"Holledauer Löwen"

Mit Flüchtlingen ins Stadion: Fanclub-Chef erklärt die Aktion

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Gruppenfoto vor der Arena: Die Holledauer Löwen waren mit Flüchtlingen beim 1860-Spiel.

Au/Hallertau - Beim 1:1-Unentschieden des TSV 1860 München gab es am Samstag doch glückliche Gewinner: Auf Einladung der Holledauer Löwen durften Flüchtlinge aus Au gemeinsam mit Betreuern der Bürgerinitiative Au das Fußball-Spektakel mit Wiesn-Flair erleben.

Die Blauen des TSV 1860, diesmal in grünen Wiesn-Trikots, trafen am Samstag in der Allianz-Arena auf die Roten Teufel vom 1. FC Kaiserslautern. Mit dabei: afrikanische Asylbewerber aus Au, die der dortige 1860-Fanclub Holledauer Löwen spontan zur Partie eingeladen hatte.

Schon bei der Anreise im Bus kam mit launigen Willkommens-Ansprachen und Gesängen eine tolle Stimmung auf. Begeistert von der riesigen Arena und den unermüdlichen Motivationsgesängen von den Sechzger-Fans in der Nordkurve, wurden die „neuen Holledauer Fans“ aus Afrika bei Torchancen und ausbleibenden Elfmeterpfiffen immer wieder aus den Sitzen gerissen und feuerten die Heimmannschaft an.

Für den ersehnten ersten Löwen-Sieg der laufenden Saison hat es diesmal leider nicht gereicht. Das schmälerte jedoch nicht den Appetit auf dem Busparkplatz, wo die Holledauer Löwen vor der Heimfahrt noch eine deftige Brotzeit und Bier für alle Gäste kredenzten. Weil’s für alle etwas ganz Besonderes war, haben trotz Unentschieden auch die Holledauer Löwen mit ihrer ungewöhnlichen Einladung viel gewonnen: jede Menge Sympathie, Respekt – und neue Fans.

Interview mit Fanclub-Vorsitzendem Andy Kern:

Arena statt Asylheim: Der Auer 1860-Fanclub hat 16 Flüchtlinge und ihre Betreuer von der Bürgerinitiative zum Heimspiel gegen Kaiserslautern eingeladen. Das Freisinger Tagblatt hat mit Vorsitzendem Andy Kern über die ungewöhnliche Aktion gesprochen:

-Herr Kern, wie sind die Holledauer Löwen auf die Idee mit der Einladung gekommen?

Das Thema ist ja mehr als aktuell. Überall gibt es Aktionen, mit denen Flüchtlingen geholfen wird – da wollten wir von der Vorstandschaft auch etwas starten. Als ich bei der Bürgerinitiative Au telefonisch nachgefragt habe, ob Interesse besteht, habe ich offene Türen eingerannt.

-Als Sie gemeinsam im Stadion saßen, was war das für eine Atmosphäre?

Unseren Gästen hat’s sehr gut gefallen. Und man muss ja nicht unbedingt Fußball-begeistert oder Löwenfan sein, es ist auch so schon ein großartiges Erlebnis, in diesem riesigen Stadion zu sitzen.

-Wie haben Sie sich denn verständigt?

Das war kein Problem. Viele von den Flüchtlingen konnten schon ein paar Brocken Deutsch. Einer von ihnen spricht sehr gut unsere Sprache, der hat dann auch mal für die anderen übersetzt.

-Nach dem Spiel gab’s Bier und Wurst am Bus – auch für die gläubigen Moslems, die auf Alkohol und Schweinefleisch verzichten?

(lacht) Einige haben sich trotzdem über ein Bier gefreut. Und an das Thema Schweinefleisch haben wir natürlich gedacht – deshalb gab’s auch Käse und Kalbswurst.

-Letzte Frage: War das eine einmalige Aktion?

Aus meiner Sicht kam’s bei allen gut an. Gut möglich also, dass wir das wiederholen.

Interview: Armin Forster

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