Aufatmen bei Eintracht Frankfurt

Bengalos bei Spiel gegen 1860: Strafe reduziert

Frankfurt/Main - Aufatmen bei Eintracht Frankfurt: Das Bundesgericht des DFB hat die Strafe gegen den Aufsteiger reduziert. Geahndet wurden auch Ausschreitungen beim Spiel gegen 1860.

Am „grünen Tisch“ erfolgreich - aber trotzdem nicht wirklich zufrieden: „Es ist ein verbessertes Urteil. Ob es ein Erfolg ist, will ich jetzt noch nicht beurteilen“, sagte Eintrach-Boss Heribert Bruchhagen, nachdem das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Teilausschluss der Zuschauer gegen den Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt in einer mündlichen Berufungsverhandlung am Montag reduziert hatte.

Beim ersten Saison-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen sind nun nun doch 26.500 Heim- und 5000 Gästefans zugelassen. Dafür müssen die Hessen allerdings eine erhöhte Geldstrafe von 100.000 Euro bezahlen. Trotz des verringerten Straßmaßes nach einer über sechsstündigen Verhandlung ließ sich Bruchhagen weitere rechtliche Schritte offen: „Im Urteil sind weder die Wünsche des Kontrollausschusses, noch unsere berücksichtigt worden. Wir werden bei unserer Vorstandssitzungen am Dienstag beraten, welche Konsequenzen wir aus diesem Urteil ziehen.“

Das DFB-Sportgerichts hatte am 20. Juli wegen drei Fällen unsportlichen Verhaltens von Eintracht-Fans entschieden, bei der Partie gegen Bayer Leverkusen am 25. August nur 15.000 Heim- und bis zu 5000 Gästefans zuzulassen. Die Stehplatzbereiche hätten geschlossen bleiben müssen. Public Viewing auf dem Stadion- oder Vereinsgelände war zudem untersagt worden. Dieses Urteil wurde nun vom DFB-Bundesgericht gekippt.

„Wir meinen, dass der Teilausschluss auch in dieser Größenordnung den teilwiese gravierenden Ausschreitungen noch angemessen ist. Der Verein hat sich bei Ordnungsdienst und Fanbetreuung nichts zuschulden kommen lassen. Dem haben wir Rechnung getragen“, sagte Goetz Eilers, der Vorsitzenden des DFB-Bundesgericht.

Doch auch Eilers räumte ein, mit den momentanen Möglichkeiten der Sportsgerichtbarkeit nicht zufrieden zu sein: „Natürlich bestrafen wir Vereine für das schuldhafte Verhalten ihrer Anhänger. Das ist keine ideale Situation. Im Moment gibt es dazu aber keine bessere Alternative.“

„Das Gericht war in der schwierigen Situation, ein Urteil zu finden, das kein falsches Signal aussendet. Auch nicht an die friedlichen Fans. Aber kein Urteil kann die grundsätzliche Problematik beseitigen“, sagte Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt.

Geahndet worden waren die Vorkommnisse in den Partie bei Alemannia Aachen, beim Karlsruher SC und gegen 1860 München. In Aachen hatten Frankfurter Zuschauer eine abgebrochene Sitzschale, eine Leuchtrakete und einen gefüllten Bierbecher auf das Spielfeld geworfen sowie bengalische Feuer gezündet. Nach dem Heimspiel gegen München waren einige Anhänger des Aufsteigers - teilweise mit Leuchtfeuer in den Händen - auf den Platz gelaufen. In Karlsruhe waren etwa 400 Frankfurter Zuschauer in den Eingangsbereich gestürmt, zudem war eine große Menge Pyrotechnik gezündet worden.

Die Zeugen bestätigten übereinstimmend die Bemühungen der Eintracht, des Fanproblems Herr zu werden. “Wir würden wieder so handeln“, sagte Oliver Lerch, Sicherheitsbeauftragter und Veranstaltungsleiter bei den Frankfurtern. Nach der Partie am 29. April gegen 1860 München waren die Tore im Stehplatzbereich geöffnet worden. “Es bestand Gefahr für Leib und Leben“, begründete Lerch die mit der Polizei abgestimmte Maßnahme.

Unter anderem hatte die Eintracht bei ihre Berufung damit begründet, dass die Strafe „unangemessen“ sei und vor allem „die friedlichen Zuschauer“ träfe. „Der negative Bazillus der Vorsaison“ würde so in die kommende Spielzeit übertragen. Zudem habe man „alles Menschenmögliche“ getan, um die Vorfälle zu verhindern.

