Festnahme im Mordfall Peggy

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„Team ist wie ein Bruder für mich“

Awata: Sein langer Weg als Flüchtling zu 1860

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Mohamed Awata (l.) kommt aus Syrien, sein bester Kumpel bei den Löwen ist Christian Köppel (r.).

Der Bürgerkrieg zwang den syrischen Fußballer Mohamad Awata zur Flucht, die ihn nach Deutschland brachte. Einer der Hauptgründe, warum er schließlich bei den Löwen landete: Trainer Daniel Bierofka. 

München - Wenn Mohamad Awata vor einem sitzt, kann man sich kaum vorstellen, was der 23-jährige Syrer in seinem Leben schon durchgemacht hat. Er lacht viel, macht Witze. Erklärt den Journalisten, dass alle seinen Nachnamen falsch aussprechen (richtig ist Auwaata). Schwer zu glauben, dass er vor gar nicht so langer Zeit nicht daran denken konnte, mit einer Fußballmannschaft im Trainingslager in Österreich zu sein. „Ich werde das nie vergessen, wie Daniel Bierofka sich um mich gekümmert hat“, sagt er.

Mit 16 Jahren wurde Awata in seinem Heimatland Profi, schaffte es in die U21 Nationalelf und machte sogar ein Spiel in der asiatischen Champions-League. Doch dann kam der Bürgerkrieg. Seine Mutter und sein Onkel starben durch eine Bombe auf sein Haus. Awatas einzige Chance: die Flucht. 2000 Euro bezahlte er, mit dem Auto ging es erst in die Türkei, dann auf dem Seeweg nach Griechenland. 70 Menschen waren mit ihm auf dem Schiff. Er schaffte es nach Stuttgart. „Ein Freund sagte mir dort, dass ich zu 1860 kommen soll“, erinnert sich Awata. Gesagt, getan. „Bierofka hat mich mit offenen Armen empfangen. Ich mag ihn, er steht hinter mir!“ 

„Mein Vater und mein Bruder sind noch in Syrien“

Der so Gelobte findet auch gute Worte für den Stürmer. „Er ist sehr dankbar, dass er die Chance erhält hier sein zu dürfen. Er hat mich in den neun Monaten, in denen wir auf die Spielgenehmigung gewartet haben überzeugt. Er ist wissbegierig und ein Mannschaftsspieler“, sagt Bierofka, „er bedankt sich, wenn er ein Tor geschossen hat.“ Im März diese Jahres wechselte Bierofka Awata beim 1:0 Sieg in Memmingen zum ersten Mal ein, das erste Mal von Anfang an spielte er im Derby gegen Bayern II. Insgesamt machte er Awata in der vergangenen Regionalliga-Saison sieben Spiele (kein Scorerpunkt). Am vergangenen Wochenende gelangen ihm beim Vorbereitungstunier in Winterlingen dafür zwei Tore. „Mein Vater und mein Bruder sind noch in Syrien“, sagt Awata. „Wenn ich einen Profivertrag habe, möchte ich sie holen!“

Jetzt ist seine Familie erstmal die Mannschaft. „Das Team ist wie ein Bruder für mich“, sagt Awata. Ganz besonders Christian Köppel. „Ich war verletzt, er durfte nicht trainieren. Ich habe dann Flanken geschlagen und er hat Kopfbälle gemacht!“, sagt Köppel. Er lernt durch ihn ein bisschen Arabisch. Das wichtigste Wort: Habibi. Auf Deutsch: Freund.

Der TSV 1860 bezieht vom 26. Juni bis 1. Juli sein Trainingslager in Obertraun (Österreich). Wir halten Sie hier im News-Ticker über alle Geschehnisse rund um die Löwen auf dem Laufenden.

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