher schlug der Kapitän einen Kopfball von der Linie.

Auch nach dem Seitenwechsel gehörte das Spiel den Gästen, die spritziger wirkten und zweikampfstärker waren. Der erste Aufreger indes war eine Szene in der 1860-Offensive. Kehl-Gomez hatte den durchgestarteten Karger zu Fall gebracht (52.). Als letzter Mann? Das war die vieldiskutierte Frage. Schiedsrichter Markus Schmidt entschied sich gegen einen vertretbaren Platzverweis, zeigte nur Gelb. Und wenig später der nächste Dämpfer für 1860: Freistoß Saarbrücken, Kehl-Gomez legte per Kopf von der Torauslinie zurück zu Jacob, Außenrist-Knaller ins lange Eck – 0:2 (58.). Jetzt war der Südwest-Meister auf dem Weg in Liga drei.

Doch die Löwen ließen sich nicht hängen. Unterstützt von den wirklich fantastischen Fans, bei denen nur die üblichen Idioten mit Pyrotechnik aus der Reihe rauchten, drängten sie auf den lebenswichtigen Anschlusstreffer. Der für Koussou gekommene Kindsvater tanzte drei Minuten nach seiner Einwechslung Müller aus, der Saarbrücker wusste sich im Sechzehner nur mit einem Foul zu helfen. Klarer Fall: Elfmeter. Sascha Mölders verlud Keeper Batz, schob flach links ein (67.). „Man kann es nicht beschreiben, das ist Wahnsinn. Alle haben gesagt, dass Sechzig München der krasse Außenseiter ist. Wir haben immer an uns geglaubt, deswegen haben wir es verdient“, sagte Mölders.

Es war der Auftakt einer nervenzehrenden Schlussphase. Erst traf Mendler aus der Distanz die Querlatte (70.), dann musste Mölders mit Verdacht auf eine Muskelverletzung raus (77.). Berzel kam, und fünf Minuten später Seferings für Ziereis. Der letzte Wechsel – ein goldener! Nur wenige Sekunden auf dem Platz nutzte der Rheinländer eine Hereingabe von Karger zum 2:2 (83.). Jetzt hielt es niemand mehr auf dem Sitz, Bierofka riss sich schimpfend die Kappe vom Kopf, als fünf Nachspielminuten angezeigt wurden. Und um 15.51 Uhr war’s geschafft. Grenzenloser Jubel auf Giesings Höhen, der Sechzgermarsch, ein Meer aus Fans auf dem Platz – Glückwunsch zum Aufstieg, Löwen!

Ludwig Krammer

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