sid

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

1.4.2011: Beim Spiel St. Pauli gegen den FC Schalke 04 wurde Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen. Hier sehen Sie weitere Geschosse, die auf Spielfelder jeglicher Sportarten geworfen wurden. Einige davon sind sehr skurril - aber gefährlich sind die meisten allemal. Also: Bitte nicht nachmachen! © Getty
Thorsten Schiffner war nicht der erste Schiedsrichter-Assistent, der von einem Becher getroffen wurde. 2006 streckte Kai Voss beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Stuttgarter Kickers und Hertha BSC ein Bierbecher nieder. © getty
Deutschlands Torhüter bei der Weltmeisterschaft 1974 wurde von einem Gymnasiasten 1971 mit einem Messer beworfen. Er wurde aber - zum Glück - nicht getroffen. © dpa
Ein Motorroller im Stadion (hier mit Uli Hoeneß am Steuer) ist schon ungewöhnlich. Erst recht beim Mailänder Derby 2001: Dort versuchten Stadionbesucher einen Roller von der Tribüne zu werfen. © getty
Frank Baumann (M.) erwischte es während eines Bundesligaspiels. Er wurde im November 2008 von einem Handy-Akku getroffen. © getty
Im Carling-Cup-Finale 2007 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal flog Sellerie von den Rängen. Arsenals Fabregas kann es nicht verstehen. Die Fans des FC Chelsea sangen bei fast jedem Spiel ein nicht jugendfreies Lied, in dem auch das Gemüse vorkommt. © getty
Beim UEFA-Cup-Spiel zwischen NEC Nijmegen und dem HSV traf Schiedsrichter Darko Ceferin ein undefiniertes Wurfgeschoss am Kopf. Das Spiel musste unterbrochen werden. © getty
Anders Frisk wurde beim Champions-League-Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew von einem Wurfgeschoss getroffen und musste mit einer Platzwunde vom Platz. © getty
Oliver Kahn traf am 12. April 2000 in Freiburg ein Golfball. Blutüberströmt musste er von Uli Hoeneß zurückgehalten werden, da er völlig außer sich war. © ap
FC Liverpool - AFC Sunderland im Oktober 2009: Ein großer roter Strandball wurde aufs Spielfeld geworfen. Dort landete er im Liverpooler Strafraum, wo der Ball einen Schuss unhaltbar für José Reina abfälschte. Das Spiel endete 0:1.  © getty
Halbfinale UEFA-Cup: Hamburger SV gegen Werder Bremen: Stand 1:2 für Bremen. Diese Papierkugel lenkte einen Ball entscheidend zur Ecke ab, die prompt das 1:3 für die Werderaner brachte. Trotz des Anschlusstreffers drei Minuten vor Schluss schied Hamburg aus. © dpa
Auch Toilettenpapier fliegt regelmäßig auf den Rasen. Hier beim Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg. Raphael Schäfer, Torhüter des "Clubs", zeigte sich aber unbeeindruckt. © getty
Im Carling-Cup-Halbfinale gegen den Ortsrivalen ManU wurde Craig Bellamy 2010 von einer Münze am Kopf getroffen. Eine heranfliegende Bierflasche flog knapp an ihm vorbei. © getty
Mailänder Derby 2005: Im Champions-League-Viertelfinale wurde AC Milans Torhüter Dida von Leuchtraketen getroffen und sank zu Boden. Das Spiel wurde abgebrochen. © dpa
Neben Leuchtraketen und einer Rumflasche warfen Zuschauer 2006 auch eine Katze auf das Spielfeld: Geschehen beim Derby zwischen Real Betis und FC Sevilla. © dpa
Viele Ratten wurden bei den Florida Panthers ab 1992 aufs Spielfeld geworfen. Grund: Scott Mellanby tötete eine Ratte in der Kabine mit dem Stock und traf danach zwei Mal. 1996 wurde diese Sitte verboten. © dpa
Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel am 7.November 2010: Fans des FC Basel warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Damit sollte gegen die frühe Anstoßzeit der Partie protestiert werden, welche auf Druck des Schweizer Fernsehens und wegen des Finals der Swiss Indoors in Basel vorverlegt wurde. © dpa
Ein Schweinekopf flog im Camp Nou beim "Clasico" zwischen Real Madrid und FC Barcelona aufs Spielfeld. Damit wollten die Fans von Barca ihre Meinung zum Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real zeigen. © dpa
Stadionsitze sind, besonders in Südamerika, beliebte Wurfgeschosse. Allerdings auch in Europa kommt es vor, dass Sitze aufs Spielfeld fliegen, so auch 2000 beim Spiel Sevilla gegen Atletico Madrid. © dpa
Paul hatte Glück, in einem Aquarium zu leben. In der NHL wurden bei Siegen der Detroit Red Wings Tintenfische regelmäßig aufs Eis geworfen. Das hatte Tradition, da 1952 ein Besitzer eines Fischlokals immer ein Oktopus aufs Feld warf, der für die Play-offs einen Sieg bescheren sollte. Das schwerste Tier wog 25 Kilo. © dpa
Zahlreiche Dildos flogen im Oktober 2008 im Spiel zwischen AIK Stockholm gegen Leksand aufs Eis. Die Fans des Stockholmer Eishockey-Klubs zeigten damit ihren Unmut über Jan Huokko, der sich zum Jahresanfang einen Sexskandal leistete. © dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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